Kurier macht den Klau-Test an der Uni

Eine gute Stunde Beutezug in der Universität. Die Ausbeute: ein Smartphone, ein Laptop und ein Geldbeutel. Nicht schlecht für das erste Mal. Und nach dieser einen Stunde hätte man auch noch einen Handel mit Handy- und Laptop-Ladegeräten, sowie Taschenrechnern aufmachen können. Wer noch eine neue Jacke oder Tasche braucht, wäre an der Universität auch fündig geworden. Der Praxistest in drei Teilbereichsbibliotheken hat gezeigt, dass Diebe tatsächlich leichtes Spiel hätten.

Der Streifzug beginnt in der Zentralbibliothek. Für einen Amateur-Dieb ist dies eher schwieriges Terrain. Zurzeit, in der Klausurenphase, sitzen die Studenten eng gedrängt, Schulter an Schulter und mit dem Rücken zum Gang. Wer hier stehlen will, muss dreist sein. Einzig Winterjacken, Taschen und Rucksäcke hängen einfach so im Eingang der Bibliothek. „Ich würde es zur Mittagszeit versuchen, da ist es leerer“, meint eine Studentin auf Nachfrage der Kurier-„Test-Diebin“.

"Mir wurde noch nie etwas geklaut"

Nach der Zentralbibliothek führt der Beutezug in die Teilbereichsbibliothek der Geowissenschaften. Student Fabian Wismeth wird das erste Opfer. Vertieft in seine Studienunterlagen und mit Musik auf den Kopfhörern, ist es erstaunlich leicht, ihm sein Smartphone und seinen Geldbeutel im Vorbeigehen zu stehlen. Er hatte beides einfach neben sich gelegt. „Mir wurde noch nie etwas geklaut und ich habe auch keine Bekannten, denen hier schon einmal etwas gestohlen wurde“, sagt Wismeth, als er von der Kurier-„Test-Diebin“ seine Sachen zurückbekommt. „Ich vertraue noch auf die Ehrlichkeit der Menschen.“

In der Bibliothek der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler ist das Bild ähnlich, wie schon in der Zentralbibliothek und auch Teilbibliothek Geowissenschaften – ein riesiges Durcheinander an Jacken und Taschen. Einige Laptops stehen unbeaufsichtigt auf den Tischen. Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus: Ein echter Dieb kommt hier nicht zum Zuge, da die Laptops mit Laptopschlössern gesichert sind. Dafür aber liegen Taschenrechner, Ladegeräte oder auch Kopfhörer offen auf den Tischen. Nur ein Handgriff und sie wären im Sack. Nils Lachmann, Student der Betriebswirtschaftslehre, lässt aber sogar seinen Laptop unbeaufsichtigt. Während seiner einstündigen Mittagspause steht das Gerät ungesichert, direkt am Treppenaufgang der Bibliothek. Weder Freunde noch Kommilitonen hatte er gebeten, ein Auge auf seinen Laptop zu werfen.

Da alle Mitstudenten mit dem Rücken zu Lachmanns Platz sitzen, ist es ein Kinderspiel für die „Test-Diebin“, den Laptop einfach mitzunehmen. „Ich sitze an diesem Platz schon seit Wochen und lasse meine Sachen öfter mal unbeaufsichtigt – bislang ist nie etwas passiert“, sagt der 24-Jährige, als er zurück aus der Mensa kommt. Lachmann hat auf seinem Laptop seine angefangene Bachelorarbeit gespeichert – das wäre nicht nur ein teures Vergnügen geworden, sondern auch ein sehr frustrierendes. „Eigentlich habe ich auch ein Schließfach. Aber ich glaube an das Gute im Menschen“, sagt er. „Wenn Wertgegenstände unbeaufsichtigt herum liegen, reizt es natürlich Diebe eher dazu zu stehlen“, erklärt die Pressesprecherin der Polizei Bayreuth, Sonja Schneider.

Das Fazit des Praxistests ist eindeutig: Auch ohne jede Erfahrung in Sachen Diebstahl, ist man in der Universität schnell erfolgreich. Die Verantwortlichen der Universitätsbibliothek haben zwar die Studenten gewarnt. Aber einige Bibliotheksbesucher gehen trotz der jüngsten Erfahrungen, immer noch fahrlässig mit ihren Wertsachen um. Gelegenheit macht eben doch Diebe.

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Kommentare

Jeden, der auch nur ein paar Semester an einer Universität war, wird das Ergebnis sicher nicht verwundert. Fahrlässigkeit ("das Gute im Menschen" und ab in die Mensa...) ist das eine, aber wie oft muss man mal kurz zwei Regale weiter nach Literatur sehen (damit man bei der Diss auch richtig zitiert) und kann nicht alles mitnehmen oder wegschließen.
Zum Glück saß ich in den Bibs in der Vorlaptopzeit, da fiel der Schaden geringer aus. Weggekommen ist nie etwas, weder in Deutschland noch im Ausland. Doch wo tausende Menschen aufeinandertreffen, sind immer schwarze Schafe dabei, zumal wohl auch Externe auf Diebeszug gehen. Zum Beispiel NK-Mitarbeiterinnen. Gut, dass auch jeder, der noch nie in der Uni war, weiß, wie lohnenswert der Besuch einer Hochschule ist. Doch es gibt ja in der Tat Laptopschlösser. Den Geldbeutel sollte man nirgend herumliegen lassen, auch in der Uni nicht.

Aber wir lernen ja nicht für die Schule, sondern für das Leben.
q.e.d.
Kurier! Nach dem DISCO-TEST jetzt der UNI-TEST! Was kommt als nächstes der ALTPAPIERCONTAINER-FINGER-TEST?
So schlimm ist das nun auch wieder nicht. So kann sich auch jemand ein Bild machen, der die Uni nur vom Hörensagen kennt. Über die Problematik wurde vorher bereits berichtet und zudem ist der NK eine Lokalzeitung und nicht die FAZ. Es ja nicht jeden jeder Artikel interessieren.
so kann sich auch jemand ein Bild machen, ... genau BILD dir deine Meinung.
Was sollen diese stänkernden Bemerkungen, die ich auch als ein wenig herablassend in meine Richtung werte? Der NK ist, wie gesagt, eine Lokalzeitung, in der für derartige Berichte Platz ist und nicht die FAZ. Man muss es nicht lesen - niemanden interessiert alles, was gebracht wird. Sonst könnte man sich auch über Nachrufe echauffieren, denn den Verstorbenen hat in der Regel auch nicht jeder gekannt. Herr Braun hat übrigens schon häufiger zum Thema Lokalzeitung geschrieben.
Noch ein Wort zum NK: Wenn ich ein Weißbier bestelle, vergleiche ich das auch nicht mit einem Champagner (damit ist nicht die Bild gemeint). Alles zu seiner Zeit.


Was nicht eingeschlossen ist wird so guit wie alles geklaut. Im November ist mir bereits eine Stoffbeutel mit darin befindlicher Brotzeit geklaut worden.

Schlimmer ist es am Freitag, 24.1. gekommen. Aus einem allerdings unverschlossenen Schließfach auf dem Gang der rechts- und wirtschaftswisenschaftlichen Fakultät ist mir eine nur mit unbedeutenden Schriftstücken gefüllte alte beschädigte Umhängeaktentasche, ein Stoffbeutel mit 8 0,2-l-Beuteln Orangensaftgetränk und ein weiterer Stoffbeutel mit einem Funkwecker zu 10 Euro, einem Klappschirm zu 2,50 Euro und einer Strickmütze zu 3,50 Euro geklaut worden. Alles eigentlich nur ein Schaden von etwa 20 Euro. Nur waren da noch in einem der Stoffbeutel zwei am gleichen Tag aus der Universitätsbibliothek ausgeliehene Bücher. Für die werde ich wohl ihren Neubeschaffungswert von 44,00 Euro zahlen müssen, falls sie der Dieb nicht weggeworfen hat und jemand anderes sie findet und in der Bibliothek abgibt. Schaden: 64,00 Euro und zwei Stoffbeutel mit Werbeaufdruck, einer davon mit dem Oberfranken-Logo.
Korrektur 1. Absatz:
Was nicht eingeschlossen ist wird so gut wie alles geklaut. Im November ist mir bereits ein Stoffbeutel mit darin befindlicher Brotzeit geklaut worden.
Lieber Herr Kiepfer, das haben Sie uns bereits mitgeteilt. In den Bereich der Schwerkriminalität fällt das noch nicht gerade. Der Dieb muss sehr verzweifelt gewesen sein.

Auf der anderen Seite ist die statistische Wahrscheinlichkeit auch wesentlich höher als bei den meisten anderen, wenn man bedenkt, dass Sie seit 1981 an der Uni sind. Vielleicht können Sie uns mit einer Langzeitanalyse erhellen.
Der nachteil dieser Kommentierfunktion ist, dass wenn ein neuer Beitrag zum gleichen Thema geschaltet wird die alten Kommentare nicht übernommen werden. Anders ist das im KURIER-Forum http://forum.nordbayerischer-kurier.de !

Aber langsam wird wegen Facebook sowohl die Kommentierfunktion als auch das Forum an Nutzermangel zu Grunde gehen.
Korrektur: Nachteil
Wow, ein echter Kriminalfall, das riecht nach Bandenkriminalität.
Schon vor längerer Zeit kam mir meine Unschuld abhanden. Leichtsinnigerweise habe ich meine Unschuld, wenn auch nur für kurze Zeit, in einer nichteinsehbaren Ecke abgestellt.