Kämmereigasse: Ein Haus für die Bürger

Es geht um ein Haus, ein einziges Haus nur. Aber es ist ein wichtiges Haus, was den Standort angeht, ebenso, was seine Funktion betrifft: mitten im Kern gelegen, als Anlaufstelle und Spielfeld für Leute, die in und für Bayreuth etwas voranbringen wollen. Kurz: Die Adresse Kämmereigasse 9 ½ hat sich in den vergangenen Jahren als so lebendiger wie vielseitiger Ort der Kultur etabliert.

Veranstalter mit Ernst und Ausdauer

Nun hat die Arbeitsgemeinschaft Neuneinhalb ihre Pläne vorgestellt. Es sind Planungen von Laien, aber alles andere als laienhaft: Die Grundrisse und Entwürfe wirken ganz so, als könnten sie ohne übertriebenen Aufwand umgesetzt werden, für eine möglichst vielseitige Nutzung. Denn auch das war die Kämmereigasse 9 ½ in den vergangenen Jahren: Treffpunkt für unterschiedlichste Menschen, mit einer Vielzahl von Interessen.

Die Veranstalter, die sich in der Arbeitsgemeinschaft Neuneinhalb zusammengefunden haben, haben ihre Tauglichkeit nachgewiesen, mit einem Maß an Ausdauer, Einfallsreichtum und Seriosität, das manchen überrascht haben mag. Sie haben sich der Stadt als Partner empfohlen, mit einem Programm, das man nach der Sprache des Kulturmanagements als „niederschwellig“ bezeichnen oder einfacher als offen, ansprechend und barrierefrei loben kann. Es hat schon

seinen Grund, dass sich dort auch Menschen versammeln, die sich von manchen Veranstaltungen der so genannten Hochkultur eher abgeschreckt fühlen, viele Gäste und Neuankömmlinge auch, die dort unkompliziert Anschluss finden. Die Kämmereigasse 9 ½ ist ein demokratischer, ein öffentlicher Raum, von Bürgern in Eigeninitiative genutzt. Was würde manche Stadt für so ein Hochamt des Engagements geben…

Vielseitige Nutzung

Programmkino, Seminarund Veranstaltungsräume, eine kleine Bar, Ateliers und eine Künstlerwohnung, ein Betriebsmodell, das auch anderen Vereinen, dazu Institutionen und Schulen Möglichkeiten eröffnet: dieses Paket hat die AG Neuneinhalb als Angebot für die Stadt geschnürt. Es ist, wie gesagt, ein seriöses Angebot, das die Stadt annehmen sollte. Wegen der ganz eigenen Art von Kultur, die dort gewagt wird, das hatten wir jetzt schon. Aber auch, weil das von Verfall und Leerstand bedrohte Gassenviertel eine Vitaminspritze dringend benötigt. Besser als an der Nahtstelle zwischen Kunstmuseum und Historischem Museum kann man diese Injektion nicht setzen.

Abwarten macht's nicht besser

Wer noch zu Abwarten rät, dem sei gesagt, dass das Haus noch nicht marode ist, sein Zustand aber auch nicht besser wird. Seit vielen Jahren debattiert man darüber, wie man das Gassenviertel aufwerten könnte. Für die Kämmereigasse 9 ½ waren Nutzungen als Toilettenhaus und als Ausstellungsgebäude für das Historische Museum ins Gespräch gebracht und - aus guten Gründen – abgelehnt worden. Jetzt steht ein aufregendes, reifes Angebot im Raum und damit als letztes Argument nur noch diese eine Frage: Hat irgendjemand in den vergangenen Jahren eine annähernd so gute Idee wie die Praktiker der AG Neuneinhalb geliefert? Eben! Ja, dann aber nichts wie ran an die Arbeit.

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