Kein Geld für geschundene Katzen

Karin Stanzel ist ehrenamtliche Mitarbeiterin im Bayreuther Tierheim. Sie hat Fotos gemacht von kranken und geschundenen Katzen, die im vergangenen Jahr im Tierheim strandeten. Katzen mit Geschwüren, Katzen mit blutenden Wunden an Kopf und Körper. Über die Hälfte der Fundkatzen sind krank, sagt sie. Insgesamt kamen 2015 140 Katzen aus dem Landkreis und 92 aus der Stadt ins Tierheim. Schon eine gesunde Katze zu pflegen, kostet im Schnitt mehr als 450 Euro. „Bei den kranken Tieren liegt der Betrag um ein Vielfaches höher.“

Die Lösung ist ganz einfach, aber sie kostet Geld

Die Lösung, sagt Stanzel, wäre einfach: Streunerkatzen kennzeichnen und kastrieren. Damit würde die Zahl der freilaufenden Katzen sinken, weniger Tiere würden krank, weniger Tiere kämen in den Tierheimen an. Das würde Tierleid verhindern und Tierschutzvereinen helfen. Aber: Kennzeichnen und kastrieren kostet Geld.

Das muss der Freistaat Bayern aufbringen, sagt die tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Susann Biedefeld. „Wir haben in den vergangenen Jahren x-mal entsprechende Anträge gestellt.“ Zuletzt scheiterte im April eine Petition, die an den Bayerischen Landtag gerichtet wat. Nicht weil die Opposition im bayerischen Parlament dagegen gewesen wäre. Biedefeld: „Mit der CSU herrscht beim Tierschutz kompletter Stillstand.“ Die CSU wälze die Verantwortung für freilaufende Tiere auf die Kommunen ab. Denn Fundtiere gelten offiziell als Fundsachen. Und für die sind die Kommunen zuständig.

Erstmals weniger Streuner in Bayreuth

Was passiert, wenn eine Kennzeichungs- und Kastrationsaktion zustande kommt, lässt sich in Bayreuth nachvollziehen, sagt Karin Stanzel. Die Stadt hat dafür Geld gegeben - und die Zahl der Fundkatzen sank im vergangenen Jahr um zehn Prozent. Zum ersten Mal in den vergangenen zehn Jahren. Der Landkreis beteiligte sich nicht, „und die Zahl ist geradezu explodiert“.

Biedefeld und ihr Bayreuther Fraktionskollege Christoph Rabenstein bereiten jetzt die nächste Initiative vor. „Auch wenn wir belächelt werden. Auch wenn uns die CSU-Kollegen fragen, ob dieses Land nicht andere und größere Probleme hat.“ Im Herbst stehen die Beratungen des nächsten Doppelhaushaltes für den Freistaat an. Dann wollen sie wieder einen Antrag stellen, um Geld für das Katzenproblem zu bekommen. Alle anderen Bundesländer, sagen Biedefeld und Stanzel, sind längst weiter. Auch die nicht auf Rosen gebetteten Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Saarland tun dies. Nur Bayern nicht. Biedefeld zweiter Ansatz: Sie will die Finanzen der Tierschutzvereine in Bayern stärken. „Jedes dritte Tierheim steht vor der Pleite“, sagt die SPD-Politikerin. „Hat sich schon mal jemand Gedanken gemacht, was passiert, wenn das Realität wird?“ Dann müssten die Kommunen einspringen, Tierschutz ist eine Pflichtaufgabe.

Jedes dritte Tierheim steht vor der Pleite

Biedefeld will weg von der Unterstützung, die Kommunen Tierheimen derzeit zahlen und die auf einer unverbindlichen Empfehlung des bayerischen Innenministeriums beruht. Pauschal sollen die Städte und Gemeinden den Aufwand für Fundtiere abgelten, so die Empfehlung. Die Folge: „Viele Kommunen zahlen gar nichts. Andere zahlen zu wenig. Und nur ein einziger Tierschutzverein in Bayern bekommt von seiner Kommune eine Pauschale von einem Euro pro Einwohner und Jahr.“ Kostendeckend könne also so gut wie kein Tierschutzverein arbeiten. Biedefeld will eine bayernweit einheitliche und auskömmliche Unterstützung, nach Richtwerten des Tierschutzbundes Bayern.

Der Landkreis unterstützt den Tierschutzverein nach dessen Angaben mit zehn Cent pro Einwohner und Jahr. Die Stadt Bayreuth überweist mit dem Tierheim eine Jahrespauschale von 23 200 Euro.

 

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