Keine weitere Leitung der Juragruppe

In der Stadtratssitzung  ging es um eine langfristige Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit für die an die Aufseßgruppe angeschlossenen Orte Breitenlesau, Hubenberg, Siegritzberg und andere leine Ortschaften. Der größte Teil von Waischenfeld wird von der Juragruppe versorgt. Seit Monaten wurde vor allem hinter den Kulissen von der Stadt die Möglichkeit eines zweiten Standbeines für die von der Aufseßgruppe versorgten Orte durch die Juragruppe diskutiert und geprüft.

Sonderförderprogramm des Freistaates

Werkleiter Hans Hümmer von der Juragruppe stellte die Varianten und trug ein Angebot zur Umsetzung vor. Dies vor allem mit Blick auf das Sonderförderprogramm des Freistaates, zu dem laut Hümmer die Juragruppe mit ihrem Verbandsvorsitzenden Manfred Thümmler und ihm durch persönlichen Einsatz auf ministerialer Ebene den Anstoß gaben.

Danach werden Investitionen für ein zweites Standbein in der nördlichen Frankenalb mit 50 Prozent vom Freistaat gefördert. Zehn Millionen Euro wurden bereitgestellt. Um es vorweg zu nehmen: Es gab keinen Beschluss: Letztlich scheiterten nach zweieinhalb Stunden Beratung alle Bemühungen, für die zur Aufseßgruppe gehörenden Orte eine sichere Versorgung für die nächsten Jahrzehnte zu sichern. Der Grund: Anträge können nur noch bis Ende September eingereicht werden. 

Emotionen und politische Überlegungen

Ohne vorher die Bürger aus den betreffenden Orten in die Entscheidung einzubinden, sei dies nicht umsetzbar, so die Mehrheit der Räte. Dies wurde im Gremium bedauert, da die Tendenz eines Großteils der Stadträte offenbar für die von der Juragruppe vorgeschlagene Lösung war. Eingangs bedauerte der Bürgermeister, dass das Thema Wasser nicht immer von sachlichen Erwägungen begleitet war. Es spielen oftmals Emotionen und politische Überlegungen mit, wie das beispielsweise in den 70er und 80er Jahren beim Anschluss von Hannberg und weiterer Orte der Fall war.

Versorgungssicherheit

„Damals haben die Fachbehörden die auch richtige sachliche Einschätzung getroffen.“ Er habe, so Pirkelmann, das Thema als Verbandsmitglied in der Aufseßgruppe eingebracht mit der Forderung nach einem zweiten Standbein, um die Versorgungssicherheit der betroffenen Orte der Stadt Waischenfeld uneingeschränkt zu gewährleisten. Dies trifft vor allem auch auf die Brauerei Krug in Breitenlesau zu. Hellhörig ist er geworden, als aus einer Studie entnehmen musste, dass dort die Aufseßgruppe mit „rot“ markiert war. Damit war das zweite Standbein gemeint. Kritisch äußerte sich der Bürgermeister dazu, dass im Zusammenhang mit dem Antrag der Gemeinde Aufseß zur Aufnahme in die Aufseßgruppe bestimmte Unterlagen den Verbandsräten vorenthalten wurde, die er später einforderte.

Angebot der Juragruppe

Dabei handelte es sich um das Angebot der Juragruppe, das einen günstigeren Preis für den Anschluss ermittelte. „Ich sehe“, so Pirkelmann, „in zehn oder 15 Jahren die Probleme auf die Bürger in den Orten um Breitenlesau zukommen.“ Er könnte sich angesichts einer nur noch zweieinhalbjährigen Amtszeit eigentlich zurücklehnen. „Ich werde aber bis zum letzten Tag um die Interessen meiner Stadt einsetzen und gehe deshalb die Problematik Wasser an. Ich will mir in zehn Jahren nicht vorwerfen lassen „die einmalige Chance im Jahr 2017 nichtwahr genommen zu haben“. Das Problem sei, so Pirkelmann, dass die Gemeinde Aufseß das Problem eines zweiten Standbeines nicht erkennen will und keinen Handlungsbedarf sieht. „Dabei geht es nicht um heute, sondern um eine langfristige Lösung“, so der Bürgermeister. „Wir behandeln heute ein Thema das die Zukunft betrifft.“ Es bestehe die Chance eine Leitung bis Breitenlesau mit einer Abnahme von mindestens 20.000 Kubikmeter pro Jahr zum Preis von 0,55 Euro für die Aufseßgruppe, zu verlegen.

Fünftel der Wasserabnahme

In der Diskussion sprach sich zweiter Bürgermeister Thomas Thiem (CSU) ohne Einbindung der Bevölkerung gegen einen Anschluss aus. Ohne Breitenlesau würde die Aufseßgruppe, auch mit Blick auf die Brauerei Krug, ein Fünftel ihrer Wasserabnahme verlieren. Dritter Bürgermeister Kurt Neuner (BBN) sah auch als einzige Möglichkeit die Absprache mit den Bürgern. „Die müssen mitmachen,“. Nach Baptist Knörl (WWL) wäre der Vorschlag der Juragruppe die zukunftsträchtigste Lösung. In der Debatte wurde auch überlegt, ob man nur die Brauerei Krug anschließen könnte.

Spät auf der Tagesordnung

Franz Schroll (CSU) kritisierte, warum das Thema so spät auf die Tagesordnung war. So eine Überlegung hätte bereits im Frühjahr passieren müssen. Dem entgegnete Hans Hümmer, dass erst vor vier bis sechs Wochen durch den Antrag der Gemeinde Aufseß das Ganze ins Rollen kam.

Werkleiter Hümmer informierte

Werkleiter Hans Hümmer von der Juragruppe informierte über Daten und Fakten des kommunalen Versorgungsunternehmens für Trinkwasser. Die Juragruppe sei ein Garant für qualitativ und quantitativ hochwertige Trinkwasserversorgung, so Hümmer. Sie verfügt durch die Veldensteiner und Hollfelder Mulde über ein gigantisches Trinkwasservorkommen, dem größten in Nordbayern. Als eine Mär bezeichnete er Behauptungen, dass sich die Grundwasserstände gesenkt hätten.

Grundwasserstände gleich geblieben

Im Gegenteil. In den Tiefbrunnen Bronn und Scherleithen, aus denen seit 30 Jahren Wasser entnommen wird, sind nach den seitdem vorliegenden Aufzeichnungen und Messungen, die Grundwasserstände stets gleich geblieben, im Gegensatz zum Rückgang bei oberirdischen Quellen, wie das Beispiel Zips zeige. Die aktuelle Fördermöglichkeit des natürlich geschützten Grundwassers der Juragruppe liegt bei 195 Liter in der Sekunde, 11 700 Liter in der Minute. Zudem besteht eine nahezu unerschöpfliche Löschwasserversorgung.

Sieben Brauereien

Bisher wurde das Trinkwasser im Verbandsgebiet, in dem sieben Brauereien angesiedelt sind, noch nie gechlort, so Hümmer. Als große Chance nannte er für ein zweites Standbein eine 50-prozentige Förderung einzufahren. Im Rahmen dieses Projektes ist die Aufseßgruppe bereits eine Kooperation mit dem Markt Wiesenttal eingegangen. Auch die Gemeinde Aufseß bemüht sich ein zweites Standbein mit Anschlussvarianten über die Aufseßgruppe oder die Juragruppe zu schaffen. Die Sorgen und Ängste der Stadt Waischenfeld für die Versorgungsbereiche Hubenberg und Breitenlesau hält Hümmer für berechtigt.

Abnahme von 20 000 Kubikmetern

Der Vorschlag der Juragruppe für eine Kooperation mit Waischenfeld für die Versorgungsbereiche Hubenberg und Breitenlesau für ein zweites Standbein könnte durch einen Leitungsbau bis Breitenlesau ermöglicht werden. Allerdings wäre eine Abnahme von 20 000 Kubikmeter pro Jahr erforderlich, auch wegen der Keimbildungen. Die geschätzten Kosten für die fünf Kilometer lange Leitung würden 1,1 Millionen Euro betragen, abzüglich 50 Prozent staatliche Förderung, so dass auf die Juragruppe und Waischenfeld je 300 000 Euro entfallen würden

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