Kölner Architekt leitet die 30-Millionen-Sanierung des Festspielhauses

„Für uns hat das Projekt natürlich eine besondere Qualität“, schwärmt Stephan. „Das Festspielhaus ist etwas Besonderes, da möchten wir uns auch besonders anstrengen.“ In den nächsten Jahren plant Stephan, eine Niederlassung des Büros in Bayreuth zu eröffnen – „dann, wenn es sinnvoll ist. In den ersten Monaten arbeiten wir vor allem im Festspielhaus – da kommen wir auch mit einem Zimmer in einer Pension zurecht.“

Wie viel die Sanierung kosten soll, steht fest: 30 Millionen Euro. Diese Summe wollen die Gesellschafter der Festspiele für die Sanierung ausgeben; eine entsprechende Finanzierungsvereinbarung wurde im Herbst 2013 unterschrieben. Ein Jahr zuvor hatte das Bauordnungsamt auf dem Grünen Hügel Gefahr im Verzug festgestellt; seit Dezember 2012 steht darum ein Gerüst an der Fassade.

Was außer der Fassade saniert werden muss – dazu gibt es zwar ein Vorabgutachten der Bayreuther Architekten Stiefler+Seiler. Akute Mängel konnte bis zuletzt keiner benennen – zumal die Bühnenmaschinerie technisch auf neuestem Stand und die Maske und die Solistengarderoben frisch renoviert sind (bezahlt von der „Gesellschaft der Freunde“, die nach Kurier-Informationen jährlich bis zu vier Millionen Euro in den Bauunterhalt steckt). Ein detailliertes Sanierungskonzept vorzulegen – das ist jetzt die Aufgabe des Architekturbüros Stephan.

Im Frühjahr schrieb die Festspiele GmbH den Auftrag aus, im Juli bewarb sich Stephans Büro; gestern stellte sich der Architekt – ausgewählt in einem detailliert vorgegebenen Vergabeverfahren – dem Festspiel-Verwaltungsrat vor. „Das Gebäude ist gepflegt, aber in die Jahre gekommen“, sagte Stephan dem Kurier. Und benennt die wichtigsten Punkte: An der Fassade gebe es Handlungsbedarf, außerdem bei Brandschutz und Heizung.

Das Büro Stephan ist seit 20 Jahren auf die Sanierung und Restaurierung historischer Gebäude spezialisiert. Detlef Stephan selbst ist gelernter Orgelbauer und studierte Architektur in Hildesheim. Er arbeitete in einer Projektgruppe zur Sanierung der Braunschweiger Altstadt und wurde 2012 in das Deutsche Nationalkomitee des Internationalen Rats für Denkmalpflege berufen. Stephan sanierte bereits die Namen-Jesu-Kirche in Bonn, den Schinkel-Bau des Akademischen Kunstmuseums und das Historische Seminar der Bonner Universität und mehrere historische Bankgebäude in Hamburg, Frankfurt und Köln.

In den nächsten Wochen beginnt ein achtköpfiges Team mit den Vorbereitungen. Die Untersuchung des Hauses und die Planung soll das ganze nächste Jahr dauern. Die ersten Handwerker sollen 2016 auf dem Gerüst stehen – immer dann, wenn im Festspielhaus nicht geprobt oder gespielt wird. „Also immer genau außerhalb der klassischen Bausaison“, sagt Festspiel-Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense.

Das Gerüst soll bis zur Fertigstellung der Fassade stehen bleiben. Die Leihgebühr liegt nach Angaben Senses bei 18 000 Euro im Jahr.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06