Keine Wahl für Neurologie-Patienten

Patienten mit neurologischen Beschwerden wie Schlaganfällen, epileptischen Anfällen oder Bewegungsstörungen, mit Multipler Sklerose, Parkinson oder Nervenschmerzen hatten bisher die Wahl zwischen dem Bezirkskrankenhaus und der Hohen Warte. Künftig ist Letztere ihr einziger Anlaufpunkt. Die beiden Kliniken gehen eine Kooperation ein. 

Weniger Stunden, andere Angebote

Der Großteil der Mitarbeiter der bisherigen Neurologie werde am Bezirkskrankenhaus weiter beschäftigt, sagt Christian Porsch, Sprecher des Bezirks Oberfranken: Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (PPP) übernimmt sie. Für weitere 18 Angestellte solle es andere Angebote aus der Unternehmensgruppe oder Stundenreduzierungen geben, sagt Porsch auf Nachfrage. Das sei mit dem Personalrat abgestimmt. "Wir wollen das ohne betriebsbedingte Kündigungen schaffen."

Räumliche Nähe als wichtiger Faktor

Nach Angaben von Katja Bittner, Vorstand des Kommunalunternehmens Kliniken und Heime des Bezirks Oberfranken, habe die räumliche Nähe der beiden Kliniken bei den Überlegungen eine große Rolle gespielt. Sie sei "eine hervorragende Ausgangsbasis" für eine enge Zusammenarbeit. Vom umfassenden Angebot der Neurologischen Klinik und dem Know-How von Professor Patrick Oschmann in der Hohen Warte profitierten letztendlich die Patienten, sagt Bittner. "Wir haben bereits seit einigen Wochen keine Akutfälle mehr aufgenommen und gleich an die Klinik Hohe Warte verwiesen", teilt Bittner mit. Versorgungslücken sollen nicht entstehen.

BKH konzentriert sich auf Psychiatrie

Der bisherige Leiter Professor Matthias Keidel hat das Bezirkskrankenhaus bereits verlassen, ebenso wie einige junge Ärzte. Denn durch die Schließung der Neurologie verliert das Bezirksklinikum seine Berechtigung, sie zum Facharzt für Neurologie auszubilden, bestätigt Christian Porsch. Das Bezirkskrankenhaus konzentriere sich nun auf Psychiatrie und Psychosomatik, insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Akutaufnahme für Suchtkranke zieht um

Am Bezirkskrankenhaus stehen durch die Schließung Umstrukturierungen bevor. Die Akutaufnahmestation für Suchtkranke und die Institutsambulanz ziehen zum 1. Juni in das frei werdende Gebäude um. An der Zahl der Betten ändert sich nichts: Sie werden künftig der PPP zugewiesen. Die ehemalige Intensivpflegestation bekommt einen neuen Namen: Als „Neuropsychiatrie“ gehört sie zukünftig zur PPP unter Leitung des Ärztlichen Direktors Professor Manfred Wolfersdorf. Er  war für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen.

16 Millionen für Neubau der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Die Investitionen für den Umzug konnte Porsch nicht beziffern. Sie seien in der Summe von 16 Millionen Euro für den Neubau der PPP mitveranschlagt. Weitere Kooperationen mit anderen Kliniken sind nach Angaben von Porsch derzeit nicht geplant.

Klinikums-Ärzte behandeln am BKH

Im Jahr 2015 hat die Klinik für Neurologie am BKH 930 Patienten behandelt. „Wir sind uns bewusst, dass es durch die Kooperation zu einem erhöhten Patientenaufkommen kommen kann“, sagt Klinikums-Sprecherin Christiane Fräbel. „Wir werden die Entwicklungen jetzt beobachten und dann bei Bedarf kurzfristig reagieren.“ Für konkrete Voraussagen sei es noch zu früh. Für das Klinikum liegt der Fokus der Vereinbarung auf der Entsendung von Ärzten an das BKH. Sie übernehmen die neurologische Behandlung von körperlich und psychisch kranken Intensivpatienten der PPP.

Die beiden Kliniken

In der Klinik für Neurologie des Klinikums an der Hohen Warte stehen 140 vollstationäre und zehn teilstationäre Betten zur Verfügung. Sie ist damit eine der größten akutneurologischen Abteilungen in Deutschland. Dort werden Patienten mit akuten und chronischen Erkrankungen von Gehirn und hirnversorgenden Gefäßen, Rückenmark, Nerven und Muskulatur untersucht und behandelt.

Das Bezirkskrankenhaus Bayreuth ist ein Fachkrankenhaus für Diagnostik, Therapie und Pflege bei psychischen, psychosomatischen und neuro-psychiatrischen Erkrankungen. Es bietet stationäre, teilstationäre und ambulante Behandlung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Nicht bewertet

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Kommentare

Mann sollte besser sagen, dass Herr Professor Keidel und die jungen Ärzte auf anraten von Frau Bittner gegangen worden sind. Frau Bittner interessiert nicht der Patient sondern nur die finanzielle Seite des BKH.
Montag, 13. November 2017 - 11:06