Klangtherapie: Von wegen nur Drogen

Luise Goldfuß ist die frühere Bürgermeisterin von Plankenfels. Am Freitagabend wird sie wie jedes Jahr in ihr Auto steigen und am Festivalgelände vorbeifahren. Aufs Gelände geht sie nicht. „Die Musik gefällt mir nicht“, sagt Goldfuß. Aber sie will nach dem Rechten sehen, will vor allem den Plankenfelser Jugendlichen, die sie fast alle beim Vornamen kennt, helfen, sie vor zu großem Blödsinn bewahren.

"Nicht mehr Drogen, als in jeder Bayreuther Disko"

Goldfuß hat für das Festival immer gekämpft. „Lasst sie halt sein“, sagt sie heute noch, wenn sich jemand über den Krach oder angeblichen Drogenmissbrauch auf dem Festival beschwert. Die Beschwerden, sagt Goldfuß, kämen fast immer aus Hollfeld. Und die frühere Bürgermeisterin hält dann dagegen: „Wenn die jungen Leute ihren Grenzen in Scherleithen nicht ausprobieren, dann eben woanders.“ Klar, sagt sie, haue es immer mal wieder einen um. Die Polizei, die seit Jahren mit rund 20 Personen auf dem Festival im Einsatz sei und auch seit gestern wieder Quartier in der Alten Schule bezogen habe, habe ihr versichert: Mehr Drogen als in Bayreuths Discos gibt es auch bei der Klangtherapie nicht. Und wer den Lärm nicht aushalte, der solle sich ein Beispiel an den Stechendorfern nehmen. Die bekämen, je nachdem wie der Wind dreht, am meisten vom Krawall ab. Aber dort würden die, die sich davon gestört fühlten, lieber für ein paar Tage wegfahren, als sich zu beschweren. Goldfuß sagt: „Die sind wunderbar, denen würde ich den Ausflug am liebsten spendieren.“

Auf jede Beschwerde die passende Antwort

Auch auf alle anderen Beschwerden hat Goldfuß eine Antwort parat. Wer sich an Nacktbadenden stört, dem sagt sie: „Ihr müsst ja nicht hinschauen.“ Wer sich beschwert, dass sich andere zum Sonnen auf die Straße legen, dem hält sie entgegen: „Ich hab’ das schön gefunden. So chillig.“ Und dann verrät Goldfuß, dass sie früher mit dem Bulldog die beschädigten Autos der Betrunkenen aus dem Graben gezogen habe. Bevor die Polizei etwas davon mitbekam.

Besoffen eine Kuh melken

Ein anderer, der solche Geschichten zu erzählen hat, ist Klaus Niegel. Der Hof des Landwirts liegt direkt an der Zufahrt zum Festivalgelände. Und bei Niegel schlagen nachts die auf, die eine Wette verloren haben. Die im Kuhstall beweisen müssen, dass sie eine Tasse Milch melken können. Oder die einfach nur nach Hause wollen und Niegel um eine Taxifahrt nach Bayreuth bitten. Oder die beim Festival ankommen und fragen, ob er nicht mal eben mit dem Traktor ein Sofa und einen Ster Holz aufs Gelände fahren könne. Mittlerweile, sagt Niegel, sei ihm die Fahrerei aber zu brenzlig geworden. Weil immer mehr Festivalgäste diese Aktionen mit dem Handy filmten und ins Internet stellten.

Orientierungslos im Stall

Und selbstverständlich, sagt der Landwirt, stünde hin und wieder ein völlig besoffener Festivalbesucher orientierungslos in seinem Stall. Aber der, der am nächsten dran ist am Gelände und von den rund 3500 Festivalbesuchern am meisten mitbekommt, sagt trotzdem: „Das ist ein tolles Fest, ruhig, reibungslos, mit lauter freundlichen Leuten.“

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