Kulmbach im siebten Bier-Himmel

Samstag, kurz vor zehn Uhr: Der Marktplatz ist voller Schaulustiger, viele von ihnen in Dirndl oder Lederhose. Wie immer. Die Routiniers unter den Bierfestgängern wissen schon jetzt ganz genau, wo die imaginäre Linie verläuft, die die Zuschauer nicht übertreten dürfen, damit gleich die Bierkutsche, gezogen von großen Pferden, gefahrlos vorbeirollen kann. Ungefähr genauso viel Platz werden kurze Zeit später die Büttner brauchen, damit sie ihren Tanz aufführen können. „Ich war aber vor Ihnen da“, ist der am meisten gebrauchte Ausspruch im Kampf um die besten Stehplätze. „Es is immer widder desselba. Und immer widder schöö“, sind sich die Stammgäste einig.

Umzug des Stadls eine "Ausnahme"

Dass der Stadel in diesem Jahr ein paar Hundert Meter weiter entfernt steht als üblich, scheint plötzlich egal. Erst nachdem der kleine Festzug mit den Brauereivertretern, den Festwirten, Bedienungen und Ehrengästen am Marktplatz eingetroffen ist und die Stadtkapelle gespielt hat, kommt das Thema „Bierfest-Umzug“ wieder aufs Tapet. Oberbürgermeister Henry Schramm greift es gleich zu Beginn seiner Begrüßung auf. „Ausnahmsweise“ - dieses Wort wird auch Brauerei-Chef Markus Stodden später im Stadel noch einmal betonen - stehe das Zelt heuer an der Lichtenfelser Straße. Dies habe den Organisatoren viel Arbeit beschert.

Höhepunkt: Büttner tanzen

Danach ist wieder alles wie immer. Denn der Höhepunkt, wegen dem die Schaulustigen eigentlich gekommen sind, naht - in Gestalt der Büttner. Die staunenden Blicke der Zuschauer sind den Mannen des Kulmbacher Büttnerfachvereins gewiss, während sie sich zu den Klängen der Stadtkapelle ein- und ausdrehen und mit ihren Bögen die traditionellen Figuren beschreiben. Und blickt man in die Gesichter der gestandenen Mannsbilder, meint man immer ein wenig Anspannung zu erkennen, während sie sich beim Eindrehen ganz eng aneinander vorbeischieben. Und immer auch eine gewisse Erleichterung, wenn sie sich wieder „entwirrt“ haben.

Clown verliert seine Mütze

Um sie herum tanzen stets die zwei traditionellen Figuren der Clowns. „Ich hob mei Mützn verlegt“, hatte eine halbe Stunde vorher noch einer der beiden mit den Zuschauern gescherzt. Muss wohl stimmen. Heute tanzt er im Gegensatz zu einem Kollegen tatsächlich ohne Kopfbedeckung. Letztere braucht es auch nicht an diesem Bierfesteröffnungssamstag. Weder als Schutz vor Regen noch vor der Sonne.

Es ist heiter bis wolkig bei angenehmen Temperaturen, als sich der Festzug vom Marktplatz zum Stadel in Bewegung setzt. Sein Weg ist diesmal exakt 600 Meter weiter. Begleitet wird er von einer kleinen Völkerwanderung. Denn die meisten der Besucher, die das Spektakel vor dem Rathaus beobachtet haben, wollen freilich auch beim Bieranstich im Stadel dabei sein.

Einige haben vorgeglüht

Der Stadel ist wie gewohnt zu dieser frühen Stunde gut gefüllt. Einige Besuchergrüppchen haben vorgeglüht und stehen schon auf den Bänken, um klatschend den Festzug zu begrüßen. Kinder werden auf Schultern gehievt und eine dichte Menschentraube bildet sich um die Vorderseite der Bühne. Der Umzug des Stadels sei eine Herausforderung für die Brauerei gewesen, sagt Markus Stodden. Und als er ans Publikum gewandt feststellt „Ich meine, es ist gelungen“, erntet er Applaus.

Neue Strandzone auf dem Bierfest

Während drinnen im Zelt zum „Prosit der Gemütlichkeit“ in regelmäßigen Abständen die Maßkrüge aneinanderschlagen, schlendern im Freien zahlreiche Besucher über das vergleichsweise weitläufige Festgelände mit den zahlreichen Bierbänken. Sie inspizieren die Essens- und Souvenirstände und die kleine „Strandzone“ mit den Liegestühlen auf der anderen Straßenseite. Und das verwundert nicht. Denn schließlich ist es seit vielen Jahren das erste Mal, dass es auf der Kulmbacher Bierwoche wirklich Neues zu entdecken gibt.

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Das Bierfestgedicht 2017

"Ich weiß ja net, wies euch so geht, scho' komisch, wo der Stadel steht. Vom Rathaus bis hierher zu laufen, das bringt uns alle weng zum Schnaufen. Doch ist der Weg zum Zelt geschafft, gibt's einen Schub, kommt neue Kraft. Hier drin ist alles so vertraut, der Stadel prima aufgebaut. Markus, beim ersten Blick war klar: Ihr macht es toll - wie alle Jahr. Der Freistaat hat bei uns getagt, davor nach Wünschen uns gefragt. Studenten ham mer gsagt, wärn toll, dann wär hier Leben, die Stadt wär voll. Und kurz darauf wurds offiziell: Wir kriegn a Uni - Stefan Leible - hoff mer schnell! Ich stell mir vor, wie das so wär, käm a Student scho heut hier her. Es wär sei allererster Tag, er wüsst noch ned, ob er Kulmbach mag. Und schon säß er im Bierzelt drin, noch völlig baff, erkennt kan Sinn. Ernährung will er hier studieren, da muss er auch das Bier probieren. Und nach der zweiten kühlen Maß, da gibt er dann so richtig Gas. Auf die Bank mit Feuereifer, unser Studentla wird scho reifer. So geht die Woche dann dahin, den Bubm findst jeden Tag hier drin. Er fühlt sich heimisch, es geht ihm gut, er weiß jetzt, warum er studieren tut. Und so hat er - im Grunde doch ganz leicht, sein Bierfestdiplom mit Bravour erreicht. Bis dahin gibt's noch viel zu tun, aber heut lass' mer die Arbeit ruhn. Ihr habt's jetzt wirklich gleich geschafft. Dann fließt der gold'ne Gerstensaft."

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Kommentare

Glückwunsch zum Bierfestgedicht 2017 dem der es verfaßt hat, es ist sehr gut gelungen, oder war`s evtl. eine Sie?
Dieses "Gedicht" hat kein Versmaß und erzwungene Reime!