Kneipenfestival: Musik mit Tuchfühlung

"Diesmal war es echt ein kleines Abenteuer im Vergleich zu den vorangegangenen Festivals", sagt Matthias Mayer. "Das einschneidendste Erlebnis war natürlich der Brand der Rosenau im Mai." Eine der großen Locations in Rauch und Feuer aufgehen sehen zu müssen, noch dazu eine, die mit am längsten dabei war, habe "das Programm gleich einmal komplett durcheinander gewirbelt", sagt Mayer.

Plötzlich war die Bühne weg

Die Leoniden, "eine der aufstrebenden deutschen Indie-Pop-Bands, hatte keine Bühne mehr. "Wir mussten eine Rochade machen", sagt Mayer. Glücklicherweise habe das Liebesbier - zum ersten Mal beim Festival dabei - mit der Alten Abfüllerei einen weiteren Saal geöffnet, damit die Whiskey Foundation von der Kleinkunstbühne aus dem Zentrum dorthin umziehen konnte. Und die Leoniden wiederum im Zentrum spielen können. "Abgesehen davon kamen einige neue Objekte dazu, was zeigt, was für ein Wandel in der Gastro-Szene derzeit drin steckt." Eine der Kneipen, die in der letzten Sekunde noch den Aufsprung geschafft haben auf den Kneipenfestival-Zug, war die Pop-up-Bar Lola von Wolfgang Fiebich, der wiederum schon mit einigen Kneipen Teil des Festivals war. "Er war mit dem Cyrano damals auch beim ersten Mal dabei", sagt Mayer.

Der Wandel wird sichtbar

Am Kneipenfestival könne man den Wandel in der Gastronomie in der Stadt ganz gut ablesen: "Am Anfang hatten wir einige Speiselokale dabei: Wolffenzacher, Lochner, Brauereischänke", sagt Mayer. "Heute ist nur noch das Enchilada als Speiselokal dabei." Dafür viele neue Läden, die das zunehmend studentischer geprägte Bayreuth erst möglich gemacht habe. "Aber gerade kleine Kneipen, wie zum Beispiel die Waikiki-Bar, sind es, die den Reiz des Festivals transportieren. Zwei, drei Musiker, die auf der Fläche eines Bierdeckels spielen. Da springt der Funke über, die Stimmung kocht."

Florian ist am längsten dabei

Genau das ist es, was Ingo Froese auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Froese ist seit 24 Jahren mit dem Café Florian dabei. Kein anderer Laden bringt es auf eine längere Teilnahmezeit. Frose sagt: "Das ist allem voran Musik zum Anfassen." Schon allein durch die räumlichen Gegebenheiten, die es - wie im Florian - in den meisten Kneipen der Stadt gibt. "Beim Kneipenfestival sind die Besucher praktisch mit der Band Körper an Körper. Die Stimmung steckt an." Das alles "steht und fällt natürlich mit der Musik", sagt Froese und lacht. Zwar habe man im Florian meist die Bands und damit die Musik bekommen, die zu "unserem komplett gemischten Publikum passt". Aber es habe auch Ausreißer gegeben, "wie die beiden Sängerinnen, die erst mal den ganzen Laden in Schwarz gehüllt und dann den ganzen Abend rumgeschrien haben", erinnert sich Froese. Anders - gerade was die Besetzung angeht - der Abend, an dem die Cosmos Sinti Band im Café aufspielte: Ein feines Konzert, das allerdings den Raum für Zuhörer leicht reduziert habe, "weil die Band schon fast mehr Mitglieder hatte als wir Platz haben".

Das Publikum wechselt ständig

Das Kneipenfestival findet Froese auch im 25. Jahr "eine gute Idee. Die Leute sind am Laufen, das Publikum wechselt. Und dem Umsatz schadet es natürlich auch nichts". Durch den Wintergarten, in dem die Bands spielen, sehen die Gäste auch von außen gleich, "was los ist und wer spielt". Wen nicht, wie so oft, vor lauter Spielbegeisterung und Tanzlust der Gäste das Wasser an den Scheiben kondensiert.

Info: Der Vorverkauf für das 25. Bayreuther Kneipenfestival ist gestartet. Karten gibt es unter anderem bei der Kurier-Geschäftsstelle in der Opernstraße und an der Theaterkasse.

Das Kneipenfestival: Eine Institution

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06