Kindertagesstätte platzt aus allen Nähten

Als Christine Müller (damals noch unter ihrem Mädchennamen Wagner) vor zehn Jahren die Leitung der 1964 eröffneten Kindertagesstätte übernahm, besuchten gerade mal halb so viele Kinder die Einrichtung wie heute. Dass es heute doppelt so viele sind, hat eine Reihe von Gründen. Seither wurde in ganz Deutschland die Kinderbetreuung außerhalb der Familie deutlich ausgebaut. Aber auch ein gewisser Kinderboom ist zu verzeichnen in Bischofsgrün, wie sich an den Geburtenzahlen der vergangenen zehn Jahre ablesen lässt. Für den Rest des Kinderbooms sorgte der Zuzug von Familien mit kleinen Kindern, in den jüngsten Jahren auch solche mit Migrationshintergrund.

Kommune ist Kostenträger

Die Blumenwiese ist ein evangelischer Kindergarten, aber bei den Betriebskosten und vor allem bei baulichen Investitionen ist die Gemeinde in der Pflicht. So hatte Bischofsgrün 65.000 Euro in den vor zwei Jahren eingeweihten Hort investiert. Obwohl man damals eine kostengünstige Variante mit freien Räumen im evangelischen Gemeindehaus anstelle eines Neubaus gewählt hatte.

Und der Hort platzt keine zwei Jahre nach seiner Eröffnung aus allen Nähten. Das ergab eine Bedarfsumfrage der Kommune, deren Ergebnis Bürgermeister Stephan Unglaub (SPD) in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorstellte. So hatte es für den Hort (aktuell 18 Plätze) Interesse für 33 Kinder gegeben. Diese Entwicklung hatte sich schon vergangenes Jahr angedeutet, wie Unglaub bereits im November in der Bürgerversammlung deutlich gemacht hatte. Auch die Krippe, in der die Kleinsten betreut werden, ist zu klein: Bei aktuell zwölf Plätzen gibt es 20 Anmeldungen.

20 Plätze mehr

Der Gemeinderat zog nun die Konsequenzen. Und beschloss, die Zahl der Plätze in der Krippe von zwölf auf 20 zu erhöhen, im Hort von 18 auf 30. Im Kindergarten selbst mit seinen 50 Plätzen ist keine Änderung geplant. Unterm Strich soll die Zahl der Plätze in der Kindertagesstätte (Krippe, Kindergarten, Hort) damit von 80 auf 100 steigen.

Das wird nicht ohne An-, Um- oder Neubauten gehen. Bereits einen Tag nach der Gemeinderatssitzung mit dem Grundsatzbeschluss, am vergangenen Freitag, fand ein Vor-Ort-Treffen statt mit Bürgermeister Unglaub, Vertretern der evangelischen Landeskirchenverwaltung und Architekt Harald Schramm aus Kulmbach. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie sich eine Erweiterung baulich lösen lässt. Auch Übergangslösungen für die Bauphase wurden andiskutiert, so Bürgermeister Unglaub nach dem Treffen. Dabei rückt insbesondere das Lehrerwohnhaus in den Fokus. Es wird derzeit von Grund auf saniert, um künftig Räume für Vereine, Veranstaltungen sowie das Gemeindearchiv zu bieten. Fertig werden soll es im Januar 2018.

Hoffen auf Zuschüsse

Was auf die Gemeinde an Kosten zukommt im Zusammenhang mit der Erweiterung der Kindertagesstätte, ist noch völlig offen. Ersten, weil man noch nicht weiß, wie die Erweiterung baulich gelöst wird. Und zweitens, weil Zuschüsse des Bundes im Raum stehen, der derzeit mit Geld in Milliardenhöhe verstärkt Investitionen in die Kindertagesbetreuung fördert.

Die gestiegene Zahl an Kindern hat auch Folgen für die Schule. Während es dort seit Jahren lediglich zwei Kombiklassen gab, soll es voraussichtlich im nächsten Schuljahr eine dritte Klasse geben.

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