Kunstmuseum ehrt jüdisches Künstlerpaar

Eric und Jula Isenburger mussten vor den Nationalsozialisten fliehen. Er war Maler und Bühnenbildner, seine aus Polen stammende Frau war Tänzerin. Nach einem Hinweis seines Galeristen Wolfgang Gurlitt, dass beide Künstler auf einer Todesliste der Nationalsozialisten stünden, flohen sie nach Frankreich. Nach Stationen in Paris und Südfrankreich, wo sie in einem Lager lebten, gelang ihnen unter abenteuerlichen Umständen die Flucht in die USA. Über Lissabon und mit Hilfe befreundeter Künstler wie Henri Matisse gelangten sie 1941 nach New York. Eric Isenburger starb 1994, Jula im Jahr 2000.

Ihr Schicksal ist beinahe vergessen

Eine mitreißende Einführung in das Leben und Werk des beinahe vergessenen Künstlerpaares gab Rolf Jessewitsch vom Kunstmuseum Solingen und dem Zentrum für Verfemte Künste. Erich Eisenburger, so der Geburtsname des Malers, besuchte in Frankfurt die Kunstgewerbeschule. Sein Stil in der Anfangszeit in den zwanziger Jahren lasse sich schwer klassifizieren, so Jessewitsch. Vielmehr sei Isenburger damals noch auf der Suche nach einer eigenen Ausdrucksform gewesen. So gebe es Anklänge an den Expressionismus, die Neue Sachlichkeit und die Hell-Dunkel-Malerei des Barock in seinen Arbeiten. Anspielungen auf die jüdische Kultur fänden sich, bis auf eine Ausnahme, keine in Isenburgers Werk. Die von ihm verwendete Farbpalette reduziere sich auf Blau- und Gelbtöne und deren Kombination, die sogenannte Vier-Pigmente-Methode. Eine filmische Technik habe sich Isenburger in der Lasur-Malerei ebenso angeeignet: „Die Doppelbelichtung im gemalten Bild.“

Werke bis Ende der dreißiger Jahre

Die Ausstellung endet mit der Flucht nach New York. Dort wirkt Isenburger später als Professor, seine Frau gibt ihre Karriere auf. Wolfgang Gurlitt hatte dem Maler Jessewitsch zufolge Kunstwerke ins Exil hinterhergeschickt. Daher war die Teilnahme an Kunstausstellungen in London und Stockholm möglich. Einen Teil der Werke behielt er in seiner Galerie, wobei sie später in München aufgetaucht seien. Doch dieser Kunstkrimi ist eine andere Geschichte. 95 Prozent der in Bayreuth gezeigten Werke stammen aus Privatbesitz. Die Ausstellung im Kunstmuseum Bayreuth entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum Giersch der Goethe-Universität in Frankfurt und dem Kunstmuseum Solingen. Unterstützt wird die Schau zudem vom Rheinischen Landesmuseum Bonn und der Eric und Jula Isenburger-Gesellschaft.

Chronologischer Aufbau

Der Rundgang durch die Isenburger-Ausstellung ist chronologisch aufgebaut: Landschaften, Stillleben, Stadtansichten, mal in Öl, als Aquarell, Radierung oder Zeichnung. Am bemerkenswertesten sind jedoch die Porträts, von denen die meisten Jula Isenburger darstellen. Schön und geheimnisvoll wirkt die Tänzerin, auf zwei Gemälden trägt sie den Kopf ihres Mannes auf dem Schoß. Ausdrucksstark das Bild der Tänzerin in leuchtendem Rot von 1930. Darauf scheint sie ihren Partner (ihren Mann?) auf den Schultern zu tragen. Der „Liegende Halbakt“ steht exemplarisch für die Technik, die Isenburger häufig anwendete: Auf dunklem, fast schwarzen Grund schneidet, ritzt und kratzt er die Konturen seiner Modelle und Motive. Er ließ sich immer wieder von der Tänzerwelt seiner Frau, dem Ausdruckstanz und der Musik in den Jazz-Clubs inspirieren.

Tanzvorführung im Saal

Das Leben und die Liebe des Paares übersetzte Anika Schmidt in eine Modern-Dance-Choreographie. Anika Schmidt absolviert ein Freiwiliges Soziales Jahr im Kunstmuseum. An drei Stationen tanzten sie und Tobias Wolfrum, Anna Oertwig, Pauline Korn, Viktoria Späth und Lilly Bauschke die Wendepunkte im Leben der Isenburgers nach.

Museumsleiterin Marina von Assel und Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe hoben eingangs hervor, dass die Isenburgers das Schicksal vieler verfolgter jüdischer Künstler teilen. „Wann ist es Zeit, sein Land zu verlassen?“ Diese Frage hätten sich auch Paul Klee, Lionel Feininger, Max Beckmann, George Grosz, Max Ernst und viele weitere Kunstschaffende stellen müssen. Fast sei es dem NS-Regime gelungen, „die Namen des Künstlerpaares aus unserem Gedächtnis zu tilgen“, sagte von Assel.

"Ausgrenzung und Rassismus haben bei uns keinen Platz"

Die Oberbürgermeisterin stellte in einer engagierten Rede fest: „Antisemitismus, Leugnung des Existenzrechtes des Staates Israel, Ausgrenzung und Rassismus haben bei uns keinen Platz.“ Die Geschichte des Landes und nicht zuletzt die Geschichte der Stadt Bayreuth seien eine Verpflichtung, Unmenschlichkeit, Ungerechtigkeit und Rassismus entgegenzutreten. Wenn antijüdische Klischees, Angriffe auf jüdische Mitbürger und ihre Kulturgüter wieder zunehmen, sei dies beschämend und dürfe nicht geduldet werden. „Wie aktuell diese Ausstellung ist, zeigt sich an dem vielerorts wieder aufflammenden Antisemitismus in Deutschland.“


Zum Programm: „Eric und Jula Isenburger. Von Frankfurt nach New York“. 10. Juni bis 14. Oktober. Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr; Juli/August auch Montag, 10 bis 17 Uhr. Das Kunstmuseum bietet ein Begleitprogramm zu der Ausstellung an. Eine Spezialführung gibt es  am Montag, 11. Juni, ab 20 Uhr für Freunde des Kunstmuseums und solche, die es werden wollen. Mit Rolf Jessewitsch und Marina von Assel.

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