Kulmbacher Reformationsbild nach Berlin

Dabei handelt es sich um die Variante eines Gemäldes des Nürnberger Malers Andreas Herneisen (1538 bis 1610), das der Lutheraner Simon Schmutzer der Petrikirche um 1607 gestiftet hat. Das Kulmbacher Reformationsbild gilt als exemplarisch. "Solche Darstellungen gibt es nur ganz, ganz wenige", sagt der evangelische Dekan Kretschmar, seit geraumer Zeit für die Petrikirche zuständig. Ein ähnliches Gemälde hänge im Landkreis Kulmbach, in der Kasendorfer Pfarrkirche.

Wie ein historisches "Wimmelbild"

Weil das Kulmbacher Reformationsbild auf den ersten Bild sehr unübersichtlich wirkt, vergleicht es Kretschmar nicht ganz zu unrecht mit einem "Wimmelbild". Weil sich viele Details erst bei genauer Betrachtung erschließen. Das Werk habe einem pädagogischen Zweck gedient, so Kretschmar. "Es ist ein Lehrbild, das in Szenen zeigt, wie die evangelische Kirche funktioniert." Mit der historischen Szene in der unteren Bildhälfte werde durchaus "ein wenig Selbstbeweihräucherung" betrieben. Denn es zeige die Übergabe der Glaubensschrift "Confessio Augustana", dem "Augsburger Bekenntnis", verfasst von Philipp Melanchthon.

Eine Reformbewegung wird zur Konfession

In den Augen der Kuratoren der großen Ausstellung "Der Luthereffekt" stellt das Kulmbacher Bekenntnisgemälde oder Konfessionsbild einen zentralen Aspekt der Reformation in Deutschland dar. Bekenntnisbilder seien in einer Zeit entstanden, als aus unterschiedlichen Reformwegen Konfessionen wurden, heißt es im Katalog zur Ausstellung. Sie symbolisierten die konfessionelle Orientierung der Gemeinde und luden zur Identifikation ein. Zugleich wollten sich die Lutheraner damit von Andersgläubigen abgrenzen.

Die Religiöse und die weltliche Ebene

Das Reformationsbild aus dem Kirchenschiff der Petrikirche besitzt gleichermaßen eine weltliche und die religiöse Ebene. In der oberen Bildhälfte gruppieren sich um den Altar im Bildmittelpunkt die wichtigsten Elemente der lutherischen Lehre: Beichte, Almosengabe, Predigt und Taufe sind zur Linken zu sehen; im Zentrum steht das Heilige Abendmahl; zur Rechten werden die Rolle der Orgelmusik, des Religionsunterrichts und der Eheschließung dargestellt. Bibelzitate betonen die Bedeutung des wörtlichen Inhalts der Heiligen Schrift.  In der unteren Bildhälfte sind der Kaiser, die Kurfürsten und der Reichskanzler abgebildet sowie adelige Herrscher und Städtevertreter, die sich der neuen Lehre zugewandt haben. Unter ihnen ist auch Markgraf Georg zu Ansbach-Kulmbach, der am Reichstag in Augsburg 1530 teilnahm.

Restauratorin macht Gemälde transportfertig

Das Historische Museum schickte eigenes eine Restauratorin, die das Gemälde vor der Reise nach Berlin instandsetzte. Sie reinigte das Werk, beseitigte Risse, befestigte die bedruckten Papierschildchen und entfernte die Spuren von Schimmel auf der Rückseite. Um überhaupt sichergehen zu können, dass das 2,15 Meter x 2,39 Meter große Kunstwerk transportfähig ist, musste vorher ein Gutachten eingeholt werden. Das in Öl auf Holz gemalte und mit bedruckten Papierstreifen versehene Gemälde wird in wenigen Tagen in eine klimatisierte Transportbox gepackt und abgeholt. Wenn es am Freitag abgehängt worden ist, soll es durch eine fotografische Replik ersetzt werden, wie Kretschmar erläuterte. Und wenn es nach Monaten wieder an seinem angestammten Platz zurückgekehrt ist, wird es mit einer speziellen Beleuchtung in Szene gesetzt.

Protestantismus mit langer Tradition

Dekan Kretschmar jedenfalls will die Ausstellungseröffnung keinesfalls versäumen. "Mit der Leihgabe wird ein Teil der Kulmbacher Geschichte aufgewertet", sagt der evangelische Geistliche. "Schließlich gibt es nur drei große staatliche Ausstellungen über Luther im Reformationsjahr." Für die Berliner übernimmt der Bundespräsident die Schirmherrschaft.

Der Protestantismus reicht in Kulmbach weit zurück: Bereits 1528 wurde die lutherische Lehre in Kulmbach eingeführt. Markgraf Georg, der Fromme, verehrte Luther und ließ für seine Herrschaftsgebiete 1533 eine evangelische Kirchenordnung erstellen.

Info: "Der Luthereffekt. 500 Jahre Protestantismus in der Welt." Martin-Gropius-Bau, Berlin. Bis 5. November. Während des Evangelischen Kirchentags vom 24. bis 28. Mai ist der Eintritt kostenlos. Eine genaue Beschreibung des Reformationsbildes fertigte der frühere Dekan Jürgen Zinck an. Sie ist im Dekanat Kulmbach erhältlich.

Nicht bewertet

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Kommentare

Die sollen nur aufpassen, dass das in Berlin nicht geklaut wird!