Katharina Wagner braucht für ihren "Tristan" eine neue Isolde

Dass die Bayreuther Festspiele 2015 mit einer "Tristan"-Inszenierung Katharina Wagners beginnen: das hatte noch der 2010 verstorbene Festspielleiter Wolfgang Wagner bestimmt. Neben den Titelpartien sind noch zwei weitere Namen aus der Besetzungsliste bekannt: Georg Zeppenfeld ist als König Marke engagiert, Ian Paterson gibt sein Bayreuth-Debüt als Kurwenal.

Für Eva-Maria Westbroek wäre die Bühne des Festspielhauses kein unbekanntes Terrain: Sie debütierte 2008 als Sieglinde im "Ring des Nibelungen", am Pult saß Christian Thielemann, der auch Musikalischer Leiter von Katharina Wagners "Tristan" ist. Ihr Debüt als Isolde gab sie im Herbst 2013 an der Sächsischen Staatsoper in Dresden, deren Orchester Thielemann als Chef der Sächsischen Staatskapelle vorsteht. Kurz war sie im Festspielhaus auch schon als Isolde zu hören: Beim Konzert zum 200. Geburtstag Richard Wagners, geleitet von Christian Thielemann, sang Westbroek den "Liebestod" aus dem dritten Aufzug.

Wie der Kurier erfuhr, sagte Westbroek ihr Mitwirkung nach Ende der Festspiele 2014 ab. Der Grund für Westbroeks Absage ist nicht bekannt.

Das Pressebüro der Festspiele wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren, das Management von Eva-Maria Westbroek war bislang nicht zu erreichen. Zum Zeitpunkt der Absage liefen bereits die musikalische Arbeit an der Partie sowie die Vorbereitungen für Kostüm und Maske. Die szenischen Proben beginnen im Frühjahr.

Und noch etwas anderes läuft bereits: der Kartenverkauf für die Festspielsaison 2015. Die Kartenbesteller, die Tickets für "Tristan" mit Stephen Gould und Eva-Maria Westbroek geordert haben und gerade auf Kartenpost aus Bayreuth hoffen, ahnen von der zentralen Umbesetzung nichts: Auf der Homepage der Festspiele ist die "Tristan"-Besetzung noch nicht veröffentlicht. Allerdings: Umbesetzungen können bei den Festspielen - nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen - ständig vorkommen, darum schließen die Festspiele in diesem Bezug jegliche Haftung für Kartenbestellungen aus.

Als Isolde ist nun die Sopranistin Anja Kampe im Gespräch. Kampe sang die Partie gleichfalls bisher nur einmal: bei der Ruhrtriennale 2011, zusammen mit Christian Franz als Tristan. Der Dirigent der Produktion: Kirill Petrenko. Wie zu erfahren war, will Kampe neben der Isolde auch ihre Rolle als Sieglinde im "Ring" behalten. Das Management von Anja Kampe lehnte auf Nachfrage ab, dazu Stellung zu nehmen, und verwies auf das Bayreuther Pressebüro.

Westbroeks plötzliche Absage ist nicht die erste Personalie, die seit Ende der Festspiele 2014 für Schlagzeilen sorgt: Im November hatten Festspielleiterin Katharina Wagner und Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense den Vertrag mit Jonathan Meese aufgelöst, der 2016 "Parsifal" inszenieren sollte. Eine Woche später wurde mit Uwe Eric Laufenberg ein Nachfolger für Meese gefunden.

Anfang Dezember hatte der designierte technische Direktor der Festspiele, Andreas von Graffenried, überraschend dem Grünen Hügel den Rücken gekehrt.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06