Keine Grenzen auf Krücken

Herr Tokmak, was erwartet die Besucher in Bayreuth heute bei Ihrem Auftritt?

Dergin Tokmak: Ich mache einen akrobatischen Tanz auf Krücken, sehr energetisch. Das wird eine actionreiche Nummer. Ich werde auf den Krücken auch Handstände machen. Das Programm heißt „Keine Grenzen auf Krücken“. Es ist ein bisschen wie Breakdance. Es ist meine zweite Solonummer.  Zuvor,  beim  Cirque du Soleil, hatte ich eine eher klassische Nummer.

Zu welcher Musik tanzen Sie?

Tokmak: Es ist ein Mix aus Hip-Hop und schnellen Two-Steps.

Sie sitzen seit Ihrer Kindheit im Rollstuhl. Wie geht es Ihnen?

Tokmak: Meine Beine sind stark eingeschränkt, Knochen und Muskulatur sind nicht komplett ausgewachsen, deshalb trage ich links eine Schiene bis zur Hüfte, das rechte Bein ist noch stark genug, so dass ich mich aufstützen kann, ohne eine Schiene zu benutzen. Aber es fehlt ein Teil der Muskulatur. Ohne Krücken kann ich sehr schlecht laufen.

Als Jugendlicher war das gewiss nicht einfach.

Tokmak: Das ist lange her. Ich habe immer viel Sport – wie Bogenschießen, Tischtennis oder Basketball – gemacht und war ein sehr aktives Kind. Mit dem Sport konnte ich mich gut identifizieren.

Wie kamen Sie zum Tanzen?

Tokmak: Mitte der 80er-Jahre habe ich mich von einem Breakdance-Film inspirieren lassen, damals war ich ungefähr zwölf Jahre alt. Da haben die Leute an jeder Ecke angefangen, zum Ghettoblaster zu tanzen. Ich habe einfach versucht, mitzumachen und mich auf Händen zu drehen. In dem Film, den ich gesehen habe, hat einer auf Krücken getanzt. Das hat mir die Inspiration gegeben, es auch selbst zu versuchen. Das Ganze hat sehr spielerisch angefangen.

Hatten Sie einen Trainer?

Tokmak: Wir waren damals in einem Jugendzentrum, wo sich die Breakdanceszene trifft. Man hat sich dort gegenseitig Sachen gezeigt. So ist mein eigener Stil entstanden, den ich stix-steps nenne.

Das Gespräch führte Roman Kocholl

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