Jugendarmut nimmt zu

Peine erklärt, die Situation der einheimischen Betroffenen habe sich in Hof-Stadt nicht signifikant verändert. Die Stadt Hof verzeichne jedoch einen überdurchschnittlich hohen Zuzug von Flüchtlingen unter 18 Jahren. Das gelte mit Abstrichen auch für die Region Wunsiedel. Die Flüchtlinge mit Bleibeberechtigung wechselten nun aus der Sozialhilfe in die Zuständigkeit der Jobcenter.

Die Zahlen für den Arbeitsagenturbezirk Bayreuth-Hof zeigen im Jahresvergleich dreimal Zunahme sowie dreimal Abnahme. Von 2015 auf 2016 nahm nach Agenturangaben in Hof-Stadt die Zahl der Jugendlichen unter 18 Jahren in Bedarfsgemeinschaften (Hartz IV) mit 1641 Betroffenen um 16 Prozent zu, in Wunsiedel mit 1297 Personen um 11,3 Prozent und im Landkreis Bayreuth mit 780 Personen um 10,5 Prozent. In Bayreuth-Stadt nahm die Zahl mit 1228 Personen um 2,8 Prozent ab, im Landkreis Hof mit 992 Personen um 2,8 Prozent und in Kulmbach mit 789 um 2,2 Prozent.

Die Hartz-IV-Quote in Hof-Stadt beträgt bei unter 15-Jährigen 21,4 Prozent, in Bayreuth-Stadt 13,2 Prozent, bundesweit 14,3 Prozent und bayernweit 6,5 Prozent. Das geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Kinderarmut ein Dauerbrenner in der Region

Jürgen Schöberlein, Bereichsleiter Erwachsenenhilfe der Diakonie Hochfranken, sagt unserer Zeitung, die Kinderarmut sei ein Dauerbrenner in der Region und stehe immer auf der Agenda der Wohlfahrtsverbände.

Schon vor dem großen Flüchtlingszuzug sei in der Stadt Hof etwa jeder Fünfte unter 15-Jährige von Hartz IV betroffen gewesen. Die Hofer Kinder- und Jugendhilfe übernehme für jedes zweite Kind die Kindergartengebühr. Diese werde jedoch nur von der öffentlichen Hand gezahlt, wenn die Eltern bereits staatliche Leistungen bekommen. Daraus lasse sich schlussfolgern, dass praktisch jedes zweite Kind arm sei.

Die Diakonie Hochfranken setze auf Einzelfallhilfen. Schöberlein verweist auf das Schuldenpräventionsprojekt „Money Talk“. Frühzeitig solle Konsum-Kompetenz erworben und dabei eingeübt werden, mit wenig Geld auszukommen. Die Diakonie zeige den Menschen Wege auf, wie sie ihre Lage verbessern können. Sie plädiert dafür, Schulessen generell kostenlos anzubieten.

Die Diakonie unterstützt eine Petition, mit der gefordert wird, den Betrag für das sogenannte Schulbedarfspaket von 100 Euro im Jahr auf mindestens 150 Euro anzuheben. Der Bedarf sei entsprechend gestiegen.

Hilfsprogramme zielen auf die Eltern und ganz wenige auf die Kinder

Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann kritisiert, dass bisher fast alle Hilfsprogramme auf die Eltern und nur ganz wenige direkt auf die Kinder zielten. „Das ist der große Konstruktionsfehler“, sagte er. Hurrelmann sprach sich dafür aus, dass der Staat Kinder außerhalb ihrer Familien unterstützt, damit die Förderung auch jenen zugutekomme, deren Eltern weniger Wert auf Bildung legten.

Zwar tue man vielen engagierten Eltern damit Unrecht. „Wir wissen aber auch, dass die oberen 20 Prozent der Gesellschaft zu 80 Prozent wollen, dass ihre Kinder Abitur machen, von den unteren 20 Prozent wollen das nur 20 Prozent.“

In Deutschland sind mehr als zwei Millionen Minderjährige auf staatliche Grundsicherung angewiesen. Das geht aus neuen Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor. Ende 2016 lebten demnach 2 003 805 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Bedarfsgemeinschaften, also in Familien, die Hartz IV beziehen. Trotz des anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs waren das dem Bericht zufolge 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

3 (2 Stimmen)

Anzeige

Kommentare

"Die Kinder- und Jugendarmut nimmt in der Region Bayreuth-Hof zum Teil deutlich zu. In der Stadt Hof ist jeder fünfte unter 15-Jährige von Hartz-IV abhängig, ...(...) Peine erklärt, die Situation der einheimischen Betroffenen habe sich in Hof-Stadt nicht signifikant verändert. Die Stadt Hof verzeichne jedoch einen überdurchschnittlich hohen Zuzug von Flüchtlingen unter 18 Jahren.(...) Von 2015 auf 2016 nahm nach Agenturangaben in Hof-Stadt die Zahl der Jugendlichen unter 18 Jahren in Bedarfsgemeinschaften (Hartz IV) mit 1641 Betroffenen um 16 Prozent zu.."
Und dann kommt die allseligmachende Botschaft: "Schon vor dem großen Flüchtlingszuzug sei in der Stadt Hof etwa jeder Fünfte unter 15-Jährige von Hartz IV betroffen gewesen."
Anschließend das übliche Lamento über Hartz-4-Bedarfsgemeinschaften und anhaltendem Wirtschaftsaufschwung.

Die Lehrerprawda "Zeit-Online" schreibt zur jüngsten WSI-Studie: "Die Kinderarmut in Deutschland ist angestiegen – und zwar zuletzt überwiegend durch die starke Zuwanderung minderjähriger Flüchtlinge, die zumeist unter der Armutsgrenze leben müssen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Es wird wohl noch einiger finanzieller Abstriche in den Redaktionen bedürfen, bis solche journalistischen Zuchtperlen der Vergangenheit angehören.

Kaum einer gibt die monströsen Fehler der Vergangenheit gerne zu, aber so, mit Zahlen-
und Studienfledderei wird´s auch nix.

Es gibt im Kinder- und Jugendbereich sehr viel zu tun. Packen wirs an!
Mit Klagen oder Anklagen ist es nicht getan.
Gut. Was schlagen Sie vor? Zwei-drei Ideen wären ein Anfang.
Mehr fachlich qualifizierte Betreuung für schwierige Fälle schon im Kindergarten bis zur Volljährigkeit. Je früher ein Problemfall erkannt wird, desto größer sind die Chancen, zu helfen.
Programme von staatlicher Seite unterstützen, die sich um nichtorganisierte Jugendlichen kümmern. In den Städten funktionieren schon lange nicht mehr die Vereine bezüglich Jugendarbeit, bis auf wenige Ausnahmen.
Mehr Fach- oder Expertenwissen mit in den politischen Entscheidungsprozess einfließen lassen.
Wer soll das bezahlen?
Allgemeine Steuersätze rauf?
Sonstige Sozialleistungen runter?
Höhere Neuverschuldung, für die die kommende Generation bluten darf?
Renten runter?
"Uwart" liegt auch falsch. Mehr Personal gibt's einfach nicht. Der Personalmarkt für Kitas, Schulen und Berufsbildungseinrichtungen ist komplett leergefegt. Da kann die Politik noch so sehr mit Geld winken, es gibt einfach kein Personal. Besserung nicht in Sicht.
Vor allem die Grünen, aber auch andere Politiker argumentierten noch vor Kurzem, die "Flüchtlinge" würden den Fachkräftemangel beheben helfen. Nun haben wir durch unkontrollierte Zuwanderung von Nichtfachkräften einen weiteren Fachkräftemangel in der Bildung, bei der Polizei und auch der Justiz.
Kennt jemand noch die Band "Extrabreit"? Hurra, Hurra, die Schule brennt...wir löschen mit Benzin.

Die verantwortlichen Politiker gehören in den Ruhestand geschickt. "Neue Männer braucht das Land..."
@hohehu: "Höhere Neuverschuldung, für die die kommende Generation bluten darf?
Renten runter?"
Eine ausgeglichener Staatshaushalt ohne Schulden kann nie das alleinige Ziel sein.
Sollen wir unsere Infrastruktur verkommen und unsere junge Generation in ihrer Ausbildung und persönlichen Entwicklung allein lassen? Ich glaube, dass die Herausforderungen für sie eher zunehmen.
Vorschlag 1: Einen großen Teil der aber und aber Milliarden die Jahr für Jahr in "Fremdleistungen" abfließen der eigenen Bevölkerung zukommen lassen. Wir haben selbst genug Baustellen, nicht nur die Kinder und Jugendarmut!
Immer wieder darf man sich anhören was für ein reiches Land wir sind und dennoch liest man immer häufiger von Altersarmut, Kinderarmut, maroden Straßen und Brücken und und und.....
Immer schön, Benachteiligte gegeneinander aufzurechnen, und so einfach. Wie wäre es aber, mal andere Bevölkerungsgruppen an der Finanzierung der Gemeinschaft zu beteiligen? http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/plan-gegen-steuerflucht-der-kampf-um-die-milliarden-beginnt-erst-1.2679634
Da geht es um ganz andere Summen.
Oder sowas hier: http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-parlamentarier-wollen-zweitsitz-in-strassburg-loswerden-a-934184.html
Unser Überfluss-Land kann sich locker die Flüchtlinge und Jugendliche ohne Armut leisten. Es fehlt der Wille (und die Lobby) und gerade die Wohlhabenden haben am meisten Angst, was abgeben zu müssen und zeigen mit dem Finger fleißig und schnell auf andere, um von sich abzulenken. wzbw.
"Benachteiligte"... wenn ich dieses Wort schon höre...
Die benachteiligen sich schon selber, da brauchen Sie sich keine Gedanken machen...
Zum Glück haben wir endlich Flüchtlinge. Vorher hat sich niemand für Ihr Obdachlose, Kinderarmut und Frauenrechte interessiert.
So und jetzt mal sachlich hohehu: wo benachteiligen sich denn bitte Alleinerziehende, Kinder und Jugendliche selbst?
@"kernig": Sie (und noch ein paar andere im Chulz-Zug) wollen also Leuten ihr bereits versteuertes Geld abknöpfen. Fein. Aber mit welchem moralischem Recht? Ab wann ist man denn reich? Ab welcher Summe darf man denn sein selbst verdientes und versteuertes Geld nicht mehr in freier Entscheidung vererben oder dem Konsum zuführen?
Wann und wo genau haben Sie oder ich denn jemanden "benachteiligt", so dass uns unser erworbenes Eigentum weggenommen gehört? Wer genau trägt denn eigentlich, nach derzeit geltendem Recht, die Steuerlast überwiegend?

Aber gut, spinnen wir den Gedanken weiter: Dann geben wir es den "Benachteiligten". Was meinen Sie, wie lange es dauert, bis sich die Menge der bereits bestehenden, auch teilweise deutschen Parallelgesellschaften vervielfacht, die bereits jetzt davon ausgehen, dass sich Anstrengung zur Verbesserung der eigenen Situation gar nicht lohnt, weil ja immer Geld, dass anderen abgenommen wurde, zur Verfügung steht. Und der Rest zum erträglichen Leben mit Schwarzarbeit und anderer Kriminalität "finanziert" wird?
Soviel können Sie den "Reichen" (die übrigens sehr mobil sind, andere Länder warten schon) gar nicht abnehmen, dass es für alle "Benachteiligten" reicht. Steuerflucht, die es auch im Kleinen gibt, ist auch immer eine gewisse Notwehr gegen einen nimmersatten Staat.

Die Frage nach qualifiziertem Betreuungs-und Ausbildungspersonal würden Ihre Umverteilungsphantasien auch nicht beantworten.

Menschen brauchen Arbeit, damit sie eine selbstbestimmte Zukunft haben. Wenn man nun Menschen nach Deutschland lockt, denen glauben gemacht wird, sie würden diese hier finden und dann weder die Arbeitsplätze noch die Wohnungen (in Bayern fehlen 70.000 Wohnungen!) perspektivisch in petto hat, dann züchtet man sich ein Prekariat heran. Aggressiv, weil enttäuscht und "findig", weil unbehelligt und unkontrolliert. Die Ergebnisse dieser verantwortungslosen Politik liegen auf der Hand und stehen bereits in den Kriminalitätsstatistiken. Die Bildungsstatistiken werden folgen.

Es macht wahrlich nicht immer Spaß, Recht gehabt zu haben.

Denkt mal drüber nach, wieviele Erwerbstätige es noch im Land gibt, die ihr Einkommen ganz ohne staatliche Gelder erzielen. Also Handwerker und Industriearbeiter, die in nicht subventionierten Branchen tätig sind und, ganz wichtig! Werte erwirtschaften. Die das Land im eigentlichen Sinne "reich" machen. Die Zahl ist erschreckend niedrig! Das kann auf Dauer nicht funktionieren.
1. Ich gehöre keine Zügen an und verbitte mir irgendwelche Zuweisungen.
2. Eigentum verpflichtet, so steht s im Grundgesetz. Und die vielgepriesenen christlichen Werte sehen das auch so.
3. Die wenigsten der oberen Besitz Schichten haben ihren Reichtum erarbeitet, sondern ererbt. Und nein, Geld arbeitet nicht, es schafft keine Werte.
4. Wer macht das Land reich? Der Besitzer einer Firma, der investiert und organisiert. Oder der, der in der Firma arbeitet? Irgendwie doch beide, oder? Und entsprechend sollte der Gewinn auch verteilt werden.
5. Unsere Sozialsysteme sind eine Solidargemeinschaft. Und die funktioniert nur, wenn sich die, die gerade wohlhabend sind, nicht aus der Verantwortung stehlen. Wie derzeit. Solidarität ist gerade irgendwie aus der Mode, ich finde das schade.
Zu 1.: soll mir nur Recht sein bei dem Populismus der SPD
Zu 2.: gut beobachtet, nur was ist mit der Investition in die Bildung der eigenen Kinder, statt in Handys und Flachbildschirme? Bildung hier hängt nämlich keinesfalls vom Geldbeutel der Eltern, sondern individuellen Fähigkeiten der Kinder und (un-)genutzten Chancen ab.
Zu 3.: Können Sie diese Behauptung auch mit Zahlen unterfüttern? Kennen Sie das Wort Risikokapital? Oder Startups? Wie lief die Gründung von Microsoft, Google, Apple? Sagt Ihnen der "Deutsche Mittelstand" in Bezug auf Firmen etwas? Schauen Sie mal in die Firmengeschichten der hiesigen Unternehmen, mit all seinen Brüchen, Schwierigkeiten und Neuorientierungen.
Zu 4.: Besitzer von Firmen arbeiten also weniger als abhängig Beschäftigte? Belege? Sie sind kein Besitzer, haben also nicht eine Aktie in Ihrem Besitz, nicht mal indirekt als Altersvorsorge?
Zu 5.: D'accord, nur ist dieses System äußerst sensibel auf Verschiebungen auf der Einnahmen-und Ausgabenseite. Was das bedeutet, wenn anderthalb Millionen Zuwanderer in die Sozialsysteme ein wandern, die meisten davon dauerhaft, sehen wir bereits. An den kommunale Haushalten, siehe oben, und an den Finanzen der Sozialkassen.
Übrigens: wer stiehlt sich denn gerade aus der Verantwortung? Bitte um Beispiele.
Das Dumme ist nur, dass ein Lernprozess für ein Volk eine langwierige Angelegenheit ist. Bevor man ein funktionierendes System (und das haben wir doch!) umwirft, sollte man doch versuchen, das alte System zu verbessern. Oder wollen wir wieder einen Neuanfang mit anderer Verfassung? Mit welcher denn?