Kulturfreunde: Finale im Weltkulturerbe

Wilfried Laudel hat mit Musik zu tun, seit er klein war. Sein Vater war Kontrabassist, seine Mutter sang im Chor, bald auch er. Und so ging er ein und aus in der ehrwürdigen Hamburger Laeisz-Halle. In den 70er Jahren kam Laudel nach Bayreuth und engagierte sich bald bei den Kulturfreunden. Von 1994 an war er dann Chef des Vereins, ein Amt, das er abgesehen  von vier Jahren lang bis heute ausgefüllt. Nächstes Jahr wird er 20 Jahre lang Chef gewesen sein. Höchste Zeit, sagt Laudel.

Er hört auf, nicht, weil ihm die Musik nichts mehr bedeutete, sondern auch deswegen, weil er Musik manchmal ganz gern anhört, ohne sich zuvor dafür aufgearbeitet zu haben. Vor allem aber deswegen, weil er mittlerweile 81 Jahre alt ist, das Gefühl hat, genug Arbeit getan zu haben. „Ich war lange genug dran“ sagt er, er verliere langsam das Gefühl dafür, was das Publikum gerade verlange, und auch die Leute, mit denen er zusammengearbeitet habe, zögen sich mehr und mehr in den Ruhestand zurück: „Mein Netzwerk hört auf.“

Auf mittlere Sicht kein Großformat in Bayreuth

Es stehen Mitstreiter bereit, Stellvertreter Robert Baums etwa und dessen Vize Johann Schupfner. Wie dann die weitere Vorstandschaft ab Mai 2018 aussehen wird, ist noch nicht ganz klar. Klar ist aber, dass der neuen Mannschaft Herausforderungen bleiben. Schon jetzt planen die Kulturfreunde die Saison 2018/2019 und fürs Jahr darauf. Da soll dann die Stadthalle wieder zur Verfügung stehen, so sprach es auch Baureferentin Urte Kelm. Allerdings mit folgender Einschränkung: „Wenn es keine Überraschungen gibt.“ Auf jeden Fall fehlen den Kulturfreunden bis dahin die großen symphonischen Konzerte – sieht man von den beiden Ausflügen nach Bamberg ab. „Und das merken wir finanziell“, sagt Laudel.

Als Hauptveranstaltungsort bietet sich das Zentrum an. „Schwierig, dort Termine zu bekommen“; sagt Laudel, aber immerhin: Neun der insgesamt dreizehn Konzerte können im Zentrum über die Bühne gehen. Und Laudel ist dankbar, „das Zentrum hat die richtige Größe für Kammermusik, und die Leute dort sind sehr entgegenkommend.“

Christina Pluhar zusammen mit dem Countertenor Philippe Jaroussky. Quelle: Youtube

Pluhar am 9. Mai im Opernhaus

So stehen die Kulturfreunde vor der dritten Übergangssaison zwischen alter und schöner neuer Stadthalle. Am 8. Oktober beginnt die Reihe mit dem Duo Arnholdt-Redzic, am 9. Mai endet sie mit dem Konzert von Christina Pluhar und L’Arpeggiata im Markgräflichen Opernhaus, mit der Musik, die für so ein Haus passt: Improvisationen über Themen des Orpheus Britannicus Henry Purcell. „Ein herrlich unverschämter Spaß“, so stand es über Pluhars Musik zu lesen. Warum nur? Weil sie jeden Freiraum nutzt, den ihr das barocke Material lässt. Und das ist viel – zu Zeiten Purcells wurde nicht mal immer die Reihenfolge der Arien notiert, geschweige denn jede Note. „Wer beansprucht authentisch zu sein, befindet sich auf dem falschen Dampfer“, sagt Pluhar. Das Konzert dürfte zu den Höhepunkten des Jahresablaufs gehören - schade nur, dass die Saison dort kurz ist: Für Herbst und Winter winkt die Schlösserverwaltung ab.

Was das Programm sonst zu bieten hat: Stars und alte Bekannte. Den Pianisten Martin Stadtfeld zum Beispiel, mit Werken von Buxtehude, Bach und Chopin. Oder das Stuttgarter Kammerorchester, kombiniert mit dem David Gazarov Trio. Ein Quintett um Tianwa Yang an der Violine und Severin von Eckardstein am Klavier spielt Dvoraks Klavierquintett Nr. 2 und Mieczyslavs Weinbergs Klavierquintett in f-Moll. Das Waseda Symphony Orchestra Tokyo gastiert mit einem Programm mit Schubert, Ryo Noda und Mozart. "Schade, dass die nicht in großer Besetzung kommen können", sagt Laudel.

Auswärtsspiel in Bamberg

Die große Besetzung geht eben zur Zeit in Bayreuth kaum, dazu fahren die Kulturfreunde zweimal nach Bamberg, zu den Symphonikern. Da wird's dann allerdings gleich richtig groß, mit Mendelsohn Bartholdys Reformationssymhonie zum Beispiel, und mit Bruckners 3. Symphonie. 

 

 

 

 

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Montag, 13. November 2017 - 11:06