Junge Flüchtlinge lernen wieder Deutsch

Wie viele berufschulpflichtige Flüchtlinge in diesem Jahr in den bayerischen Schulen unterrichtet werden, ist bislang noch nicht bekannt. Selbst der Leiter der Berufsschule, Gerhard Hecht, weiß das nicht genau. Er rechnet mit etwa dreißig bis 35 Schüler, die die Berufsschule Pegnitz besuchen sowie mit weiteren etwa 37 Schülern für die Berufsschule III in Bayreuth, für die er ebenfalls zuständig ist.

Wenige Deutschkenntnisse

Fest steht, die Flüchtlinge werden in Berufsintegrationsklassen und Berufsintegrationsvorklassen unterrichtet werden. So war es auch schon im Vorjahr. In die Vorklassen kommen diejenigen, die noch wenige Deutschkenntnisse haben oder die generell größere Probleme beim Schreiben haben.

Sprachintensivierungsklasse

Im vergangenen Jahr wurde zwischen März und Juni außerdem noch eine Sprachintensivierungsklasse eingerichtet, erklärt Hecht. Damit hat die Berufsschule Pegnitz Schülern, die bislang noch niemals oder nur wenige Jahre eine Schule besucht haben, geholfen, den Einstieg zu finden.

Vergabeverfahren zentralisiert

In den Ferien ist der komplette Unterricht für Flüchtlinge neu ausgeschrieben und vergeben worden. Bewerbungen waren ausschließlich über ein elektronisches Verfahren möglich. Zuständig dafür war die Regierung von Mittelfranken. „Die kooperativen Berufsintegrationsklassen wurden stark ausgeweitet. Daher wurde das Vergabeverfahren (Ausschreibung, Vergabe und Abwicklung) für den Bereich der staatlichen beruflichen Schulen zentralisiert, um die Schulaufwandsträger der staatlichen beruflichen Schulen zu entlasten“, erklärt der stellvertretende Pressesprecher der Regierung von Mittelfranken, Benjamin Zahn.

118 Berufsintegrationsklassen

Keine leichte Aufgabe: Denn bayernweit ging es für das kommende Schuljahr um den Unterricht an insgesamt 106 Berufsintegrationsvorklassen (BIK/V , erste Jahr) und 118 Berufsintegrationsklassen (BIK, zweites Jahr) auszuschreiben. Die Klassengröße beträgt in den BIK/V und BIK in der Regel 16 bis 20 Schülerinnen und Schüler. Auf Grund der besonderen Anforderungen soll die Maximalzahl von zwanzig Schülern keinesfalls überstiegen werden.

Zwölf verschiedene Institutionen

Nur 17 Bewerber haben sich an dem bayernweiten Ausschreibeverfahren beteiligt, zwölf verschiedene Institutionen haben den Zuschlag bekommen. „Die Ausschreibungen erfolgten in einem offenen, EU-weiten Vergabeverfahren. Die von den Kooperationspartnern zu erbringenden Leistungsanforderungen ergaben sich aus der dem Vergabeverfahren zu Grunde liegenden Leistungsbeschreibungen“, so Zahn. Relevant für den Zuschlag war letztlich der Preis. „Den Zuschlag erhielt jeweils der Bieter mit dem wirtschaftlichsten Angebot“, so Zahn.

Anforderungen gemeldet

„In Pegnitz bleibt alles, wie es war. Derselbe Träger, der auch bislang den Flüchtlingsunterricht durchgeführt hat, wird auch im kommenden Jahr tätig sein. Das freut uns natürlich sehr“, sagt Gerhard Hecht. „In Bayreuth hatten wir bislang die VHS, mit der wir ebenfalls sehr positive Erfahrungen gemacht haben. Im neuen Schuljahr wird den Unterricht die ISPA-Sprachschule durchführen. Dass wir in Bayreuth und in Pegnitz denselben Kooperationspartner haben, macht es uns einfacher“, sagt der Schulleiter. Damit auch wirklich die Bedürfnisse der jeweiligen Schulen berücksichtigt werden, haben die Schulen im Vorfeld ihre Anforderungen an die Vergabestelle gemeldet.

„Wir haben die Kriterien, die uns wichtig waren, festgesetzt. Wir hatten aber keinen Kontakt mit den Bewerbern, konnten auch keinen Einfluss nehmen“, sagt Gerhard Hecht, der betont, dass dieses Verfahren die Schulen entlastet hat. „Die Berufsschullehrer könnten Alphabetisierungsunterricht und diesen umfassenden Deutschunterricht gar nicht leisten“, so der Berufsschullehrer.

Die Zahl der Institute, die qualifizierten Flüchtlingsunterricht anbieten, hielt sich beim Vergabeverfahren übrigens in Grenzen. In Oberfranken teilten drei Träger den Markt unter sich auf, in der Oberpfalz ging der Zuschlag an einen einzigen Bieter. In Niederbayern machten vier Träger, in Oberbayern fünf, in Schwaben vier, in Mittelfranken drei und in Unterfranken zwei Institutionen das Rennen.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06