Kulturreferent: Vertrag nicht verlängert

Fabian Kern hatte sich 2014 gegen 180 Mitbewerber durchgesetzt und am 12. Januar 2015 seinen Dienst angetreten. Er löste Carsten Hillgruber ab, der Referent für Soziales und Kultur gewesen war. Kerns Vertrag war auf drei Jahre befristet, mit der Möglichkeit der Verlängerung. Mit der Frage der Verlängerung hatte sich der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung zu befassen. "Dem ist der Stadtrat nicht näher getreten. Der Arbeitsvertrag von Dr. Kern endet demzufolge Mitte Januar kommenden Jahres", teilte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe mit. "Eine eventuelle künftige Besetzung der Stelle wäre in den Stadtratsgremien zu gegebener Zeit zu entscheiden.“

Große Herausforderungen

Kern hatte in den vergangenen zweieinhalb Jahren mit großen Herausforderungen zu tun. Haus Wahnfried und die Wahrnehmung der Interessen der Stadt in der Richard-Wagner-Stiftung gehören ebenso zu seinen Aufgaben wie die das künftigte Nutzungskonzept der Stadthalle oder die Zusammenarbeit mit der Schlösserverwaltung des Freistaats etwa im Markgräflichen Opernhaus.

Kern sollte die Vernetzung der vielen Kulturveranstalter und Künstler in der Stadt vorantreiben, die kulturelle Zusammenarbeit mit der Uni stärken, allerdings auch touristische Impulse setzen und „langfristige Strategien entwickeln, wie sich die Stadt im Wettbewerb mit anderen Kulturstädten positionieren kann". So sagte es Merk-Erbe vor zweieinhalb Jahren.

Zu viele Aufgaben?

Damit war Kern auch der Ansprechpartner fürs Stadtmarketing - eine Fülle von Aufgabe, die der neue Referent mit eher überschaubaren Mitteln und wenig Personal in Angriff nehmen sollte. Kern verbuchte unstrittig Erfolge; so darf man die Verpflichtung der Berliner Philharmoniker für ein Konzert am 1. Mai 2018 im Markgräflichen Opernhaus, kurz nach dem Eröffnungstermin, als Coup bezeichnen. Kern bewies auch in der Suche nach einer Ersatzspielstätte für die zu sanierende Stadthalle ein gutes Händchen; allerdings stoppte ein Bürgerbegehren dieses Projekt.

Entscheidung womöglich nur Formsache

Die Entscheidung über Kern, der zur Zeit krankgeschrieben ist, fiel in nichtöffentlicher Sitzung. In "Sonderungsgesprächen", so nannte es SPD-Fraktionschef Thomas Bauske, hatten sich Vertreter fast aller Fraktionen mit Ausnahme der Grünen verständigt. Danach scheint das Nein zur Vertragsverlängerung in Ältestenausschuss und Stadtrat nur noch eine Formsache gewesen zu sein.

Kritiker hatten ihm mangelnde Identifikation mit Bayreuth vorgeworfen. Kern, der unter anderem als Marketingchef der Metropolregion Nürnberg gearbeitet hatte, behielt seinen Wohnsitz in eben dieser Metropolregion und zog nicht nach Bayreuth. Künstler und Veranstalter warfen ihm vor, den Kontakt zur Bayreuther Kulturszene nicht zu pflegen. Allerdings gab es auch positive Stimmen. Wilfried Laudel von den Kulturfreunden bescheinigte Kern eine gute Rolle: "Er hat uns gefördert und auch bei der Suche nach einer Ersatzspielstätte gut unterstützt."

Ein halbes Jahr Frist

Die großen Fraktionen kommentierten das Aus für den Kulturreferenten unterschiedlich. Stefan Specht von der CSU äußerte sich zurückhaltend. "Das ist eine Personalangelegenheit, die ich nicht öffentlich kommentieren will." Ähnlich sprach Stephan Müller, Fraktionschef der Bayreuther Gemeinschaft. Er betonte aber, dass man nun noch ein halbes Jahr habe, um über eine mögliche Nachfolge oder neue Strukturen nachzudenken.

SPD von Anfang an dagegen

Thomas Bauske sagte, die Abstimmung habe ihn nach dem holprigen Start Kerns "nicht überrascht". Er betonte, dass seine Fraktion von "Anfang an gegen das Amt eines Kulturreferenten" gewesen sei. "Nach mehreren Versuchen ist klar, dass das nicht funktioniert." Bauske spielte damit auf Bayreuths Kulturreferentenverschleiß an. Carsten Hillgruber hatte das Amt schon einmal ausgeübt, war dann von Ralph Lange beerbt worden, nach dessen Scheitern er den Job erneut übernahm - bis ihm Fabian Kern vor die Nase gesetzt wurde. Ein eigener Referent für die Kultur hatte zu den Wahlversprechen von Merk-Erbe gezählt.

Die Grünen sind sauer

Sauer reagierten die Grünen, die nicht zu den "Sondierungsgesprächen" hinzugezogen worden waren. "Hinterzimmergespräche" nennt Stefan Schlags diese Runde. Er bescheinigte Kern eine insgesamt gute Leistung, "er hat absolut mehr als nur seine Arbeit gemacht". Auf die Vielzahl der Herausforderungen habe er überwiegend "professionell reagiert".

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