Jubiläumsausstellung: Hier gilt's Wieland

„Es gibt nichts Ewiges“, sagte er selber. So kurz aber hätte es auch nicht währen dürfen, sagten die Menschen, die in Wieland Wagner den Pionier, den Revolutionär bewunderten: Nur 49 Jahre wurde Wieland alt, ausgelaugt von den vielen Kämpfen, die er um die Macht am Grünen Hügel und um die Deutungshoheit des Werkes seines Großvaters ausgetragen hatte. Die Ausstellung im Neubau des Richard-Wagner-Museums (bis 19. November) dokumentiert auch diese Kämpfe und die vielen Widersprüche in Wieland Wagners Leben.

Rund 200 Gäste bei Ausstellung

Eröffnet wurde die Ausstellung mit dem Titel „Es gibt nichts Ewiges“ vor rund 200 Gästen, darunter die Wieland-Kinder Nike und Wolf Siegfried Wagner. Die Festspiele wurden durch Katharina Wagner, den geschäftsführenden Direktor Holger von Berg und Musikdirektor Christian Thielemann vertreten. Gekommen war auch Katharinas Halbschwester Eva Wagner-Pasquier. Vertreter der größeren Richard-Wagner-Verbände waren nach Bayreuth gereist, Wagner-Experten, der Ausstellungsmacher Uwe Brückner. Die erkrankte Daphne Wagner wurde von Tilman Spengler vertreten, der die Ansprache seiner Frau verlas. Sie erinnerte an ihren „un-heimlichen Vater“, der ja tatsächlich dauernd unterwegs und selten daheim gewesen sei.

Vom Mausoleum zur Avantgarde

Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe würdigte die Verdienste Wielands als konsequenter Neuerer. Mit seinen Inszenierung sei eine „positive Veränderung des Rufs Bayreuths“ einhergegangen. Am Ende seien ins Festspielhaus „Magie und Mythos“ eingezogen, „aus dem Mausoleum wurde Avantgarde“. Museumsleiter Sven Friedrich hatte zuvor auf die Notwendigkeit von Wielands hartem Bruch mit der braunen Festspielvergangenheit hingewiesen: „Die Frage, ob nach Auschwitz noch Wagner gespielt werden dürfe, war 1945 keine rhetorische.“ Bereits sechs Jahre später stemmten Wieland und Wolfgang Wagner die ersten Nachkriegsfestspiele mit dem „Ring“, dem „Parsifal“ und den „Meistersingern“, die sozusagen das neue Motto der sich unpolitisch gebenden Festspiele lieferten: „Hier gilt’s der Kunst.“

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Die Ausstellung, bestückt mit Leihgaben auch der Familie, beginnt mit den riesigen Portraits der Familie Wagner und dokumentiert damit, wie bedrückend Kindheit und Jugend in Wahnfried gewesen sein können, zumal für Wieland und Wolfgang, die als Enkel Richard Wagners und Söhne Siegfrieds und Winifreds in einem spannungsreichen Umfeld groß wurden.

Wahnfried und Hitler

Anhand von großen Fotofahnen und Dokumenten, vor allem anhand von Zeichnungen und Regiebüchern Wielands, aber auch mit Kostümen erläutert die Ausstellung das Wirken des Regie-Neuerers. Sie erzählt aber auch deutsche und Bayreuther Geschichte, mit dem geradezu symbiotischen Zusammenwirken von Wahnfried und Hitler als Tiefpunkt. Wieland Wagner durfte damals als „Lieblingssohn“ Hitlers darauf hoffen, die Festspielleitung bald zu übernehmen – eine Karte, die der machtbewusste Wieland gegen jedwede Konkurrenz auszuspielen suchte. Die dunkle Seite des Machtmenschen Wieland verschweigt die Ausstellung nicht. Akzente setzt sie auch mit dem Hinweis auf seine weitgehend unterschätzte Frau Gertrud, die Wieland viele Impulse gab.

Bilder und Zitate Wielands

Die Ausstellung führt schließlich in einen szenischen Bereich: Umgeben von halbrunden Projektionswänden, kann sich der Besucher gleichsam auf Wielands berühmte Bühnenscheibe begeben. Auf die Wände werden Fotos von verschiedenen Wieland-Inszenierungen geworfen. An den Wänden finden sich in Großschrift Zitate über Wieland. Sie machen unter anderem deutlich, wie sehr Wieland an Kritik wuchs – und wie sehr er gleichzeitig an ihr litt.

 

Nicht bewertet

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Kommentare

Die Ausstellungseröffnung war sicher nicht erst um 14.00 Uhr, wie im KURIER auf der "Service"-Seite angekündigt. Ab 14.00 Uhr war das Richard-Wagner-Museum wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
Montag, 13. November 2017 - 11:06