Kaninchen: Chinaseuche auf dem Vormarsch

Die vier Kaninchen lebten viele Jahre lang in einem großen Gehege im Garten von Shelby O’Toole. Sie konnten in Laubhaufen wühlen, durch das Gehege tollen und im Sand graben. O’Toole vergangenes Jahr umzog, mussten die Kaninchen ihr Außengehege gegen ein Gehege in einer Wohnung eintauschen. „Viele sagen, dass Kaninchen, die drinnen leben, RHD2 nicht bekommen können“, sagt sie. Doch ihre drei toten Kaninchen zeigen, dass das nicht stimmt.

Drei Tote innerhalb 24 Stunden

Denn als die 21-jährige Shelby O’Toole Sonntagnacht um elf Uhr ihre Kaninchen füttern wollte, lag Nigel tot in dem Käfig. Wenige Stunden später – am Montagmorgen gegen neun Uhr – verstarb Lorenzo. Die zweijährige Praecious wurde am Montagnachmittag gegen 17 Uhr in der Tierklinik Eckersdorf eingeschläfert. Wenige Stunden zuvor „haben alle noch gefressen, sind rumgesprungen“, sagt O’Toole.

Keine Symptome erkennbar

Auch den toten Kaninchen ist die Krankheit äußerlich nicht anzusehen – sie sehen aus, als schliefen sie. Priscilla liegt in der Tierklinik Eckersdorf. O’Toole hofft, dass sie die Nacht überlebt. „Ich habe einfach nicht gemerkt, dass etwas nicht stimmt“, sagt die 21-Jährige. Sie kämpft mit den Tränen. Die kranken Kaninchen zeigen für gewöhnlich Symptome wie Apathie und Fressunlust, Atemwegserkrankungen und Blutungsneigungen. Doch im Fall der Kaninchen von O’Toole war der Tod das erste Symptom.

Übertragen durch Fliegen und Staub

Übertragen wird der Virus über Personen, Gegenstände, Grünfutter, Fliegen und Aasfresser und kann auch ohne Wirt über dreieinhalb Monate überleben. O’Tooles Kaninchen lebten seit einigen Monaten mit in ihrer Wohnung, deshalb haben sie sich ihrer Meinung nach durch Fliegen angesteckt. „Der Virus kann sogar durch Staub übertragen werden“, sagt sie. Wenn die Krankheit komme, könne man nichts mehr dagegen tun. Selbst eine Impfung biete keinen „100-prozentigen Schutz“. Zur Entstehung des Virus hat O’Toole eine Theorie: „RHD2 wurde in Australien konzipiert und freigesetzt, um Hasen und Kaninchen auszurotten, die dort großen Schaden anrichten.“

Nur eine Impfung schützt

Durch Reisen verbreite sich der Virus weltweit. Anders sieht das Iris Fuchs, Fachbereichsleiterin des Veterinäramtes: „RHD2 ist erstmals in China ausgebrochen, weshalb sie auch Chinaseuche genannt wird.“ Von dort aus hat sich die Krankheit auf Europa, Korea, Marokko, Kuba, Australien und Neuseeland verbreitet. 2010 sei erstmals eine mutierte Version der hämorrhagische Krankheit der Kaninchen aufgetreten RHD2. Einen wirksamen Schutz vor der Krankheit bietet nach Auskunft der Fachbereichsleiterin nur eine Impfung.

Gefährlich auch für Wildkaninchen

Diese wird nun auch von der Tierklinik Eckersdorf angeboten. „Da durch RHD2 auch Jungtiere erkranken, ist es wichtig, sie so früh wie möglich zu impfen.“ Übertragen wird die Krankheit durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren. Aber auch durch die Übertragung durch Personen, Futter, Gerätschaften, Transportkäfige, Insekten oder indirekte Kontakte auf Ausstellungen. Eine wichtige Rolle würde auch der Kontakt zu Wildkaninchen spielen und Grünfutter, das „mit Ausscheidungen infizierter Wildkaninchen verunreinigt ist.“ Sollte Priscilla überleben, muss sie sieben Monate lang in Quarantäne leben. Das Gehege und alle Gegenstände, mit denen die Kaninchen in Kontakt gekommen sind, müssen gründlich desinfiziert werden. Sie wird künftig nur mit Tieren vergesellschaftet werden können, die den Virus ebenfalls überlebt haben. Und wenn Priscilla stirbt, „war es das mit den Kaninchen – für immer“.

 

Info: Die hämorrhagische Krankheit der Kaninchen, Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) genannt, ist 1984 erstmals in China aufgetreten und wird deshalb Chinaseuche genannt. Mittlerweile hat sich die Erkrankung auch auf Europa, Korea, Marokko, Kuba, Australien und Neuseeland ausgebreitet. Es wird durch ein Calicivirus, das RHDVirus (RHDV), verursacht. Seit 2010 ist zudem eine weitere Variante, RHDV-2, bekannt. RHDV-2 ist anhand der Krankheitssymptome nicht von der klassischen RHD zu unterscheiden. Im Unterschied zur klassischen RHD, bei der Tiere bis zu einem Alter von 6 Wochen nicht erkranken, befällt RHDV-2 auch deutlich jüngere Tiere; darüber hinaus sind auch Feldhasen empfänglich für die neue Virusvariante. Nach Auskunft von Iris Fuchs, Fachbereichsleiterin des Veterinäramtes, ist eine Ausbreitung des Virus im gesamten Bundesgebiet absehbar.

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