Wann die Herkunft von Tätern Thema ist

Nie in den bald 70 Jahren Bundesrepublik Deutschland war die Presse so in der Kritik wie in den vergangenen gut zwölf Monaten. Einer der am heißesten diskutierten Punkte ist die Nennung der Nationalität oder ethnischen Herkunft von Straftätern. Dass wir das im Regelfall nicht tun, erzürnt viele Menschen zu „Lügenpresse“-Vorwürfen. Für unser Handeln gibt es aber gute Gründe – nachzulesen im Pressekodex.

Basis für die Arbeit der Medien ist das Grundgesetz. In Artikel 5, Absatz 1 heißt es so schlicht, wie umfassend: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht, wie die Situation aktuell in Polen, Ungarn, aber vor allem der Türkei und Russland zeigt, wo der Staat die Unabhängigkeit der Presse nicht respektiert und missliebige Journalisten entlassen lässt, ins Gefängnis wirft oder gar in ganz extremen Fällen umbringt.

Ein zweiter Grundpfeiler ist der Pressekodex, ein 1973 beschlossenes Regelwerk, in dem sich Zeitungen und Onlinemedien selbst zur Einhaltung von ethischen Standards verpflichten. Die aktuellen Konflikte löst die Ziffer 12 aus, eine Regel, in der es um den Schutz von Minderheiten gibt, ethnischen und religiösen. Demach dürfen Zeitungen nur dann die Nationalität oder einen religiösen Hintergrund nennen, wenn dieser etwas mit der berichteten Tat zu tun hat. Im Klartext: Bei einem Asylbewerber, der im Supermarkt einen Becher Joghurt mitgehen lässt, wird die Nationalität nicht genannt, bei Straftaten der russischen Mafia in jedem Fall.

Köln: ein Grenzfall

Die sexuellen Übergriffe in Köln sind ein Grenzfall. Aber immerhin einer, bei dem sich so gut wie alle deutschen Redaktionen für Einstufungen wie „Nordafrikaner“ und „arabisch sprechend“, später – nach Bekanntwerden – auch „Asylbewerber aus Syrien“ entschieden. (Dass dies nicht sofort publiziert wurde, lag an der Polizei, die diese Informationen zurückgehalten hatte.)

Edda Eick ist Referentin beim Deutschen Presserat, der über die Einhaltung des Kodex’ wacht und über Beschwerden verhandelt. Im Gespräch mit dem Branchendienst „Drehscheibe“ sagt sie über Köln: „Es handelt sich ja um eine Art massenhaftes Verbrechen. Möglicherweise steckt auch eine größere kriminelle Struktur dahinter. In diesem Kontext wird dann anhand von Täterbeschreibungen gefahndet und berichtet – Stichwort „nordafrikanisches Aussehen“ – und das halte ich persönlich für akzeptabel.“ Anders sei dies zu bewerten, „wenn es um die bloße Spekulation darüber ginge, ob das Motiv der Tat mit der religiösen Zugehörigkeit oder dem Migrationshintergrund etwas zu tun haben könnte“ – so wie dies gerade massenhaft an Stammtischen, in Leserbrief vor allem aber im Internet und den Sozialen Netzwerken passiert.

Die Medien befinden sich dabei in der Zwickmühle: Auf der einen Seite das Informationsbedürfnis der Bürger, auf der anderen Seite Schutzinteressen von Minderheiten. Seien wir uns doch klar, und Köln hat es bewiesen: Ein paar Dutzend volltrunkene, arabische Sexualstraftäter lassen in der öffentlichen Meinung Hunderttausende syrischer Flüchtlinge zu mutmaßlichen Vergewaltigern mutieren.

Flüchtlinge werden nicht öfter straffällig als Deutsche

Einige Zeitungshäuser haben aus der Dauerkritik ihrer Leser und deren grassierenden Misstrauen bereits Konsequenzen ergriffen: Ein süddeutscher Verlag, in der Größe vergleichbar mit dem Nordbayerischen Kurier, nennt inzwischen selbst bei Ladendieben die Herkunft. Ein klarer Verstoß gegen den Kodex, aber ein Beitrag zum Frieden, jedenfalls mit einem Teil der Leser.

Auch Alexander Marinos, stellvertretender Chefredakteur der WAZ in Essen, der größten deutschen Regionalzeitung, forderte am Montag via Facebook eine Reformierung der Ziffer 12: „Diese Regel schürt das Vorurteil gegen Medien, sie würden wichtige Sachverhalte vertuschen.“ Friedrich Roeingh, Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung in Mainz, hielt dagegen: „Ich denke eher, dass die Polizei lernen muss, etwas offensiver mit diesen Regeln umzugehen.“ Aber der Chef des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags in Flensburg, Stefan Kläsener, von Haus aus Theologe, geht sogar noch weiter als Marinos: „Gerade heute hatten wir wieder so einen Fall, übelster sexueller Missbrauch an einer Minderjährigen. Und dann Täterschutz? Sorry, da mache ich nicht mit.“

Egal, wie die Diskussion ausgeht und ob der Pressekodex tatsächlich reformiert wird, in Köln und anderswo gilt in jedem Fall die Unschuldsvermutung: Straftäter ist jemand erst dann, wenn er rechtskräftig verurteilt ist.

Beim Nordbayerischen Kurier wollen wir uns weiterhin an diese Regel halten ebenso wie an die Ziffern 12 und 12.1 des Pressekodex. Für uns sind Zivilisiertheit, Anstand und der Schutz von Minderheiten höher zu bewerten als Proteste von Lesern. Und die Realität unterstützt uns dabei: Aus keiner Polizeistatistik geht hervor, dass Flüchtlinge öfter straffällig werden als Deutsche – und das auch nach Köln.

 

Pressekodex Im Wortlaut

Ziffer 12 - Diskriminierungen:

Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.

Ziffer 12.1 – Straftaten:

In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.

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Kommentare

Eine Konsequenz einer Lockerung der Ziffer 12 könnte sein, grundsätzlich die Nationalität zu nennen. Also auch bein deutschen Straftätern.
Zitat: "In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht."

Ich finde persönlich die praktische Anwendung der obigen Passage alles andere als einfach. Wenn Sie schreiben:

"Bei einem Asylbewerber, der im Supermarkt einen Becher Joghurt mitgehen lässt, wird die Nationalität nicht genannt, bei Straftaten der russischen Mafia in jedem Fall."

würde ich entgegen: Warum muss die "russische Mafia" explizit genannt werden, wenn es sich letztendlich um große, organisierte Verbrecherbanden bzw. -strukturen handelt, die so im Rahmen verschiedener Kulturen / Ethnien bestehen? Beim "Asylbewerber" dagegen besteht meiner Meinung nach ein begründbarer Sachbezug, denn diese verfügen in der Regel über begrenzte finanzielle Mittel und so wäre das Stehlen von Lebensmitteln "nachvollziehbarer".

Die Gefahr der grundsätzlichen Verallgemeinerung besteht doch - ungeachtet der schwere der jeweiligen Straftaten - in beiden Fällen ("Russen sind mafiös" bzw. "Asylbewerber stehlen Lebensmittel").
Oder geht es bei der entsprechenden Passage des Pressekodex gar nicht so sehr um den begründbaren Sachbezug sondern vor allem um die Qualität der "Minderheit"?
Zählt die Mafia als "Minderheit"?
@ Mikado: Es geht in diesem Fall nicht um die Mafia sondern um "die Russen" als ethnisch-kulturelle Gruppe.
Die "russische Mafia" war nur ein Beispiel, ich hätte genauso gut die "italienische Mafia" schreiben können oder "osteuopäische Autoschieber" oder als schon erlebtes Beispiel eine Massenschlägerei zwischen zwei Roma-Familien können. Dies war damals beim Presserat angezeigt worden, der sah aber den sächlichen Zusammenhang gegeben, weil die Ursache dieses Konflikts ein Streit zwischen den Suppen war. Entscheidend ist also nicht um welche Minderheit es geht, sondern darum ob ein Zusammenhang zwischen Herkunft und (der Art der) Tat besteht.

Und der ist auch bei Ihrem Ladendiebstahlsbeispiel nicht gegeben, weil es natürlich auch Deutsche gibt, die ähnlich wenig Geld haben wie Asylbewerber. Um es ganz platt zu sagen, bei Verstößen gegen das Ausländergesetz nennen wir logischerweise immer die Nationalität der Täter, weil dies in jeder Beziehung mit der Tat zusammenhängt.

Ich gebe zu, diese Regel des Pressekodex ist sperrig und bietet uns auch immer wieder Stoff für interne Diskussionen, aber das hilft nichts: "Ein bisschen Pressekodex" ist ja auch Unsinn.
@ Mikado: Es geht in diesem Fall nicht um die Mafia sondern um "die Russen" als ethnisch-kulturelle Gruppe.
Sorry, aber unter "russische Mafia" kann ich keine ethnisch-kulturelle Gruppe erkennen, sondern eine kriminelle Organisation.
@ Mikado: Würden Sie bitte meine Beiträge korrekt lesen und mir nicht so einen Schwachsinn unterstellen! Nirgends habe ich die "russische Mafia" als ethnisch-kulturelle Gruppe bezeichnet!
Im Kommentar, den Sie zitieren, steht "russische Mafia".
@ Mikado: Bitte auch mit Verstand durchlesen!
In dem besagten Beispiel gilt:
Asylant, der Joghurt klaut --> Asylant = eine ethnische Gruppe bzw. zumindest eine bestimmte Menge an möglichen ethnischen Gruppen & Joghurt klauen = kriminelles Verhalten
russische Mafia --> Russen = ethnische Gruppe & Mafia = Organisation, die kriminelles Verhalten ausübt
Besser jetzt?
Eine Zeitung sollte weder links noch rechts angehaucht sein! Aber da das mitteilungsbedürfnis soooo gros ist muss ja jede Zeitung auch ihren senf dazugeben!!! Mal schauen wie lange es hier dauert.....
Einzelne Zeitungsverlage steigen aus, aus dem Regelwerk.
Sicher gibt es dazu Gründe, sehr gute Gründe...

Einer mag der Druck der vielen Hobbyreporter im Internet sein.

Exemplarisch ein Journalist, der sich beim MDR ausweinte.
Bevor er am Ort des Geschehens ankam, um nach den Richtlinien des „Kodex“ zu berichten, war der Vorgang, samt verpixeltem Täterbild, bereits im Netz.
Natürlich mit genauer Täterbeschreibung und Herkunftsbezeichnung.

Ob der Reporter der sächsischen Zeitung selber nachrecherchiert oder den Hobbyreporterbericht verändert übernommen hat, wurde nicht berichtet.

Letztlich werden pekuniäre Faktoren eine große Rolle spielen.

Wer möchte schon mit fliegenden Fahnen untergehen...
Ich kenne keinen Zeitungsverlag, der "ausgestiegen" sei. Aber wenn Sie mehr wissen, Isidor. Und tatsächlich ist es ein Problem, dass viele Hobbyreporter, wie Sie sie nennen, Gerüchte verbreiten und nicht nach solchen Regeln arbeiten. Aber sollen wir deswegen unsere Grundsätze einfach vergessen?

Oder anders formuliert: Wie viele Leute missachten ein Tempolimit, und trotzdem kämen Polizei und Behörden nicht auf die Idee, alle Limits aufzuheben.

Sehen Sie's doch einfach positiv. Wie sind dadurch, dass wir uns an Regeln halten für Sie viel kalkulierbarer als Informationsmedien, die so etwas nicht tun.
Diese Scheindebatte soll offenbar von den Unzulänglichkeiten großer Teile der Medien ablenken. Herr Braun schreibt über die Frauenhatz von Köln: "Dass dies nicht sofort publiziert wurde, lag an der Polizei, die diese Informationen zurückgehalten hatte." Aha. Die sozialen Netzwerke quellen geradezu über seit der Silvesternacht und die Damen und Herren recherchieren erstmal drei/vier Tage.
Zitat aus dem Pressekodex: Ziffer 2
SORGFALT
Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung
bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach
den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und
wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift
oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte
Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen."
Jeder Journalist hat also, nach den selbst auferlegten Benimmregeln, durchaus das Recht, auch unbestätigte Meldungen zu veröffentlichen. Überlegen wir mal, was geschehen würde, wenn „Rechtsradikale“, von denen ja undifferenziert immer die Rede ist, Flüchtlingsfrauen…?
Spekulieren müssen Journalisten in ihrer Tätigkeit oft, und ich finde das ist nicht verwerflich. Verwerflich ist es allerdings, bei bestimmten Themen die Herkunft außen vor zu lassen und damit die Spekulation erst anzuheizen. Wenn, wie Herr Braun behauptet, Flüchtlinge seltener straffällig werden als die indigene Bevölkerung, dann würde man doch den Minderheitenschutz durch Nennung der Nationalität verwirklichen Wo die Information aufhört, fängt die Spekulation an.
Dass 653 Delikte (Stand: 12.01.16, Quelle WDR) von "ein paar Dutzend volltrunkene, arabische Sexualstraftätern" (Zitat J.Braun) begangen worden sein sollen, widerspricht aller Lebenserfahrung und relativiert das Geschehene nur. Man konnte schlicht und ergreifend nicht mehr als ein paar Dutzend dingfest machen.
Und btw.: Schön zu lesen, dass nun endlich auch sprachlich zwischen (syrischen) Flüchtlingen und dem Rest der Wirtschaftsmigranten unterschieden wird. Wenn nämlich in der Kriminalitätsstatistik die Unterscheidung zwischen einheimischer und Bevölkerung mit Migrationshintergrund gemacht wird, dann kommt (gar nicht so) Erstaunliches heraus.
Entschuldigung, dass wir hier in Bayreuth nicht im Blick haben, was Kölner Facebooknutzer posten und auf die Nachrichtenagenturen angewiesen sind. Im Netz ist nachzuvollziehen, dass die Kölner Lokalmedien ungeachtet des Dementis der Polizei am 1.1. mit den Recherchen begannen und die ersten Berichte brachten. Die Überregionalen stiegen ab Montag, 4.1. ein - und wir demnach auch. Da sind wir abhängig von Agenturen.

Ansonsten mag ich nicht spekulieren. Sorgfalt steht an erster Stelle. Gestern haben wir zum Beispiel eine ausrecherchierte Geschichte nicht gebracht, weil noch die Stimme einer Beteiligten fehlte, von der zwar kein Erkenntnisgewinn zu erwarten war. Aber der Anstand gebot dies, weil sie ja wenigstens wissen musste, dass sie in einem Bericht vorkommt.

Wenn wir ungezügelt "unbestätigte Meldungen" - Sie meinen ja Gerüchte - bringen würden, wären sie nicht so freundlich mit uns. Für uns sind "unbestätigte Meldungen" von mindestens zwei unabhängigen Quellen bestätigt. Nur der/die Betroffene oder Behörde mag sich nicht dazu äußern. Ein Beispiel ist die Verkündung der neuen Regierungspräsidentin. Das ist unbestätigt, das Innenministerium sagt nichts dazu. Spekulieren, so wie Sie das sehen, wollen wir nicht. Es ist nämlich, um in Ihrem Sprachgebrauch zu bleiben, "verwerflich".
Nee, nee, auch Bayreuther Journalisten werden nicht erst aktiv, wenn eine Meldung über Nachrichtenagenturen einläuft. Dass Bayreuther Journalisten keine sozialen Netzwerke lesen würden, beleidigt meine Intelligenz und auch die der hier Lesenden. Was sollte das in punkto Aktualität denn für einen Sinn haben? Und nein, die überregionalen Medien stiegen eben nicht erst am 04.01. ein. FOCUS online beispielsweise berichtete bereits am 01.01.16.
Ich rede, bei der Brisanz des Themas, keinesfalls über Gerüchte, sondern wirklich "unbestätigte Meldungen". Nur um "den Hetzern der Rechten" keine Bestätigung zu geben, wurde routiniert weggeschaut, solange es irgendwie geht.
Jetzt als Begründung den Pressekodex anzuführen ist durchschaubar. Wenn nun die journalistischen Maßstäbe so weit hochgehängt werden, würde ja überhaupt keine Berichterstattung mehr möglich sein. Denn wer über Straftaten berichtet, muss das zwangsläufig immer im Verdachtsstadium tun, da Urteile, wenn überhaupt, erst sehr viel später folgen. Wenn man aber nicht mehr über den Mob berichten darf, bis er verurteilt ist, würde man nie berichten dürfen. Schon gar nicht, wenn es der Polizei wie in Köln nach einer Woche erst gelungen ist, gerade mal zwei mutmaßliche Täter zu identifizieren.
Klingt gut, seit23jahrenkunde, aber das ist einfach Unsinn, was Sie hier schreiben. Natürlich beobachten wir nicht die sozialen Netzwerke Köln betreffend. Und hier war das nun mal kein Thema. Sie mögen uns vorwerfen, dass wir das Thema unterschätzt haben und zu spät einstiegen, nämlich erst dann als unser Dienstleister dpa berichtete. Der Vorwurf des "Wegschauens" ist jedenfalls Quatsch, wir haben seit 4.1. auf allen Kanälen über alles zu dem Thema berichtet, aus allen Perspektiven.
Dass die journalistischen Maßstäbe hoch sind, ist richtig. Das sind sie aber schon seit Jahrzehnten. Und ich finde das richtig. Wir tragen hier Verantwortung für Menschen, und die können aufgrund von Ermittlungsfehlern auch völlig unschuldig sein. Wem das wurscht ist, der halte sich an die Bild-Zeitung. Abgesehen davon, was wollen Sie eigentlich? In Sachen Köln haben wir von Anfang an von "nordafrikanisch" und "arabisch" geschrieben?
Sie, werter Herr Braun, möchten wissen, was ich mit meinem gut klingenden Unsinn hier eigentlich schreiben will? Nun, dass kann ich Ihnen sagen: ich möchte Berichte von Journalisten lesen, die eine rumänische Einbrecherbande als eine rumänische Einbrecherbande bezeichnen und die einen Ehrenmord einen Ehrenmord nennen, auch wenn diese Kategorie im Strafrecht nicht explizit ausgewiesen ist, wie uns Herr Prantl in "Hart aber fair" am Montag belehrte. Ich möchte als mündiger Bürger Medien konsumieren, die darüber berichten, was ist und nicht über das, was sein soll. Ich bin schon alt genug und kein Kind mehr, dem man die Wahrheit nur in leicht bekömmlichen Häppchen verabreichen darf. Ich halte es für ein oberlehrerhaftes Demokratieverständnis, wenn im Pressekodex ausdrücklich davor gewarnt wird, dass die Benennung einer Tatsache „Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte“. Sie sehen dies ähnlich? Dann ändern Sie ihre Benimmregeln aka Pressekodex. Sie können mir nicht zustimmen? Macht auch nichts, der Markt ist groß.
Auf Ihre Empörung gibt es eine ganz einfache, sachliche Antwort: In den genannten Fällen würden wir genau dies schreiben, im Einklang mit dem Pressekodex, denn - wie schon so oft dargestellt - hier gibt es einen Sachbezug zur Herkunftskultur. Aber der letzte Ehrenmord in Bayreuth ist mir nicht erinnerlich und von einer rumänischen Einbrecherbande ist mir auch nichts bekannt.
Ehrenmord und Rumänische Einbrecherbanden waren Beispiele für fehlende Recherche beziehungsweise falsch verstanden politische Korrektheit. Weitere wären osteuropäische Schleuserbanden, libanesische Großfamilien, die ganze Stadtviertel zu No-go-Areas gemacht haben, als georgische Flüchtlinge getarnte Kriminelle, bulgarische Einwanderer, die mittlerweile in Größenordnungen die deutschen Sozialsysteme (Sie wissen schon, wer betrügt, der fliegt! Wo blieb da, nach der medialen Empörung, eine weitere Recherche?) ausnehmen, und weitere, die ich gerne , falls Bedarf, beibringe.
Aber gut, dann nehmen wir mal die Rumänischen Einbrecherbanden: Der Einzugsbereich des Nordbayerischen Kurier umfasst auch die Autobahn A9. Im Umkreis dieser gibt es seit Jahren gehäuft Einbruchsserien. Berichtet der Kurier wirklich unter Nennung der Nationalität darüber? Um vieleicht damit den lesenden Bürger zu informieren und zu sensibilisieren, wenn diese Banden im Vorfeld die Objekte der Begierde ausbaldowern? Sie entgegnen jetzt möglicherweise, dass die Polizei nichts rausrückt? Dann machen sie Druck mit Argumenten.
Witzig, wie so manche sich ohne Unterlass über unsere Provinzzeitung echauffieren. Und sie ständig trotzdem lesen. Das ist doch nicht gesund und nur mäßig schlau, denn wer geht den jeden Tag in ein Restaurant, dass er nicht mag und bestellt täglich das gleiche Gericht, dass er nicht verträgt? Eben ;-)

Die NK-Stilblüten sind doch manchmal zum Schmunzeln und der Kurier ist halt nicht die FAZ oder SZ. Zum Glück aber auch kein Kampfblatt der selbsternannten Retter des Abendlandes.
Schön zu wissen, werter Exilbayreuther, sie zum Lachen bringen zu können, machen Sie mir doch sonst eher den Eindruck etwas verkniffen zu sein. Sie meinen, den Kurier zu lesen, sei ungesund und nur mäßig schlau? In meinem Fall falsch, und das aus zwei Gründen:
1. Mein Arzt bemängelt seit Langem meinen zu geringen Blutdruck, und
2. Weil ich es mir leisten kann und will.
Nein, mal ganz ironiefrei: Natürlich ist der NBK nicht, wie bei " manchen", mein einziges Informationsmedium. Sondern eines von vielen. Wer nämlich mehrdimensional argumentieren möchte, sollte sich nicht eindimensional informieren. Provinzzeitung? Für viele, die ich kenne, der erste Informationsübermittler des Tages, nach dem Bad-Radio. Und versehen mit einem großen überregionalen Teil, den sogar eigene Korrespondenten füttern.
Ich möchte einmal das Thema von einer ganz anderen Seite her beleuchten.
Meiner Meinung nach haben viele Deutsche immer noch oder wieder Angst vor Fremdheit oder Fremden. Das ist meine persönliche Wahrnehmung, die sicher nicht verallgemeinert werden darf. Vielleicht lassen sich so die übertriebenen Reaktionen in Deutschland zur Flüchtlingsproblematik erklären.
Es gibt aber auch deutsche Bürger, die sich für diese übertriebenen Reaktionen gegen Ausländer oder Minderheiten schämen. Könnte dies nicht auch ein Grund sein, warum diese Menschen sehr zurückhaltend bei Ausländerfeindlichkeit umgehen und unser Land in ein besseres Licht rücken wollen?
Wer einmal die breite Gastfreundschaft in anderen Ländern, wie die Türkei oder den USA erlebte, der weiß, wovon ich schreibe.
Xenophobie ist m.E. kein speziell deutsches Problem, sondern eine Erscheinung, die immer dort am stärksten auftritt, wenn im Kampf um Arbeitsplätze, Wohnungen oder Sozialleistungen neue Mitkonkurrenten auftauchen.
Sogenannte Gäste kommen, meist eingeladen, aber auch mal ungebeten. Manch einer bringt ein Gastgeschenk mit, andere fordern mehr als nur die Versorgung mit dem Nötigsten. Manchmal ist der Gast wohlhabender als der Gastgeber, oft auch umgekehrt. Das Geben und Nehmen ist wohl recht entscheidend für den Grad der Gastfreundschaft. Es gilt auch oft: gleich und gleich gesellt sich gern.
Der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung beträgt in den USA übrigens gerade einmal 0,9%.
Ich glaube, dass viele Deutsche, die für längere Zeit im Ausland lebten, erfahren bei ihrer Heimkehr einen Kulturschock. Unfreundlichkeit, Desinteresse für den Mitmenschen, kaum spontane Hilfsbereitschaft sind bei uns weit verbreitet. Wenn jetzt noch Menschen aus Afrika oder dem nahen Osten kommen, wie schlimm muss dann für sie diese menschliche Kälte sein.
Allerdings spreche ich nicht für diejenigen, die schnell die Unkultur von Besäufnissen und Gruppenjagd auf junge Mädchen praktizieren, da sie kaum mit polizeilicher und gerichtlicher Verfolgung rechnen müssen.
Hääh??? Ich habe bisher nur von der überwältigenden Willkommenskultur, von spontaner Hilfsbereitschaft einer Mehrheit der Deutschen lesen und hören dürfen. In welchen Kreisen verkehren Sie denn, wenn das oben geschriebene Ihre Wahrnehmung ist?
Das ist alles auch Irgendwie nicht das Thema.
Natürlich Presse Kodex und so weiter, das ist ja aber auch kein Problem.
Von einer sorfältigen Berichterstattung erwartet man aber nunmal, das wirklich ALLES was es an Informationen gibt nachzulesen ist.
Wenn man Informationen die fehlen dann aus anderer Richtung erhält zB. aus irgendwelchen, aus dem Nichts auftauchenden Online-Portalen.
(Auch wenn sie den Beigeschmack haben, nur Online geschaltet zu werden um noch mehr Misstrauen zu schüren)
Dann fühlt sich dies zwangsläufig so an als wird etwas verheimlicht.
Jeder weiss auch dass die richtigen syrischen Kriegsflüchtlinge nicht das Problem darstellen.
Als Bürger mit Migrationshintergrund und der Familie im Ausland,
(Mein Vater war 1982 selbst Asylsuchend)
muss ich in diesem Zusammenhang allerdings eines sagen.
Jeder Vorfall der verschwiegen oder nur Teilweise publiziert wird.
Ist ein Schlag ins Gesicht für jeden in die Gesellschaft integrierten Migranten,
für jeden Asylsuchenden der Dankbarkeit zeigt und wirklich alles von ihm verlangte
machen würde nur um hierzubleiben. Wozu noch Anstrengen wenn sowieso nicht wichtig
ist wie man sich hier verhält.
Transparenz ist wichtig und beugt auch gezielten Falschinformationen vor.