Kein Rock 'n' Roll mehr im Kirchturm

Rock 'n' Roll im Kirchturm? Nein, die laute, schnelle Musik der 1950er Jahre wurde natürlich nicht gemacht im altehrwürdigen Warmensteinacher Kirchturm. Aber Rock 'n' Roll im wörtlichen Sinne (englisch: stoßen und schaukeln) fand sehr wohl im Kirchturm statt: Das Läuten der Glocken mit seinem ruckhaften Start und den Schwingungen setzte immer mehr dem Glockenstuhl zu, der überdies von Feuchtigkeit und Fäulnis befallen waren. Und auch das Mauerwerk litt zunehmend unter der ungünstigen Ableitung der Kräfte beim Läuten der drei Glocken.

Das ist neben anderem geplant, von oben nach unten: Die Turmzier kommt herunter. Noch nicht entschieden ist, ob sie auch geöffnet wird, denn die letzte Befüllung fand erst 1998 statt. Üblicherweise werden einige Geldmünzen, eine Tageszeitung und Dinge wie ein Kirchenführer in der Kugel auf der Kirchturmspitze für die Nachwelt deponiert.

Naturschiefer wir ersetzt

Das Naturschieferdach, das wahrscheinlich aus den frühen 1960er Jahren stammt, wird ersetzt - durch Natur-, keinen Kunstschiefer. Die beiden Sandsteingesimse bekommen eine Blechabdeckung und eine Regenrinne, mit dem Segen des Denkmalschutzes. Das Mauerwerk wird teilweise neu verputzt und neu gestrichen.

Im Innern werden schadhafte Holzteile ersetzt. Das Mauerwerk oben wird mit Ankern stabilisiert. Neue Schallläden in den Fensteröffnungen auf Höhe des Glockenstuhls werden für eine Änderung der Wahrnehmung des Glockenläutens sorgen. Die Lamellen der aktuellen Läden haben etwa 45 Grad Neigung. Das heißt, das Läuten war in der unmittelbaren Umgebung der Kirche laut, der Klang trug aber nicht weit. Die neuen Lamellen haben etwa zehn Grad Neigung: Das Glockenläuten ist dann weiter weg zu hören, in der Nachbarschaft der Kirche wird es dafür leiser. Um die bisherigen Stoß- und Schaukelbewegungen beim Glockenläuten abzumildern, bekommen zwei der drei Glocken einen neuen Antrieb und die dritte eine neue Steuerung. Für die Arbeiten wurden am Mittwoch die kleine und die mittlere Glocke - 215 und 350 Kilo schwer - mit einem Kran aus dem Turm gehoben.

Ruhe für die nächsten 50 Jahre

Ziel der umfassenden Maßnahme ist, dass dann am Kirchturm in bautechnischer Hinsicht für rund 50 Jahre Ruhe ist. Wenn das Wetter mitmacht, können alle Arbeiten bis Ende des Jahres beendet werden.

Von den Gesamtkosten von 440.000 Euro trägt der Freistaat drei Viertel der Kosten. Der Grund dafür reicht zurück in die Markgrafenzeit, genauer ins Jahr 1594. Karl-Heinz Jantke, Pprojektleiter beim Staatlichen Bauamt Bayreuth erläutert: "Damals haben sich die Markgrafen an kirchlichem Eigentum bedient." Als Ausgleich mussten sie auf Drängen der Kirche die Zuständigkeit für den Bauerhalt übernehmen. Dies gilt bis heute, und da der Freistaat Bayern Rechtsnachfolger der Markgrafen ist, trägt er in der Regel einen großen Teil der Renovierungskosten für evangelische Kirchen. Ausgenommen sind Dinge wie zum Beispiel die Elektroinstallation. Elektrischen Strom gab es zu Markgrafens Zeiten noch nicht.

Die Kirche muss 95.000 Euro tragen, etwa 65.000 Euro davon muss die Kirchengemeinde in Warmensteinach übernehmen. Pfarrerin Christine Schlör ist zuersichtlich, dass das geschultert werden kannn. Erste Spenden seien schon eingegangen. Und sie hat noch einige Ideen in der Hinterhand. So sollen aus den alten Naturschieferplatten Bausteine für die Sanierung werden, die gegen eine Spende erworben werden können.

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