Keine Angst vor hohen Häusern

Rasend schnell hatte sich das Feuer am 14. Juni, ausgelöst durch einen defekten Kühlschrank, durch die 24 Stockwerke des Londoner Grenfell-Towers gefressen. Brandschutz-Experten in Deutschland wie der leitende Branddirektor der Frankfurter Feuerwehr, Reinhard Ries, sagen einem Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa) zufolge: "Wir können nur hoffen, dass der Warnschuss aus London endlich ernst genommen wird." Laut Ries müsse die Forderung lauten: Das Erdgeschoss von höheren Häusern müsse "so verkleidet sein, dass es nicht brennbar ausgestaltet ist". Zwischen jedem Stockwerk müssten Brandriegel eingebaut werden. Und: Sowohl der Deutsche Feuerwehrverband als auch der Eigentümerverband Haus und Grund warnten laut dpa nachdrücklich davor, Polystyrolschaum als Dämmmaterial zu verwenden.

"Kann eigentlich nicht passieren"

Markus-Patrick Keil, Vorstand der Gemeinnützigen Bayreuther Wohnungsbaugenossenschaft (GBW), ist sich auf Nachfrage unserer Zeitung am Donnerstag sicher: "So etwas wie in London kann eigentlich bei uns nicht passieren." Der Grund: Bei entsprechenden Sanierungen im Bestand werde an den Fassaden zwischen den Stockwerken ein Brandriegel eingebaut. "Wenn das ordentlich gemacht ist, kann da nichts passieren."

Schluderei schwer möglich, Bauordnungsamt schaut genau hin

Auch bei Hochhäusern, von denen die GBW unter anderem in der Leibnizstraße und in der Robert-Koch-Straße mehrere betreut und auch saniert hat, sei Schluderei beim Brandschutz schwer möglich: "Häuser mit mehr als 22 Metern Höhe gelten als Sonderbauten. Sobald man da saniert, ist der Bestandsschutz weg, man muss eine Baugenehmigung beantragen." Das Bauordnungsamt in Bayreuth als "Genehmigungsbehörde achtet sehr genau auf die Einhaltung der Vorgaben. Ein Hochhaus ohne Feuerwehraufzug geht zum Beispiel gar nicht", sagt Keil. Vor einer Sanierung müsse auch ein Brandschutzgutachter eingeschaltet werden, was ebenfalls von der Stadt überprüft werde.

Polystyrol: Architekt müsste sein Veto einlegen

Auch was die Verwendung von Polystyrol betrifft, wäre spätestens beim Architekten Schluss: "Wenn ein Bauherr so etwas fordert, müsste der Architekt eine Bedenkenanzeige machen. Ich glaube nicht, dass ein Architekt den Auftrag übernehmen würde, wenn der Bauherr auf seiner Forderung beharrt", sagt Keil.

Y-Haus: Brandmelder sind installiert

An einem der größten Hochhäuser Bayreuths, dem Y-Haus, sei "Brandschutz immer ein Thema", sagt ein Vertreter der Hausverwaltung, der P&S Immobilien-Partner GmbH, auf Nachfrage. Das Y-Haus habe vergleichsweise wenig Mauerfläche, sei "gedämmt wie es für ein Haus aus den 70er Jahren üblich war": Mit relativ wenig, aber unbrennbarem Dämmstoff hinter Fassadenplatten. Die 380 Wohnungen in dem Komplex seien in diesem Jahr einheitlich mit Rauchwarnmeldern ausgestattet worden.

Feuerwehr kommt überall hin

Einen wichtigen Punkt schneidet Uwe Prokscha, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Bayreuth, Gewog, an: "Selbst unser höchstes Haus ist von der Feuerwehr erreichbar. Dort kann auch angeleitert werden." Auch bei älteren Wohnanlagen, bei denen zur Zeit der Erbauung noch nicht an Feuerwehrzufahrten gedacht worden war, habe man entsprechende Feuerwehrzufahrten geschaffen. "Wir stehen bei der Ausrüstung aller Wohnungen mit Rauchwarnmeldern kurz vor dem Abschluss", sagt Prokscha. Es sei selbstverständlich, dass Brandriegel in Fassaden eingebaut würden, wenn nach Vorgabe gedämmt werden müsse.

Fachfirmen ran lassen, dann sinkt die Gefahr

Vor der Verwendung von Polystyrol als Dämmstoff warnt auch Andreas Franz, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Bauinnung Bayreuth. Nicht nur, weil das Material brennbar sei, sondern "weil es im Brandfall giftig ist. Andere Materialen sind da nicht so heikel", sagt Franz. Wenn die Vorgaben der bayerischen Bauordnung und die Regeln der Technik befolgt würden, müsste "insbesondere im mehrgeschossigen Wohnungsbau" die Sicherheit gewährleistet sein. Was in der Vergangenheit "eine Frage der Qualität der Ausführung" gewesen sei, werde durch entsprechende neue Normen in Zukunft anders geregelt: Die Lieferanten seien stärker in der Pflicht, Nachweise hinsichtlich der Brandschutzqualifikation des Materials zu liefern. Generell, sagt Franz, könne man "nur dringend empfehlen, Fachbetriebe mit den entsprechenden Brandschutznachweisen zu nehmen", wenn man sein Haus dämmen wolle.

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Kommentare

Dem Feuer ist der Brandriegel von 30-50 cm absolut egal, es springt einfach drüber !
Als ob an einer senkrechten Fassade das ein genügender Schutz für ein Feuer wäre, absoluter Nonsens.
Die Leute sind hier falschen Versprechen auf den Leim gegangen und haben sich brandgefährliche Materialien an die Fasade geklebt, nur weil die Styroporlobby hier unsere Politiker eingelullt hat. Da wurde ein Gesetz gemacht und Fördergelder bereit gestellt damit das dumme Volk den Dreck kauft und sich an die Häuser pappt.
Wieder ein Paradebeispiel hervorragender Lobbyarbeit.
Verdiener und Gewinner waren die Styroporhersteller und die Firmen die das Zeug angebracht haben.
Zahler und damit Verlierer sind die Hausbesitzer, Mieter durch Mietsteigerungen und das gesammte Volk durch die Verschwendung von Steuergeldern.
WebTh bringt es genau auf den Punkt.
Selbst die Bauinnung meint: "Nicht nur, weil das Material (Polystyrol) brennbar sei, sondern "weil es im Brandfall giftig ist.""
Die Bundesregierung fördert solche Baumaßnahmen mit Materialien, die brandgefährlich und beim Abbrand giftig sind. Nach meinen Beobachtungen wird weit mehr als die Hälfte der Häuser mit Styropor, also Polystyrol gedämmt. Wie kann jemand, der gerade sein Haus mit diesem Material teuer gedämmt hat, noch ruhig schlafen?
Wer übernimmt jetzt die Verantwortung für diese Situation?
Es genügt nämlich nicht, wenn sich Feuerwehrleute beim Löschen mit Atemschutzmasken absichern, man muss auch an die Bewohner des Hauses denken.
Montag, 13. November 2017 - 11:06