Kreuzer Kerwa: Beste Misswahl der Stadt

Die Männer: Es gibt zwei männliche Hauptrollen bei der Wahl zur Miss Kreuzer Kerwa. Inne haben sie Christian Höreth und Frank Becker. Höreth, der Bayreuther Tausendsassa, ist der Moderator der Misswahl. Seine Erfahrung von ungezählten solcher Ereignisse auf dem Volksfest macht ihn zur Rampensau.

Er ist - neben den Misswahlkandidatinnen - die wichtigste Person im Rampenlicht der Bühne. Denn er schaffte es, dass die Kandidatinnenkür nicht zur üblichen, pöbeligen, niveaulosen Fleischbeschau wird. Nicht zu einem Ereignis, bei dem man sich auf Kosten der Frauen auf niedriger Stufe amüsiert.

Am Ende ist Höreth gar verzweifelt, dass es eine Siegerin geben muss. Während die "Miss Kreuzer Kerwa" Fee Hochmuth die schwarze Schärpe bekommt, weint der Moderator fast ins Mikro und sagt zu den Kandidatinnen: "Ihr hättet es alle verdient. Ihr seid mutig, lustig, schön."

Die zweite männliche Hauptrolle hat Frank Becker inne. Er arbeitet nicht im Rampenlicht. Der Vorsitzende des SC Kreuz hat mehr als 50 Helfer in seinem Kerwateam. Jeder ist wichtig, sagt er.

Vor einigen Jahren, als Becker das Kerwakommando übernahm, da stand die Kerwa in der jetzigen Form auf der Kippe. Der alte Vorstand wollte kein Zelt mehr. Man setzte sich zusammen und zimmerte ein neues Konzept: Bessere Bands, um junge Leute anzulocken.

Und man kam auf die Idee, eine Misswahl zu veranstalten, um am Montag zum Kerwaausklang noch einmal Gas zu geben: "Wir hatten dasselbe Problem wie in Neustädtlein. Die haben den Kerwamontag abgeschafft. Wir haben die Misswahl eingeführt."

Wichtige männliche Nebenrollen: Manuel Mayer zum Beispiel. Er ist soo verliebt. Und Manuels Freund Daniel. Der 25-jährige arbeitet in den Behindertenwerkstätten in Himmelkron und ist neben Höreth der zweite Kavalier. Jede Miss-Kandidatin bekommt von Daniel einen Handkuss. "Weil ich sie alle schön finde und weil ich freundlich bin", sagt er.

Dann sind da noch: Thomas Ebersberger, der zweite Bürgermeister Bayreuths, die Freundlichkeit in Person. Holger Keller, der Chef vom Karstadt: Er ist Sponsor: Die Miss-Kandidatinnen treten in Bikinis seines Hauses auf und werden sie behalten dürfen.

Martin Farnbacher von der Brauerei Maisel, die das Kerwabier liefert. Und Chrstoph Wergin, der Chef des "Blue Bowl"-Bowlingcenters in den Mainauen. Er ist ein Freund von Frank Becker und kommt schon deshalb nicht umhin, erstens in der Jury zu sitzen und zweitens einen der Hauptpreise für die ersten drei Missen zu spenden: Eine Bowling-Party für zehn Personen.

Die Frauen: Es sind fünf, die sich durchringen oder gedrängt werden oder unbedingt auf die Bühne wollen. Diana Müller etwa hat mit ihrem verliebten Freund Manuel Mayer zwei Stunden diskutiert und hat sich dann durchgesetzt. Die 21-Jährige aus dem Stadtteil Kreuz hat eine massige Figur und lässt eine gewisse Angst erkennen: "Jeder blamiert sich, wie er kann", sagt sie in Anspielung auf ihr Gewicht und geht sofort in die Offensive: "Man lebt nur einmal. Das ist alles sexuelle Schwungmasse."

In diesem Moment ist das Publikum auf ihrer Seite und ihr Freund Manuel aus dem Häuschen. Er skandiert mit bereits etwas belegter Zunge ein Wort, das man aufs erste Hinhören als "Auszieh‘n, Auszieh‘n!" missdeuten könnte. In Wahrheit ruft Manuel: "Schatzi, Schatzi!" Wahrscheinlich Hunderte Mal an diesem Abend.

 

 

Eine andere Kandidatin sagt offen, dass sie mit sanfter Gewalt gezwungen wurde. Laura Zeußel kommt im Dirndl auf die Bühne, macht einen Knicks und sagt, sie sei wenige Minuten vor Beginn der Show vom SC Kreuz-Vorsitzenden Frank Becker zur Teilnahme überredet worden. Eine Kandidatin hatte kurzfristig abgesagt, da griff Becker sich die 23-jährige Informatikstudentin aus Heinersreuth, die schon einmal bei einer Kreuzer Misswahl mitgemacht hatte und Zweite geworden war.

Laura berichtet auf der Bühne, ihr Freund habe sich erst vor drei Tagen von ihr getrennt, mit der Begründung, sie sei "nicht die Richtige". Was Höreth empört: "Dass Duuuu NICHT die Richtige bist???" Der Moderator ist sauer: "Dieser Voll.... ist mir Sau!Sympatisch!" Der dafür aufbrandende Riesenbeifall und ein Handkuss von Daniel zaubern ein strahlendes, breites Lächeln auf Lauras Gesicht. Und als Laura sich später beim Höhepunkt der Kandidatinnenkür bei der Bikini-Runde präsentiert, fällt dem sonst so wortgewandten Höreth nur ein Wort ein: "Wedda!"

Dann sind da noch die 20-jährige Fee Hochmuth, Hotelfachfrau-Azubi im Rheingold, die während der Festspiele einem echten Königspaar begegnet ist - Stunden später wird sie die Königin dieser Misswahl sein. Auch Fee Hochmuth wurde zum Kandidieren gedrängelt - eigentlich ist sie Bedienung im Bierzelt. Als Höreth sie zum Auftakt als "zuckersüß" bezeichnet und sie sagt, sie sei "noch zu haben", springt Daniel auf und bietet sich an. Fee bekommt den ersten Handkuss des Abends.

Kandidatin Sandra Zeisel ist Kreuzerin und lebt zurzeit noch in Weiden. Dahin war sie der Liebe wegen gegangen, doch diese ist vorbei. Bei der Misswahl wird sie viel Zuneigung bekommen. Bei Kandidatin Joanna Neuner - die 17-Jährige will Erzieherin werden - gleitet die Misswahl kurzzeitig unter das durchgängig schöne, freundliche, liebevolle Niveau ab: Ein junger Mann kommt auf die Bühne und singt den Schlager "Joanna, geboren um Liebe zu geben" und reichert den Text mit nicht druckreifen Worten an. Es ist der einzige Moment, wo man sich an eine andere, größere Misswahl erinnert fühlt.

Wichtige weibliche Nebenrollen: Nina Blindzellner und Angie Schmelzer von Radio Mainwelle sitzen in der Jury. Ebenso Marion Ständner und Brigitte Meyer vom Trachtenmodehaus Nübler. Nübler hat die Dirndl für die erste Kandidatinnenrunde bereit gestellt. Die "Miss Kreuzer Kerwa" des Vorjahres, Hanna Schattkowsky, ist ebenfalls in der Jury. Sie wird am Schluss die schwarze Schärpe für ihre Nachfolgerin Fee Hochmuth übergeben.

Die Helfer: Die zwei Vorgängerinnen von Hanna sind auch da: Sie bedienen im Kerwateam. Tina, die Miss vom Jahr 2014 und Christina, die vom Jahr 2015. Christina, die ein T-Shirt mit der Aufschrift "Bierbiene" trägt, sagt, sie sei nach der Wahl an der Kreuzer Kerwa hängen geblieben: "Das hier ist ein Riesenhammerteam."

Die Helferin, die den wahrscheinlich schmutzigsten Job hat, heißt Kerstin Hertel. Sie ist bei ZF in Wolfsbach als Reinigungskraft angestellt. Und deshalb hat sie sich im Kerwateam als Klofrau gemeldet, putzt an fünf Tagen jeweils mehrmals die Toiletten im Kreuzer Sportheim, freiwillig, ehrenamtlich. Das Trinkgeld bekommt der Verein.

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