Kultur - Hiiiilfe!

Problem eins: Diese Werte kosten Geld. Geld, das erst mal nicht da ist. Wie bei den Pegnitzer Faust-Festspielen. Also, es ist schon Geld da. 30 000 Euro, bei Sponsoren eingesammelt vom Förderverein der Spiele. Das reicht aber halt nicht. Also müssen Karten verkauft werden, in diesem Fall 6000 Stück an der Zahl. Dann rechnet sich das von Kronach in die Fränkische Schweiz verlagerte Projekt. Doch die Nachfrage ist mau. Bleibt das so, muss die Stadt das Minus auffangen. Ein nicht zu verachtender fünfstelliger Betrag könnte das sein.

Problem zwei: Kulturschaffende sind in der Regel sehr empfindliche Zeitgenossen. Kritiker haben’s da schwer. Und auch der „normale“ Journalist muss aufpassen, ob er Fakten auch Fakten lassen sein darf. Wieder die Faust-Festspiele: Da stand am Tag nach der Premiere zu lesen, dass die Resonanz mit 350 Besuchern bei einer 600-Mann-Tribüne eher bescheiden ausgefallen war. Wenn schon die erste Aufführung nach umfangreichster Vorberichterstattung plus Neugierfaktor nicht annähernd ausverkauft ist, stehen die Zeichen nicht gerade gut. Das war da auch zu lesen. Keine Silbe jedoch über die Qualität dieser Aufführung und ihrer Inszenierung. Die war nämlich über alle Zweifel erhaben. Das war dann einen Tag später zu lesen. Aber das wollten dann manche wohl nicht mehr lesen. Warum eigentlich nicht?

Problem drei: Pegnitz darf sich zumindest für ein Jahr Festspielstadt nennen. Der Wille, das auch 2018 tun zu können, ist nicht erkennbar. Will die Kommune die Festspiele wirklich behalten, muss sie das strategisch anpacken. Und daher haben die Kosten für ein mögliches Defizit nichts unter der Rubrik freiwillige Leistungen – die bei einem nötigen Sparkurs als Erstes abgeknabbert werden– zu suchen, sondern sie müssen in der Kategorie Stadtmarketing und/oder Tourismus auftauchen. Der Begriff Festspielstadt ist ein Markenzeichen, da ist Kreativität gefordert.

Problem vier: Das ist ein lokales. Wenn auch andernorts anzutreffen. Die örtlichen Kulturmacher sind nicht nur hypersensibel (siehe oben), sie können auch nicht miteinander. Oder wollen es nicht. Oder beides. Warum? Keine Ahnung. Angst vor der Konkurrenz? Blödsinn. Da setze ich mich rechtzeitig zusammen, entwickle gemeinsam einen Veranstaltungskalender, möglichst ohne Überschneidungen, schaue, dass ich alles in allem nicht zu viel anbiete – und das war’s dann. Wollen muss man das halt.

Womit wir wieder bei der Stadt wären: Deren Aufgabe ist es, die Empfindlichen an einen Tisch zu holen und ihre Befindlichkeiten aus dem Weg zu räumen. Klar, das ist mit Arbeit verbunden. Aber wenn ich mir überlege, wofür sonst so alles im Rathaus Arbeitszeit investiert wird. Das ist drin, sag ich mal ...

Was wäre, wenn...

Ich überlege mir gerade, was wäre, wenn ... Wenn alle Kulturbeflissenen alles lesen würden, was da geschrieben steht, wenn alle Kulturmacher in einer Stadt/Region gemeinsame Sache machen würden, wenn nüchternes (Nach-) Denken statt einer Hab-acht-vor-der-bösen-Presse-Haltung regieren würde. Vielleicht gäbe es dann ein paar Probleme weniger. Aber auch das hat mit Werten zu tun ...

stefan.brand@nordbayerischer-kurier.de

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06