Jule: Terrier büxt aus Hundepension aus

Es ist später Nachmittag, als Heidi de Gier ihren Hund bei Andreas Pfitzer abgibt. Der Urlaub ist gebucht, am nächsten Tag soll es los gehen. Jule ist ja in guten Händen, denkt de Gier.

Normalerweise, sagt Pfitzer, starren die Hunde, die bei ihm vorübergehend abgegeben werden, noch etwa eine halbe Stunde auf das Tor, durch das ihr Herrchen oder Frauchen zuletzt gegangen ist. Dann gliederten sie sich in die Gruppe ein und spielten mit den anderen Hunden. Aber nicht so Jule.

Unter dem Zaun hindurch in die Freiheit

De Gier ist gerade eine Stunde weg, da schlüpft Jule durch die Hintertüre des Hauses in den Garten. Als Pfitzer das merkt, geht er Leckerli holen, um Jule zurück zu locken. Und als er damit in den Garten kommt, hat sich der Hund schon unter dem Zaun hindurch ins Freie gegraben und ist nicht mehr zu sehen. Viereinhalb Stunden habe er nach Jule gsucht, so zumindest erzählt Pfitzer die Geschichte. Und er sagt: „Die Besitzerin trägt eine Mitschuld. Hätte sie mir gesagt, dass es sich um einen Streuner handelt, hätte ich Jule von Anfang an an die Leine genommen.“

250 Hunde und einer haut ab

Seit drei Jahren passt Pfitzer jetzt schon auf fremde Hunde auf, wenn deren Besitzer in den Urlaub fliegen. 250 Hunde hat er in dieser Zeit kommen und gehen sehen, abhanden gekommen sei jetzt zum ersten Mal einer. Der Zaun, ein gewöhnlicher aus Maschendraht, ist zwar 1,80 Meter hoch, endet aber an der Grasnarbe. „Deswegen“, sagt Pfitzer, „werde ich künftig keine kleinen Hunde mehr annehmen, die ich nicht kenne“.

Draußen lauern Füchse, Dachse und Vögel

Dass Pfitzer aus ihrem Verschwinden seine Lehren gezogen hat, nützt Jule jetzt wenig. Weil sie ziemlich klein und mittlerweile seit fünf Tagen verschwunden ist, macht sich der Pfitzer Sorgen. Nicht, dass Jule verhungert. Zu Essen gebe es in freier Wildbahn genug. „Aber eben auch Füchse, Dachse und Raubvögel, denen Jule zum Opfer fallen könnte“, sagt Pfitzer. „Die Situation ist kritisch.“

Sorgen im Urlaub

Der Betreiber der Hundepension ist natürlich nicht der einzige, der sich Sorgen macht. Zwar hat Heidi de Gier noch vor ihrem Abflug von Jules Verschwinden gehört, den Urlaub stornieren konnte sie deswegen aber nicht. Aus Ägypten lässt sie ausrichten: „Wir können aus Sorge um unsere kleine Jule unseren Jahresurlaub nicht genießen. Jule, die sehr zutraulich ist, irrt irgendwo umher und wir können nichts machen.“ Außerdem kritisiert de Gier, dass sie erst am Tag nach Jules Verschwinden aus dem Radio davon erfahren habe. Pfitzer sagt: "Stimmt. Ich wollte es ihr mitteilen und wusste nicht, dass das Radio so schnell ist."

Blöderweise kein Vertrag

Blöderweise, sagt Pfitzer, haben er und de Gier vorab keinen Vertrag geschlossen, der die Haftungsfrage in so einem Fall regelt. Pfitzer sagt: „So etwas hatte ich einmal ausgearbeitet, aber zuletzt nicht mehr verwendet, weil die Hundebesitzer es nicht wollten.“ Was also auf den Betreiber der Pension zukommt, wenn Jules Frauchen wieder im Lande ist? „Eine Menge Ärger“, fürchtet Pfitzer. Es sei denn, Jule, die inzwischen in Speicherdorf gesichtet worden sein soll, wird doch noch gefunden.

Nicht bewertet

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Kommentare

Ja da haben wir sie, die Geschichte aus dem Leben
wichtig für Bayern und die Welt
Aufgescheibselt vom NBK
das ist das was die Welt und die Abo-Leser des NBK wissen wollen
Wichtig für die Welt? Sicher nicht. Wichtig für Bayern? Auch nicht. Von lokaler Relevanz? Ganz sicher. Das zeigen die Zugriffszahlen. Denn das ist online ja messbar. Nur weil Sie das nicht interessiert, heißt das ja nicht, dass das nicht für andere Menschen interessant ist.
Von lokaler Relevanz?
ganz sicher nicht, den den Hund sucht nur eine Person ............ und ein Dienstleister der ein Problem hat
Wenn Sie sich da mal nicht täuschen, Schnuffi. Hundehalter halten zusammen. Schauen Sie mal in die sozialen Netzwerke. Da ist eine regelrechte Horde auf der Suche nach Jule. Unser Beitrag auf Facebook dazu wurde in den ersten Stunden fast 40 mal geteilt. Gruß, Thorsten Gütling.
Das ist wie immer, die meisten Hundebesitzer können ihren Hund nicht erziehen. Ein Hund hat nicht auszureißen, egal wo er gerade ist!!!
Geliebtes Tier zuhause weggelaufen! Frauchen oder Herrchen befindet sich im Urlaub und kann nicht aktiv in's Geschehen mit eingreifen? Jedem dem das schon mal passiert ist wird "wie auf Kohlen hocken"! Aber das verstehen eben nur Tierfreunde. Die anderen wird's eh' nicht interessieren. Ich hoffe man findet die kleine wieder schnell und unbeschadet!