Kintopp: Sitzen wie in der Stadthalle

170 der mit rotem und grünen Samt überzogenen Sitze aus dem kleinen und großen Haus, hat der Förderverein der Kintoppfreunde jetzt in dem 59 Jahre alten Hollfelder Kinosaal eingebaut. 200 Stunden ehrenamtliche Arbeit waren dazu nötig. Der Vorsitzende der Kintoppfreunde, Winfried Hartl, sagt: "Insgesamt haben wir aber seit zwei Jahren darum gekämpft."

In zahlreichen Briefen an die Bayreuther Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe habe er dafür geworben, dass die Stadt dem Kintopp die Stühle eines Tages überlässt. Als der Bayreuther Stadtrat dann vor einigen Monaten beschloss, die Stadthalle zu sanieren, sei Bewegung in die Sache gekommen. Die Kintoppfreunde durften sich Stühle aussuchen. Zum Sonderpreis von 3,15 Euro pro Stuhl, viel weniger als später bei der öffentlichen Versteigerung gezahlt wurde. Und Hartl sagt: "Anders hätten wir es uns auch nicht leisten können." Gleichzeitig konnten die Kintoppfreunde fast alle alten Stühle für rund 15 Euro je Stück an Mitglieder und Kinofreunde verkaufen. 1982 hatte die frühere Betreiberin des Kintopps, Ursula Scheicher, die Sitze in den Niederlanden in gebrauchtem Zustand gekauft. Hartl sagt: "Die Sitze genießen jetzt bei den Leuten zu Hause ihren verdienten Ruhestand." Währenddessen die Sitze der Bayreuther Stadthalle jetzt in Hollfeld ihren zweiten Frühling  erleben. So genau weiß niemand, wo und wann die Bayreuther damals ihre Stühle gekauft haben. Sie sollen in den 70er oder 80er Jahren angeschafft worden sein. Die ursprüngliche Bestuhlung der Stadthalle jedenfalls war lila.

Das Kintopp habe jetzt nicht nur 27 Sitzplätze mehr als vorher, sondern auch noch wesentlich bequemere, sagt Hartl. Und genauso wie das Kino jetzt mehr Gästen Platz bietet, hofft Hartl darauf, dass der Verein mehr neue Mitglieder findet. 245 Mitglieder sind es im dritten Jahr des Vereins. Und Hartl sagt: "Finanziell kommen wir so auf plus, minus null raus." Und das, sagt Hartl, obwohl der Verein den Filmprojektor des früheren Betreibers ausgelöst und den Mindestlohn ausnahmslos umgesetzt habe. Derzeit such der Verein Sponsoren für einen neuen Schanktisch. Weil der alte die hygienischen Voraussetzungen nicht mehr erfülle, müsse eine neue angeschafft werden. Kosten: rund 6000 Euro. 3277 Euro an Spenden sind bereits zusammengekommen.

Längst kommen nicht mehr alle Vereinsmitglieder aus Hollfeld. Im Gegenteil: "Hollfeld ist gesättigt", sagt Hartl. Mittlerweile zählen Kinofreunde aus Forchheim, Bayreuth, Nürnberg, Bamberg und Pegnitz zu den Mitgliedern des Fördervereins. Und Hartl sagt: "Wir wollen auch in Zukunft vermehrt dort sichtbar werden, wo der Markt noch nicht gesättigt ist."

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