Kungfu in Hollfeld

Der 33-Jährige Neu-Hollfelder veranstaltete am 10. September 2016 eine Einzugsparty. Unter den Gästen: Ein 49-jähriger Kumpel, der ihm auch die Wohnung vermietet hatte. Dessen Ehefrau, die allerdings von dem 49-Jährigen getrennt war.

Doch die Gäste hielten sich nicht daran. Zwar hatten der 49-Jährige und der 46-Jährige die Party verlassen, sie stritten sich aber lautstark vorm Haus. Im Prozess vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Torsten Meyer wurde durch die vielen Zeugenaussagen der beteiligten schnell eines klar: nahezu jeder hatte einiges an Alkohol intus.

Lautstarker Streit vor dem Haus

Der 46-jährige Schwabe sagte aus, er und der 49-Jährige Noch-Ehemann seiner damaligen Freundin hätten sich „gezofft. Um seinen und ihren Sohn.“ Der Sohn, um den der Streit ging, berichtete: „Er sagte zu mir: Wixer.“

Der Schwabe war zuvor kurzzeitig verschwunden, dann schlug er im wahrsten Sinn des Wortes erneut auf. Mehrere Zeugen berichten, dass der betrunkene Schwabe mit seinem Roller angefahren kam und dann erst einmal von seinem Gefährt stürzte. Er bekennt, dass er auf den Noch-Ehemann seiner damaligen Freundin „losgegangen wäre. Jemand hat mich festgehalten. Ich bekam vom Angeklagten einen Schlag, dann gingen bei mir die Lichter aus.“ Der 49-jährige Hollfelder bestätigt: Der Angeklagte, ein Kampfsportler, habe nun eingegriffen: „Ich denke, es war wegen des Lärms.“ Erst habe der 33-Jährige den Schwaben platt gemacht, dann seinem Sohn eine mit der flachen Hand verpasst. Und auch seiner Frau, die in dem Moment doch zu ihrem getrennt lebenden Mann hielt. Der berichtet stolz: „Ich habe mich dazwischen gestellt. Er schlug mich. Ich ging zu Boden. Ich stand wieder auf. Ich ging wieder zu Boden. Ich stand wieder auf. Meinen Sohn schlägt keiner.“

Der Angeklagte kann sein Handeln nicht erklären

Der Angeklagte selbst gestand, dass er zugeschlagen habe. Er sei betrunken gewesen und könne sich sein Tun nicht so recht erklären. Seine Freundin sei in dem Handgemenge am Arm gepackt worden und habe „Au!“ geschrien. Das sei der Auslöser gewesen.

Dass er zwei seiner Opfer übel zurichtete, besagen ärztliche Atteste: Sowohl der Schwabe als auch sein Kontrahent hatten Knochenbrüche im Gesicht und waren bewusstlos. Beide tragen Metallplatten im Jochbein. Im Fall des 49-Jährigen sprachen die Ärzte sogar von potenzieller Lebensgefahr. Für den ist die Sache dennoch vergessen: Er bekommt vom Angeklagten Schmerzensgeld, man hat sich versöhnt.

Nichtsdestotrotz machte Staatsanwältin Ramona Eichelsdörfer den Strafanspruch des Staates gegen den 33-Jährigen deutlich: Sie beantragte gegen den vorbestraften Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten ohne Bewährung. Verteidiger Christian Springer beantragte für „normale“ Körperverletzung Bewährung.

Das Schöffengericht folgte den Argumenten der Staatsanwältin. Die Schläge des Angeklagten seien keine Ohrfeigen gewesen, sondern mit dem Handballen ausgeführte, brutale Wirkungstreffer. Die gebrochenen Gesichtsknochen der Hauptopfer sprächen ihre eigene Sprache. Weil das abstrakt lebensgefährlich war, habe das Schöffengericht im Schuldspruch auf gefährliche Körperverletzung erkannt.

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