Katja Ulbrich peilt zehnten Sieg an

Ihre aktuell gute Verfassung unterstrich die 28-Jährige vor kurzem mit dem zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften im Halbmarathon. Unser Mitarbeiter Reinhard Löwisch sprach mit der Bayreuther Sportlerin des Jahres von 2015.

Glauben Sie, dass Sie am Sonntag auf der gesperrten Bundesstraße 470 durch die Fränkische Schweiz gegen Ihre große Mitkonkurrentin, die mehrfache Weltmeisterin und letztjährige FSM-Siegerin Sabine Berg aus Gera, eine Chance haben?

Katja Ulbrich: Ja, Sabine ist wirklich eine starke Konkurrenz für mich. Aber da ich sie dieses Jahr schon zwei Mal – unter anderem bei der DM im Halbmarathon – besiegen konnte, sehe ich auch für den Fränkische-Schweiz-Marathon gute Chancen für mich.

Wenn man die Teilnehmerzahlen der Profi-Speedskater beim Fränkische-Schweiz-Marathon betrachtet, stellt man einen Rückgang (aktuell von 101 auf 74) fest. Ist Speedskaten noch ein Profi-Trendsport oder gibt es andere Gründe für die geringere Beteiligung im Vergleich zu den Vorjahren?

Ulbrich: Leider geht die Teilnehmerzahl an den Speedskating-Rennen seit Jahren sowohl im Breitensport als auch im Profisportbereich zurück. Vor zehn Jahren und früher war Inlineskating eine Trendsportart, die viele Leute ausüben wollten. Diese Trendsportwelle ist jetzt leider vorbei. Nun liegt es vor allem an den Vereinen, gute Jugendarbeit zu machen, um Teilnehmer für die Rennen zu schaffen.

Wie könnte man das Speedskaten attraktiver machen, um neue Anhänger zu gewinnen?

Ulbrich: Ich finde, dass Speedskating an sich schon eine sehr attraktive Sportart ist, da sie Kraft, Ausdauer und Taktik verbindet. Leider besitzt sie eine sehr geringe Medienpräsenz – somit werden viel zu wenig Menschen auf diese Sportart aufmerksam. Die Welt- und Europameister im Speedskating kennt leider kaum jemand, obwohl sie sicherlich keine „schlechteren“ Sportler sind als Welt- und Europameister bekannterer Sportarten, wie zum Beispiel im Eisschnelllauf. Ich denke, dass viele Leute gar nicht wissen, dass es Speedskating gibt. Wer es kennt, dürfte es wohl auch sehr interessant finden.

Sollte Speedskaten eine olympische Disziplin werden? Könnte das den Trend beleben?

Ulbrich: Meiner Meinung nach sollte Speedskating schon lange eine olympische Disziplin sein. Diese Sportart bietet spannende Rennen vom Sprint bis zur Langstrecke, die auch für Zuschauer sehr interessant sind. Es gibt zum Beispiel Punkte- und Ausscheidungsrennen wie im Bahnradsport. Für eine olympische Sportart stehen zudem mehr Fördergelder zur Verfügung als für eine nichtolympische. Der Sprung zu Olympia würde die Sportart sicher bekannter machen, mehr Menschen in die Vereine locken und somit natürlich auch zu Wettkämpfen.

Man hört immer wieder, dass selbst Profispeedskater ihren Sport selbst finanzieren müssen. Gibt es keine Sponsoren, wie bei anderen Sportarten, die das Speedskaten fördern?

Ulbrich: Ja, als Speedskater kann man meistens leider nicht von seiner Sportart leben, sondern muss – je nach Leistung – sogar noch Startgelder oder Fahrtkosten selbst bezahlen. Es gibt schon Sponsoren im Speedskating. Die meisten kommen aus der Sportart selbst und stellen Rollen- und/oder Speedskates her, wie etwa die Firma Powerslide aus Bindlach bei Bayreuth. Es gibt aber sehr wenige externe Sponsoren. Eine höhere Medienpräsenz könnte hierzulande mehr Sponsoren anlocken. In anderen Ländern sieht es anders aus. In Kolumbien beispielsweise sind gute Speedskater richtige Stars und können auch von ihrem Sport leben.

Nicht bewertet

Anzeige