Künstliche Felsen aus dem Fichtelgebirge

Was haben die Tiger im Wuppertaler Zoo mit den Krokodilen im Chester-Zoo in England und den Bären im Wildpark in der Lüneburger Heide gemeinsam? Sie alle leben in Landschaften, die etwas mit Oberfranken zu tun haben. Sie sind von Felsen umgeben, die zwar von Form und Farbe ganz unterschiedlich aussehen, die aber aus dem Fichtelgebirge stammen.

Vor Ort gebaut

Im übertragenen Sinn: Denn die Felsen wurden nicht aus der steinreichen Region im Nordosten Bayerns an die verschiedensten Orte deutschland- oder gar europaweit ausgeliefert. Sie wurden dort vor Ort gebaut – von Experten aus dem Fichtelgebirge, aus Schönbrunn bei Wunsiedel. Dort ist der Kunstfelsenbauer Kago & Hammerschmidt zu Hause.

Hinter dem Kürzel Kago steht der Name des einen Geschäftsführer Klaus Gohl, hinter Hammerschmidt der andere: Kai Hammerschmidt. Daran, dass die Firma vor 25 Jahren entstand, waren letztlich die politische Großwetterlage und die Personalpolitik der Polizei schuld: Klaus Gohl ging es so wie vielen Oberfranken, als Polizist hatte er seinen Dienstort in München.

Bürgermeister in Zweifel

Und nach der Grenzöffnung zwischen Deutschland und Tschechien gab es im Landkreis Wunsiedel so viele Grenzpolizisten, die keine Grenze mehr zu bewachen hatten, dass Gohl alle seine Hoffnungen auf einen heimatnahen Einsatzort begraben musste. Er schmiss hin und machte sich selbstständig.

Zunächst nicht mit Felsen, sondern mit Pflanzenarrangements und Zimmerbrunnen. Kann man damit erfolgreich sein? Gohl: „Ich war hoch motiviert. Der damalige Bürgermeister von Wunsiedel sagte zu mir: ,Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, glaube aber nicht, dass es was wird.’ Das zeigt deutlich, was man uns zugetraut hat.“

1993 stieß Kai Hammerschmidt zur Firma. Für den Modelleur und Absolventen der Designfachschule in Selb gab es in einer großen Porzellanfabrik keinen Job mehr, er hatte sich mit einer Porzellanmanufaktur selbstständig gemacht.

Hat sich so ergeben

Hammerschmidt arbeitete mit Gohl im Vertrieb zusammen, bald stieg er in dessen Unternehmen mit ein. Aber wie wurden die beiden zu Felsenbauern? Wenn man mit Gohl und Hammerschmidt spricht, dann klingt das alles völlig unspektakulär. Das habe sich eben so ergeben.

„Die Steine wurde immer größer“, sagt Kai Hammerschmidt. Denn in der Anfangszeit verbauten die beiden in Brunnen und Pflanzumrandungen kleine Lavasteine. Doch die Anforderungen der Kunden wurden größer.

Anfang der 2000er Jahre hatten die Felsenbauer aus dem Fichtelgebirge ihren ersten Großauftrag – im Zoom in Gelsenkirchen, dem ehemaligen Ruhr-Zoo. „Was haben wir an Herzblut in unseren ersten Großauftrag investiert“, schwärmt Gohl. „Damals dachten wir, es kann nicht mehr viel größer werden“, erinnert sich Hammerschmidt. 

Er sollte sich täuschen: Die Wunsiedler Firma gehört in dieser Branche inzwischen in Europa zu den wichtigsten Anbietern. In etlichen Zoos waren in den vergangenen Jahren die Spezialisten aus dem Fichtelgebirge im Einsatz, um Felsenlandschaften oder Kulissen zu bauen. In Freizeitparks wie dem Astrid-Lindgren-Park in Schweden oder dem Lego-Land in Günzburg sind ihre Werke ebenso zu finden wie bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg.

Spirou-Erlebniswelt

Ihr größtes Projekt war der renommierte Chester-Zoo vor zwei Jahren: Zeitweise waren die Felsenbauer mit einem 45 Mann starken Trupp vor Ort in England. Jüngstes Großprojekt ist der Parc Spirou: In Frankreich entsteht eine Erlebniswelt rund um den berühmten Hotelpagen Spirou, der Comicfans bestens bekannt ist.

Rund 30 Mitarbeiter beschäftigen Gohl und Hammerschmidt in Wunsiedel. Wenn ein Großauftrag erledigt wird, greift das Unternehmen auf freie Mitarbeiter zurück und stockt für die Baustelle Personal auf. Es dreht sich aber nicht alles um Großaufträge: In Wunsiedel entstehen beispielsweise auch Kletterfelsen für Spielplätze.

Alles Handarbeit

Aus was bestehen eigentlich Kunstfelsen? Die Basis sind ein Styropor-Kern und Eisengitter, darüber liegt ein Gewebe, auf das kommt eine bis zu zehn Zentimeter dicke Schicht aus Spritzbeton. Dann werden die Felsen modelliert. Und koloriert. Alles Handarbeit. Die Illusion muss so perfekt wie möglich sein. „Wir forschen immer weiter, wie wir die Optik noch verbessern können“, sagt Klaus Gohl.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06