Klinikum: Chefarzt der Gynäkologie fliegt

Das Ende einer Karriere am Klinikum Bayreuth wurde in einer außerordentlichen Aufsichtsrats-Sitzung am Montagnachmittag beschlossen: Ab sofort kein Chefarzt mehr, Freistellung. Den Rest regeln Anwälte.

Mit Vorschusslorbeeren angetreten

Mehr als fünf Jahre leitete er die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Klinikum Chemnitz GmbH, dem drittgrößten Krankenhaus Deutschlands in kommunaler Trägerschaft mit 1745 Betten. In der Ärzteliste der Zeitschrift „Focus" 2012 zählt er als Experte für die Therapie von Brustkrebs und gynäkologischen Tumoren zu den Top-Medizinern in Deutschland.

Angetreten war er Anfang 2014 – mit Vorschusslorbeeren. Er übernahm die Leitung der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Klinikum Bayreuth GmbH. Damit war er auch der Leiter des zertifizierten Brustzentrums und gemeinsam mit Thomas Rupprecht Leiter des zertifizierten Perinatal-Zentrums Level 1. Also ein wichtiges Rad im Klinikums-Getriebe.

Auch in Chemnitz gab es Ärger

Allerdings wurde erst einige Wochen nach seinem Arbeitsbeginn bekannt, dass er auch vom Klinikum Chemnitz, wo er ab 2008 als Chefarzt der Frauenklinik tätig war ist, im Unfrieden gegangen ist. Dort sollen es allerdings keine falschen Abrechnungen, sondern sein Führungsstil gewesen sein, weswegen er eine Abfindung bekam und nach Bayreuth ging.

Nach Informationen der Chemnitzer Tageszeitung „Freie Presse“ hatte sich ein Teil der niedergelassenen Frauenärzte gegen ihn ausgesprochen. Zudem hätten Ärzte und Mitarbeiter aus der Pflege seinetwegen das Klinikum Chemnitz verlassen.

Zahlung auf das Konto des Arztes geflossen

Gestolpert ist der Chefarzt in Bayreuth eher zufällig. Es ging um eine Abrechnung, über die sich die Verwaltung mehr als wunderte. Eine Abrechnung, die seine Patientin eigentlich schon bezahlt hatte. Nach Informationen des Kuriers ging die Summe allerdings nicht ans Klinikum, dem Arbeitgeber des Chefarztes, sondern an sein eigenes Konto. In solchen Fällen ist es üblich, dass Kliniken die Unregelmäßigkeiten bei der Polizei anzeigen.

Tatsächlich ist es so, dass Chefärzte auch privat abrechnen können. Allerdings nach strengen Regeln. Diese wurden nach Informationen des Kuriers bei einigen Rechnungen nicht berücksichtigt. Um welche Summe es sich handelt, um welche Behandlungen und um wie viel Rechnungen, darüber herrscht in der Klinik Stillschweigen.

Keine Stellungnahme des Aufsichtsrates

Nach Informationen des Kuriers ist der gestolperte Chefarzt in der Aufsichtsrats-Sitzung zu Wort gekommen. Zwei unterschiedliche Quellen berichten Gegensätzliches: Einmal habe der Chefarzt die Fehler eingeräumt, einmal habe er sie nicht eingeräumt. Was letztlich stimmt, bleibt wie der gesamte Vorgang hinter verschlossenen Türen: Dort wurde die Causa nämlich verhandelt.

Von der aktuellen Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, gab es bis jetzt keine Stellungnahme – und keine Details. Es handle sich um „eine Personalangelegenheit, die in nichtöffentlicher Sitzung des Aufsichtsrats der Klinikum Bayreuth GmbH behandelt wurde. Weitergehende Auskünfte sind daher gegenwärtig nicht möglich“. Seit Donnerstag ist der Chefarzt nicht mehr im Dienst.

Der Vorgänger ging schon während der Probezeit

Bereits 2013 hatte sich das Klinikum Bayreuth von einem Leiter seiner Frauenklinik und damit dem Vorgänger des jetzt beurlaubten Arztes getrennt. Dieser hatte offiziell das Vertragsverhältnis mit dem Klinikum Bayreuth gekündigt – noch während seiner Probezeit. Er war zuvor am Klinikum in Saarbrücken tätig gewesen, dieses Krankenhaus sah sich mehreren Rechtstreitigkeiten mit ehemaligen Patientinnen ausgesetzt.

Nach Kurier-Recherchen lag der Anteil an Nachoperationen bei Brustkrebspatientinnen am Klinikum Bayreuth unter seiner Regie über dem Wert, der für ein anerkanntes Brustzentrum empfohlen ist. Und: Die niedergelassenen Frauenärzte waren mit Einweisungen in die Bayreuther Frauenklinik zurückhaltend. Dass er dann selbst ging und damit wohl einer Kündigung durch das Klinikum zuvorkam, darauf hatte der Aufsichtsrat bei einem internen Gespräch mit dem damaligen Klinikums-Chef Roland Ranftl hingewirkt.

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Kommentare

Never ending story.
Bitte endlich einen professionellen Aufsichtsrat etablieren!!!
Und vor allem einen Aufsichtsrat der nicht aus Klinikärzten und Bürgermeistern besteht, dehnen nur das Geld wichtig ist!!
Der kleine Rechtschreibfehler hat trotzdem etwas mit Gynäkologie zu tun. Späßchen.
Unfassbar, dass das schon wieder an die Öffentlichkeit gelangt ist. Hier muss doch mal einer den Aufsichtsräten die rechtlichen Vorgaben klarmachen
An die Öffentlichkeit gelangt.....spätestens wenn man auf die Homepage des Klinikums geht und ein Chefarzt von heute auf morgen dort von den Seiten verschwindet werden Fragen gestellt!! Außerdem wusste am späten Nachmittag sowieso jeder vom Klinikum bescheid...Flurfunk. Was meinen sie wie viele Angestellte da anonym beim Kurier angerufen haben :-)
Aber bekommt es das Klinikum nicht endlich mal hin, gute Leute einzustellen, die "normal" arbeiten und keine "Vorgeschichte" haben? Was machen die Personaler im Klinikum eigentlich? Dem Artikel nach zu urteilen, sind diese nicht besonders fähig, denn der legt nahe, dass man in beiden Fällen Einiges hätte wissen können und genau DAS ist deren Aufgabe.
Meine Güte, kommt das Klinikum denn nie zur Ruhe? Das macht seinen Ruf nicht besser!
Na wunderbar, immer kräftig auf den Indianern rumhauen. Die Häuptlinge können ja nix dafür......
Mal bitte Hirn einschalten bevor man(n) schreibt. Die Personaler, nein ich gehöre nicht dazu, SUCHEN lediglich die Kandidaten und zwar nach Vorgaben. Schalten Inserate und Anzeigen, beauftragen Agenturen und stellen Unterlagen zusammen. Die Personalentscheidungen trifft dann bei diesen Stellen definitiv nicht der Personaler.
Ggfs. sollten wir ja mal die NASA fragen : ) :) (und ja, ich weiß was ich da geschrieben habe.....)
Das (Einstellen "guter Leute") hat wohl weniger mit den "Personalern" im Klinikum zu tun, wohl eher mit dem Aufsichtsrat, der die Auswahl trifft bzw. wesentlich dabei mitwirkt! Wenn man die Ereignisse der Vergangenheit Revue passieren lässt, könnte man zum Schluss kommen , die Inkompetenz liegt eher dort. Irgendwer sollte doch in der Lage sein zu recherchieren, ob ein Bewerber eine Vorgeschichte bzw. Leichen im Keller hat.
Aber diese Auswahlinkompetenz betrifft ja in Bayreuth nicht nur das Klinikum, sondern auch das Rathaus. Man denke an das glückliche Händchen bisher bei der Auswahl der Kulturreferenten. Und sitzen da nicht bestimmte Personen in beiden Gremien?
Wie müssen sich Krankenschwestern und Krankenpfleger fühlen, wenn einer mit Chef-Gehalt trotzdem nicht genug kriegt?
Vielleicht ist es doch so, daß der Aufsichtsrat fast nur die Ärzte die mit diesem oder jenen Manko behaftet sind, zur Auswahl bekommt. Das Klinikum wurde halt in den letzten Jahren in den Medien weniger vorteilhaft erwähnt. Die wirklich guten Mediziner machen deshalb vielleicht einen Bogen um den Roten Hügel und es bewerben sich vorzugsweise die Doktoren, die froh sind unter zu kommen.
Es ist halt die Frage, ob das an den Medien liegt, wenn das Klinikum in den letzten Jahren (auch) negative Presse bekommen hat, oder am Klinikum. Denn die schlechten Nachrichten sind ja nicht erfunden. Allerdings gibt es - zumindest bei uns - sehr viele Artikel, die sich mit den positiven Seiten der Arbeit am Klinikum auseinandersetzen. Diese Artikel werden nur weniger wahrgenommen.
...bin ja mal gespannt, wann die Kommentarfunktion "Klinikum" ebenfalls gesperrt wird?!
Wie z. B. Flüchtlinge und Fichtelberg.
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Wo hat der Herr Chefredakteur eigentlich sein Handwerk gelernt? Volontariat bei der "Bild" oder bei der "AZ"?
Überschriften wie "Chefarzt der Gynäkologie fliegt" oder "Bye-bye Bischofsgrün" entsprechen Schülerzeitungsniveau. Vielleicht soll's ja auch nicht drüber liegen...