Kandidat für die V-Partei³

Eigentlich hat Frederking schon immer sehr bewusst gelebt, nur wenig Fleisch gegessen. Seit einem Jahr hat er völlig umgestellt auf eine vegane Lebensweise. Das heißt für ihn aber nicht, den Bestand wegzuwerfen, sondern aufzubrauchen und dann zu ändern. Seine Eltern betreiben das Kuhaltersheim des Gnadenhofes in Nemschenreuth. Er hilft viel mit. „Irgendwann habe ich realisiert, dass Kühen die Kälber weggenommen werden, damit sie Milch geben. Das habe ich vorher nicht gewusst“, sagt er. Es hat ihn total aufgewühlt. Das war für ihn ausschlaggebend, seine Lebensweise zu ändern. Nicht nur, was die Ernährung angeht, sondern auch was Schuhe, Shampoo, Kleidung, Zahnpasta und dergleichen betrifft. „Viele Sachen werden ja auch an Tieren getestet“, so Frederking weiter. Das wollte er nicht weiter unterstützen, hat aussortiert, vieles auslaufen lassen. Nein, schwer war die Umstellung nicht. Er hat auch viel Neues erfahren und mittlerweile sind auch seine Eltern und seine Schwester umgestiegen. Dann hat er im Internet von der V-Partei³ erfahren, die sich im April vergangenen Jahres im Rahmen der Vegginale in München gegründet hat.

Keinem Lebewesen Leid zufügen

„Das Programm hat mich überzeugt“, sagt Frederking. Der Grundgedanke ist, keinem anderen Lebewesen Leid zuzufügen, zu überlegen, welche Folgen es auf den Körper haben kann, wenn tierische Produkte verwendet werden. „Bluthochdruck und Diabetes sind oft hausgemacht“, sagt der 24-Jährige. Außerdem sei es schlimm, dass in Drittländern rund 70 Prozent der Agrarfläche nötig sind, um Futter für Tiere in Deutschland zu produzieren. „Wir nehmen damit den Menschen eine Lebensgrundlage weg, das ist ethisch nicht vertretbar“, sagt er.

„Wir sind aber keine Verbotspartei“, betont Frederking. Man wolle verändern, Hintergründe aufzeigen, zum Nachdenken anregen. Dass es gut läuft, sehe man daran, dass die V-Partei³ bereits 1200 Mitglieder hat, 300 davon allein in Bayern. Bei der Bundestagswahl rechnet sich Frederking eine Chance aus, auf wenigstens ein Prozent zu kommen. „Wir müssen jetzt erst mal an Bekanntheit gewinnen, das Potenzial ist da“, sagt er. Selber kandidiert Frederking auf dem 16. Platz der bayerischen Landesliste.

Keine Ein-Themen-Partei

Für wesentlich hält er, dass sich die Bewusstseinsbildung bei den Menschen verstärkt. „Wir sind auch keine Ein-Themen-Partei“, sagt er. Deshalb auch die Hochzahl 3 im Namen. Sie stehe für die Vielfältigkeit. Stopp der Waffenexporte, eine Agraragenda, ein gesicherte Grundeinkommen und mehr soziale Gerechtigkeit – dafür setzt sich die V-Partei³ auch ein. Dazu wollen sie mit den Menschen zusammenarbeiten, Visionen entwickeln. Auch im Wahlkampf suchen sie hauptsächlich das Gespräch mit den Bürgern, haben Infostände, Plakate. „Es herrscht immer noch viel Unwissenheit“, so Frederking. Aber es habe sich auch schon viel bewegt, hat er festgestellt. So gibt es beispielsweise in fast allen Supermärkten eine Vegetarier- und Veganer-Linie und auch in Gaststätten werden immer öfter vegane Produkte angeboten.

Karottenlasagne mit Mandelquark

Wie ist es in seinem Alltag? Ist er da mit seiner Einstellung ein Außenseiter? „Nein“, sagt Frederking, der als Sozialbeamter in der Elterngeldstelle des Versorgungsamtes in Bayreuth arbeitet, „meine Arbeitskollegen und Freunde haben das akzeptiert.“ Bei Geburtstagen zum Beispiel wird inzwischen auch immer etwas Veganes mitgebracht. Was ist sein Lieblingsessen? „Karottenlasagne“, sagt er, „mit Gewürzen, Öl und Mandelquark. Das ist richtig schön saftig.“ Frederking kocht selber.

Das Ergebnis der Bundestagswahl ist für ihn immer noch offen. „Die nächste Kanzlerin muss nicht unbedingt Angela Merkel heißen“, ist er überzeugt. Er selber wird in den nächsten Tagen Briefwahl machen. Es ist das zweite Mal, dass er bei einer Bundestagswahl mitentscheiden kann. Vergangenes Mal hat er noch die Tierschutzpartei gewählt. „Aber die ist nicht so konsequent, verbietet mehr“, sagt Frederking. Das Programm der V-Partei³ überzeugt ihn mehr. Auch die Frauenquote findet er gut. Sie liegt bei 63 Prozent. Insgesamt findet er, dass sein Engagement und seine Kandidatur eine Verantwortung sind, die Spaß machen.

4.2 (6 Stimmen)

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