Küchla nicht mehr selbstverständlich

Der Obermeister der Kulmbacher Bäckerinnung, Ralf Groß, beobachtet den Trend schon seit einigen Jahren. Dass zum festlichen Anlass Küchla verteilt werden, ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Das Kultgebäck aus Hefeteig hat Konkurrenz bekommen. „Manche verschenken zur Konfirmation oder Kommunion lieber eine Flasche Wein, einen kleinen Gugelhupf oder ein Brot mit Kreuz-Dekoration“, sagt Groß im Gespräch mit dem Kurier.

Bewusst dagegen

Das klassische Küchla hat zwar eine lange Tradition. Aber einige entscheiden sich bewusst dagegen. Bei den Kirchenfesten gehörten einst die ausgezogenen Krapfen, so werden die Küchla auch genannt, immer dazu. Ein Grund für die Abkehr liegt darin, dass in der Region die Küchla-Bäckerinnen weniger werden, sagt Ralf Groß. „Früher hatte jedes Dorf seine eigene Küchla-Bäckerin.“ Es sei unüblich gewesen, das Schmalzgebäck beim Bäcker zu bestellen. Mit den Spezialistinnen gehe nun auch ein bisschen die Tradition verloren.

Andere Ernährung

Der zweite Grund, dass vor allem jüngere Leute die Küchla neuerdings verschmähen, habe wohl mit der Ernährungseinstellung zu tun. „Sie sagen, es ist fett und süß und sie mögen es nicht, weil sie abnehmen wollen“, sagt der Obermeister. Viele tragen als Alternative zu den Küchla verschiedene andere Backwaren aus, die allerdings kaum kalorienärmer sind. Die Verwandten, Freunde und Nachbarn erhalten dann von den jungen Leuten anlässlich der Kommunion und Konfirmation Käse-, Mohn- und Streuselkuchen.

Wein ist beliebter

Andere setzen lieber auf Wein. „Der lässt sich zur Not auch weiter verschenken und muss nicht sofort verzehrt werden“, sagt Groß. Auch eigens angefertigtes Brot komme als Geschenk infrage und passt gut zum christlichen Thema. „Die junge Generation will halt was eigenes machen“, liefert der Bäckermeister eine Erklärung. Das Althergebrachte ist nicht mehr ihr Ding. Die Küchla werden deshalb aber nicht verschwinden. Eher im Gegenteil.

Küchla das ganze Jahr

„Einige Bäckereien verkaufen sie mittlerweile das ganze Jahr über“, sagt Ralf Groß. Für ihn bleibt Schmalzgebäck wie Küchla und Harrische – auch Flecken, gschnidna Hosn, oder Storchennester genannt – eine saisonale Köstlichkeit. Zur Fastenzeit gab es früher keine tierischen Produkte, also auch keine Eier. Erst nach Ostern ist der Krapfenteig, der reich an Eiern ist, wieder gebacken worden, weiß der Obermeister. In seiner Backstube ist spätestens im Juni mit Küchla Schluss. „Dann ist bei uns der Ofen für Fettgebackenes aus.“ Die Küchla- und Flecken-Pause dauert bei Ralf Groß bis zum 1. Oktober. Wie beim Krapfen formt er für den Küchla-Teig erst eine runde Hefekugel. Dann zieht er sie von Hand auf, so dass außen ein Rand und in der Mitte eine dünnere Schicht entsteht, das sogenannte Häutla. Am frühen Freitagmorgen hat Ralf Groß wieder frisch gebacken. Der Küchla-Kult geht vorerst weiter.

Heiligtum in der Genussregion

Küchla, Sträubla, Krapfen Küchla werden auch Kiegla, Kiechla, Streubele, Sträubla oder ausgezogene Krapfen genannt. Das Schmalzgebäck aus Hefeteig ist in der Region Kult. In der Datenbank der Genussregion Oberfranken heißt es, dass sich bei den Küchla nicht nur der Name und die Zutaten, sondern auch die Form von Ortschaft zu Ortschaft unterscheiden. „So variiert der Gesamtdurchmesser, die Dicke des Randes oder die Größe des Fensters“, teilt die Genussregion mit. Der ausgezogene Krapfen sei ohne Zweifel ein echtes Spiegelbild Oberfrankens.

Nicht bewertet

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Kommentare

Regionale Köstlichkeiten oder Spezialitäten wie Brotwerscht oder Kiechla werden leider immer mehr durch amerikanisches oder asiatisches Gfress (Hamburger oder Donats würg…) verdrängt. Wo keiner so recht weiss was da alles drinsteckt und woher die Zutaten kommen.
Guten Appetit.
Jawohl, "Deutsch" muss es sein, "Deutsch", "Deutsch". (Ironie aus)
Ich möchte nicht wissen, wie es in so manchen Küchen "regionaler" Gaststätten zugeht.
Mahlzeit!
"Donuts" gab es schon immer in Deutschland. Sie hießen früher allerdings "Schmalzkringel".
Das hat gar nichts mit Deutsch zu tun. Hab auch nichts gegen eine anständige Pizza oder einen leckeren Döner.
...mir sind "Köichla" lieber als Wein...im übrigen kann man sie einfrieren...
Altbairisch! Dort werden sie aber meist "Nudeln" genannt.
Unsere ganzen Traditionen gehen leider den Bach runter!!!
Sag ich doch, dess ganze Gfress aus Übersee (nicht das Übersee vom Chiemsee :-)
Es gibt sicherlich auch gute Sachen aber das meiste ist doch aus der Fabrik und voll mit Geschmacksverstärkern (China).
Leider werden regionale Spezialitäten wie Brotwerschd, Ziebalaskäs oder Küchla immer mehr durch amerikanisches, asiatisches oder arabisches Fastfood verdrängt.
Man sollte diesen falschen Trends zu widerstehen wissen, schließlich geht es um die Bewahrung jahrhundertealter fränkischer Traditionen und Kulturgüter. Meine Heimat jedenfalls ist Franken, und nicht Kalifornien, Thailand oder Syrien, sodass ich mich bewusst von Donuts, Hamburgern, MaiTai-Suppe, Gai Pad Med Mamuang , Börek oder Yurtel fernhalte.
Broadwerschd
Ich habe früher (zur Zeiten der Konfirmation) fast körbeweise Kiechla bis zum Schlechtwerden gegessen. Heute kann ich sie im wahrsten Sinn nicht mehr riechen, da ich sie heute nicht mehr vertrage. Dafür esse ich jetzt lieber einen vegetarischen Döner. Oder sollte ich aus Tradition weiter Kiechla essen?
...Döner, mit Geschmacksverstärker "Fleisch"?
Nein, aber zum Beispiel Ziebalaskäs mit fränkischem Bauernbrot...
Mach ich auch!
"Küchla, Sträubla, Krapfen Küchla werden auch Kiegla, Kiechla, Streubele, Sträubla oder ausgezogene Krapfen genannt." Sie heißen auch "Kniescheiben", weil sie früher übers Knie ausgezogen wurden.
@Kiepfer
...bin aus der Oberpfalz! Und bei uns wird es so ausgesprochen. Hout mit Nudeln nix
zu tou...
Im Oberbayarischen gibt es aber zur Kirchweih, die dort "Kirta" heißt, "Kirta-Nudeln". Das sind nichts anderes als "Kerwa-Kiechla".
Gibt es dort auch vegetarische Döner?

hohehu 29.04.2017
"Gibt es dort auch vegetarische Döner?"
In der Oberpfalz oder in Oberbayern?
Die perfekte Symbiose ist meiner Meinung nach der Migrant, der in der regionalen Gastronomie die regionale Küche mitzubereitet. Man schaue nur nach Italien. "La cucina italiana" ist seit Jahren ohne pakistanische oder afrikanische Mithilfe undenkbar.
Meine Güte, man kann auch aus jedem Mist ein Politikum machen! "Fast Food" ist sicher nicht "Haute Cuisine", aber sie spiegelt einfach unseren Zeitgeist und damit auch den Stellenwert des Essens in unserer Gesellschaft wieder. Finde ich auch schade, aber wenn der Kunde es verlangt?!?

Ob man das Küchla allerdings ernsthaft unter ernährungswertigen Aspekten über die asiatische bzw. orientalische Küche stellen kann, möchte ich bezweifeln :-) In Fett ausgebackenes Weißmehl mit Butter, das anschließend mit raffiniertem Puderzucker bestreut wird, dürfte nicht unbedingt in der Top-10-Liste von Ernährungsberatern zu finden sein!
schade, dass man hier nicht "liken" kann :-)