Karl und die Schokoladenfabrik

Wer in die Bayreuther Schokofabrik will, braucht kein goldenes Ticket. Auch der Rundgang gestaltet sich weit weniger spektakulär als bei Willy Wonka. Eine Industriebrache eben. Und doch hat das Gebäude eine gewisse Magie. Zumindest ist es beeindruckend, was der Trägerverein um Weintritt mithilfe der Stadt und vor allem mithilfe der Jugendlichen in den vergangenen Jahren daraus gemacht hat. Im Herbst 2016 ging es einen weiteren Schritt nach vorne. Nachdem der Verein Partner des vom Bundesfamilienministerium gestarteten Programms "Demokratie leben!" geworden war, erhielt er einen neuen hauptamtlichen Mitarbeiter: Karl Schöne.

Mischaung aus Geschäftsführer und Hausmeister

Der 29-Jährige hat in Bayreuth Geschichte und Englisch auf Lehramt für Realschule studiert, im Anschluss aber auf das Referendariat verzichtet. Kaum Jobs und häufiges Umziehen waren zwei der Gründe dafür. Beim Schoko-Verein fand er einen Beruf, bei dem er sein pädagogisches Wissen einbringen und in Bayreuth bleiben konnte. "Im Grunde bin ich hier Mädchen für alles - eine Mischung aus Jugendarbeiter, Geschäftsführer und Hausmeister", sagt Schöne.

Bei einem Rundgang im Gebäude präsentiert er stolz die Errungenschaften der vergangenen Jahre - warmes Wasser zum Beispiel, eine Beleuchtung in der "Lounge" und ordentliche Sanitäranlagen. Gemeinsam mit Celine Kabella, die gerade ihren Bundesfreiwilligendienst leistet, und Freiwilligen des Jugendforums hat Schöne unter anderem den Eingangsbereich in Schuss gebracht.

Wilde Partys zwischen Müll

Die Schokofabrik wächst stetig. "Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, da war alles von oben bis unten vermüllt. Und zwischen den Müllbergen haben die Leute wilde Partys gefeiert", sagt Weintritt. Die Stadt kaufte schließlich das Gebäude und half finanziell beim Ausbau des Erdgeschosses. Den größten Raum nimmt die Skatehalle ein, deren Rampen und Hindernisse die Jugendlichen selbst gebaut haben. "Es ist die einzige derartige Anlage, die von Vereinsmitgliedern in Eigenregie gebaut und vom TÜV abgenommen wurde", sagt Weintritt.

Doch der Skatepark ist nicht alles, was die Schoko zu bieten hat. Nach und nach sind verschiedene Workshops hinzugekommen. Jugendliche lernen, wie man Graffitis sprüht, Theater spielt oder tanzt. Außerdem gibt es Konzerte, Infoabende und mehr. Ein riesiges organisatorisches Pensum, das die Mitarbeiter zu bewältigen haben. "Die Arbeit reicht locker für drei bis vier Vollzeitstellen", sagt Schöne. Bezahlt seien ungefähr zwei, alles andere müssten Ehrenamtliche erledigen. Obwohl viele jugendliche Schoko-Besucher mit anpacken, ist laut Schöne alles auf Kante genäht.

Finanzierung ist in Gefahr

Der Zuschuss der Stadt Bayreuth decke etwa 15 Prozent der laufenden Kosten, den Rest finanziere aktuell weitgehend das Programm "Demokratie leben". Dessen Laufzeit sei jedoch begrenzt. "Da es noch keine neue Regierung gibt, gibt es auch noch keinen Haushalt für kommendes Jahr. Das bedeutet, dass unsere Finanzierung im Sommer auslaufen könnte", erklärt Schöne.

Ziel des Vereins ist es deshalb, etwas unabhängiger von der Förderung durch den Bund zu werden. Die Stadt soll ihren Anteil daher erhöhen - einen entsprechenden Antrag haben die Schoko-Verantwortlichen bereits an den Stadtrat gestellt. "Wir würden die Schoko gerne weiterentwickeln und haben gute Ideen - aber wir brauchen eben die entsprechenden Mittel", sagt Weintritt.

Ein Blick in die Zukunft

Beim Rundgang trifft man auf ein abgezäuntes und gesperrtes Treppenhaus. Wohin es wohl führt? "Wenn man nach oben geht, kann man einen Blick in die Zukunft werfen", sagt Schöne. Derzeit hat die Stadt den ersten Stock der Schokofabrik allerdings gesperrt - er ist baufällig. Wenn es nach Schöne und Weinritt geht, sollen dort Proberäume entstehen, ein Tanzraum, eine Teeküche, eine Kreativecke und mehr.

Ihr Konzept wurde bereits genehmigt, "doch das heißt nicht, dass hier morgen schon die Bagger rollen", sagt Schöne. Trotzdem hoffen er und Weintritt, dass die Förderung für die kommenden Jahre bald steht. Damit die Verwandlung der Schokofabrik in ein Kultur- und Sportzentrum für Jugendliche weitergehen kann.

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