60 plus wirklich am engagiertesten?

"Ich bin kein Fan dieser Einteilung", sagt sie. Hoch motivierte Arbeitnehmer seien auf der jüngeren wie der älteren Seite zu finden. Dass der in der Untersuchung vermittelte Eindruck entstehe, liege daran, dass die Jungen fordernder auftreten. „Ihnen kann ich nicht einfach etwas hinklatschen – und sagen: Sei damit zufrieden.“

Die Jungen seien anders aufgewachsen und dank Internet besser informiert. "Sie wollen im Unternehmen etwas bewegen und Verantwortung bekommen. Wird das nicht geboten, ist die Frustration oft größer als bei Älteren, die eine bestehende Hierarchie eher anerkennen."

Wodzak-Littig, die es bei ihrer Arbeit mit gut ausgebildeten Menschen zu tun hat, sagt: "Wir haben heute eher Projektstrukturen." Darauf hätten sich viele Unternehmen noch einzustellen; das sei eine internationale Entwicklung; das alte Hierarchie-Denken sei nicht mehr zeitgemäß.

Sie hebt hervor, Menschen, die mit Leidenschaft und einer guten Einstellung zur Arbeit gehen, das sei keine Generationenfrage. Zwar werde älteren Beschäftigten gerne ein reicher Erfahrungsschatz zugesprochen, doch sei bei einem Teil von ihnen bereits ein schleichender Prozess der innerlichen Verabschiedung aus dem Arbeitsleben zu beobachten, der lange vor dem eigentlichen Eintritt in den Ruhestand beginne. Junge Leute wiederum ließen soziale Kompetenzen vermissen, weil ihnen diese im Elternhaus nicht vermittelt worden seien.

Die studierte Psychologin Wodzak-Littig hat lange als Personalleiterin in Unternehmen, aber auch als Geschäftsführerin einer Firma der Medienbranche gearbeitet. Sie betreibt klassisches Headhunting, also die Suche nach Firmen-Nachfolgern; sie hilft bei Personalführung und Konfliktlösung in Betrieben.

Leidenschaft für den Job

In der Studie, die der Tageszeitung "Die Welt" vorliegt, heißt es, ausgerechnet die Generation 60 plus erweise sich im Job als Vorreiter. 40 Prozent der Arbeitnehmer ab 61 seien - nach eigener Aussage "hoch motiviert" bei der Arbeit. Bei den bis 20-Jährigen dagegen könne sich nur jeder Vierte so für seinen Job begeistern.

Doch Hunderttausende Beschäftigte gehen Jahr für Jahr vorzeitig in den Ruhestand. Bis 1996 war es sogar möglich, ab 60 ohne Abschläge Rente zu beziehen. Heute ist die Frührente zwar mit finanziellen Einbußen verbunden. Fast jeder Zweite scheidet dennoch vor 65 aus dem Arbeitsleben aus.

Für die "Job-Studie 2015" hat EY mehr als 2200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland befragt. Überdurchschnittlich hoch war bei den Älteren nicht nur die Motivation, sondern auch die Zufriedenheit mit ihrer Arbeit. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) sind nach eigenen Angaben "uneingeschränkt zufrieden".

"Sehr niedrige Motivation der jüngeren Arbeitnehmer"

Sorgen sollten sich die Arbeitgeber hingegen um ihren Nachwuchs machen, heißt es. Ana-Cristina Grohnert, Managing Partner bei EY, sagt: "Die sehr niedrige Motivation der jüngeren Arbeitnehmer ist ein Alarmsignal." Die junge Generation habe offenbar andere Ansprüche, auf die sich die Unternehmen besser einstellen müssten. Die Jungen wünschten sich weniger starre Strukturen. "Gefragt sind Führungskräfte, die sich weniger als der klassische Chef, sondern mehr als Mentor verstehen."

Ansporn für die Arbeit gibt den meisten Beschäftigten ein gutes Verhältnis zu den Kollegen. Mehr als die Hälfte der Befragten nannte das als besondere Motivation, zur Arbeit zu gehen. Ein hohes Gehalt ist nur für ein Drittel wichtig. Wobei die Männer (40 Prozent) dem Geld mehr Bedeutung geben als die Frauen (26 Prozent). 

Hand in Hand geht allerdings ein hohes Gehalt mit hoher Motivation. So sind unter den Beschäftigten, die mehr als 100 000 Euro brutto im Jahr verdienen, mit 64 Prozent die meisten "hoch motivierten" Mitarbeiter.

Frauen sind durch die Bank zufriedener

Frauen sind übrigens durch die Bank zufriedener und motivierter als ihre männlichen Kollegen.. Lauf Befragung bekamen sie im durchschnitt 33 100 Euro brutto im Jahr und damit rund 21 Prozent weniger als die Männer mit 42 000 Euro. Dennoch sagten 42 Prozent der Frauen, aber nur 39 Prozent der Männer, mit ihrem Gehalt zufrieden zu sein.

Sind ältere Arbeitnehmer tatsächlich engagierter als jüngere? Susanna Merkl, Leiterin Personal und Unternehmenskommunikation des Bauunternehmens W. Markgraf, antwortete auf Fragen des Kuriers.

Kann die Firma Markgraf bestätigen, dass ältere Beschäftigte generell – und selbst über 60-jährige Arbeitnehmer – besonders engagiert sind?

Susanna Merkl: Wir sind bei Markgraf sehr stolz auf unsere leistungsbereiten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – unabhängig vom Alter. Generell kann man diese Frage nur anhand individueller Personen beurteilen. Bei Markgraf gilt der Leitsatz „Lebenslanges Lernen“ und das ist gleichzeitig unser Erfolgsfaktor. Das Erfahrungswissen und die Zuverlässigkeit unserer erfahrenen Mitarbeiter und das Hinterfragen eingefahrener Prozesse sowie die Selbstbestimmtheit der neuen Generation sind für uns ein Gewinn. Daher sind unsere altersgemischten Teams seit jeher ein Gewinn.

Wie viele über 50-Jährige und wie viele über 60-Jährige beschäftigt Markgraf?

Merkl: Wir sind derzeit rund 850 Mitarbeiter, davon arbeiten rund 220 Mitarbeiter bei uns, die über 50 Jahre alt sind, und rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über 60 Jahre alt sind. Insgesamt haben wir ein Durchschnittsalter von 42,2 Jahren bei einer durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit von 12,5 Jahren.

Haben jüngere Kräfte tatsächlich andere Vorstellungen von der Arbeit – wie mehr Flexibilität oder einen kumpelhaften Chef; junge Leute sollen auch häufiger krank gemeldet sein als ältere?

Merkl: Die These hinsichtlich Krankheit können wir so nicht bestätigen, grundsätzlich ist das Verhältnis hinsichtlich der Häufigkeit ausgeglichen. Andere Vorstellungen von Arbeit gibt es bei der jüngeren Generation schon. Ein gutes Gleichgewicht zwischen Beruf und Arbeit ist spürbar wichtig. Die jungen Kräfte wollen mobil sein, mobil arbeiten wollen leider immer weniger. Gerade für uns derzeit eine wirkliche Herausforderung, um von Bayreuth aus unsere erfolgreichen Bauprojekte in den Metropolregionen entsprechend betreuen und besetzen zu können.

Können Sie bestätigen, dass ein gutes Arbeitsklima wichtiger Ansporn ist, sich in der Firma zu engagieren?

Merkl: Eindeutig und das ganz unabhängig vom Alter. Flache Hierarchien, Wertschätzung und eine offene Kommunikation machen unsere Unternehmenskultur aus. Der Spaß an der Arbeit soll bei uns für junge und erfahrene Mitarbeiter gleichermaßen gelten. Dafür arbeiten wir jeden Tag gemeinsam. Wir können nur weiter erfolgreich sein, wenn jeder sich mit seinen Stärken einbringen kann und engagiert dabei ist. Daher ist es wichtig, den Sinn der eigenen Arbeit zu erkennen.                            Die Fragen stellte Elmar Schatz

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