Jazz: Gauthier Toux Trio im Becher-Saal

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis die Franzosen den Jazz für sich entdeckten. Erst in den 1930er Jahren machte der Hot club de France von sich reden.  Das Quintett du Hotclub de France um den Gitarristen Django Reinhard verhalf dann der neuen Musik aus Amerika zum Durchbruch.

Aufholjagd in den 1960er Jahren

Der Jazz in Frankreich erlebte später in den 1960er Jahren eine regelrechte Aufholjagd und eine ganze Reihe von bedeutenden Musiker hervorgebracht. Darunter Pianisten wie der vielseitige Michel Legrand und der virtuose Jaque Loussier, nicht zu vergessen der populäre Michel Petrucciani und Jacky Terrason.

Reifes Spiel

Der jüngste Spross der französischen Pianistendynastie heißt Gauthier Toux. Er stammt aus Chartres und ist gerade 24 Jahre alt. Die Musikpresse überschüttet den jungen Mann bereits mit überschwänglichem Lob und schwärmt von seinem reifen Spiel. Mit seinen Begleitern, dem dynamischen Maxence Sibille am Schlagzeug und dem großartigen Kenneth Dahl Knudsen am Kontrabass, hat er in den vergangenen beiden Jahren fast 100 Konzerte gegeben. Das Trio gehört zu neuen jungen Garde.

Sentimental und zornig

Im Becher-Saal am Freitag erzählte der Franzose auf einfühlsame Weise große Geschichten. Mal sentimental und romantisch, mal aufgeregt und manchmal sogar aufbrausend zornig. Gauthier Toux, der Wunderknabe. Noch so jung an Jahren, aber musikalisch schon so alt.

Seine Melodien bleiben schlicht. Manches wirkt auch langatmig. Allzu schnell  entsteht der Eindruck der Gleichförmigkeit. Gauthier Toux bewegt sich meistens auf konventionellen Pfaden. Junges, kreatives Aufbegehren – Fehlanzeige. Zur französischen Jugendrevolte gehört der junge Mann gewiss nicht.

4 (3 Stimmen)

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Montag, 13. November 2017 - 11:06