ISEK-Konzept: Vier Büros in der Auswahl

Dass die Fichtelgebirgsstadt spät dran ist, hat Vor- und Nachteile, wie sich in den vergangenen Monaten herausstellte. Einerseits gibt es bereits in anderen Kommunen reichlich Erfahrungen mit Architektur- und Stadtplanungsbüros, auf die man zurückgreifen konnte. Andererseits ist der Markt der Anbieter inzwischen auch sehr unübersichtlich geworden. Aus einer langen Liste wurden für die Sitzung am vergangenen Donnerstag schließlich vier Teams zur Vorstellungsrunde gebeten.

Vom kleinen Drei-Mann-Büro bis zum deutschen Marktführer mit mehreren Hundert Mitarbeitern reichte dabei das Spektrum. Alle Bewerber konnten auf Referenzprojekte in der Region verweisen.

Bevölkerung schrumpft

Die Themenstellung für das ISEK unterscheidet sich in Gefrees nicht sehr von anderen Kommunen. Leerstände bei Gewerbeimmobilien, Revitalisierung von Industriebrachen und natürlich der starke Bevölkerungsrückgang in den vergangenen 15 Jahren stehen im Mittelpunkt des geplanten Gesamtkonzeptes. Als spezifisches Gefreeser Problem wurde den Bewerbern die marode Stadthalle genannt, deren Sanierung und künftige Nutzung die Kommunalpolitiker derzeit besonders umtreibt.

Unterschiede zwischen den vier Kandidaten herauszuarbeiten, erwies sich für den Stadtrat als schwierig. Als Zeitplan sehen alle Bewerber Mitte bis Ende 2018 als realistisch bis zur Entscheidungsreife des ISEK. Die erste Analysephase soll generell „schlank“ gehalten werden. Daten über demografische Entwicklung, Wirtschaftsstruktur und Steuerkraft liegen ja in großem Umfang bereits vor. Zum Teil sind sie erst vor rund zwei Jahren auf den aktuellen Stand gebracht worden.

Bürger spielen maßgebliche Rolle

Im Zentrum wird die Bürgerbeteiligung stehen, die für das Konzept eine maßgebliche Rolle spielt. „Die Hälfte aller Anregungen kommt aus der Bevölkerung“, berichtete Geschäftsführerin Stefanie Raab dem Stadtrat. Ihr Berliner Planungsbüro „Coopolis“ hat das ISEK für Bad Berneck erstellt und rund 500 Vorschläge der Bürger in das Konzept eingearbeitet. Allerdings gehe es nicht um eine großes „Wünsch Dir was“, sondern um einen strammen Plan, eine Art Kompass für Gesellschaft, Verwaltung und Wirtschaft.

Um den Gefreeser Auftrag bewirbt sich auch ein echtes Schwergewicht der Branche, das Unternehmen DSK. Die in Wiesbaden ansässige Gesellschaft beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter, unterhält 20 Regionalbüros, hat bereits 750 Projekte betreut, darunter die Entwicklungsplanung für das Berliner Regierungsviertel. Geschäftsführer Frank Burlein betonte im Stadtrat, seine Mitarbeiter seien echte „Förderprofis“. Die Suche nach Zuschüssen für künftige Maßnahmen dürfte für Gefrees angesichts knapper Kassen eine zentrale Rolle bei allen Projekten spielen. Die DSK hat auch einen ausgewiesenen Kenner der örtlichen Verhältnisse im Team: den früheren Bürgermeister der Gemeinde Schwarzenbach an der Saale Alexander Eberl.

Büro hat Stadt unter die Lupe genommen

Mit geballter wissenschaftlicher Unterstützung geht das Hummeltaler Büro „Klimakom“ ins Rennen, bei dem es sich um ein Kooperationsprojekt der Universität Bayreuth handelt. Prof. Manfred Miosga vom Lehrstuhl für Wirtschaftsgeografie und seine Mitarbeiter haben die Stadt offensichtlich bereits intensiv unter die Lupe genommen. Nach ihren Vorstellungen soll das ISEK ein „Zukunftsprogramm Gefrees 2035“ werden, mit der Stadthalle als Leitprojekt.

Die in Bayreuth ansässige Firma Geoplan ist bisher vor allem in Unterfranken tätig gewesen, hat aber auch bereits Projekte in Münchberg, Ebermannstadt und Kemnath betreut.Geschäftsführer Reinhard Hutzelmann versprach den Stadträten, sie nicht am Ende des Prozesses mit einer „mördermäßigen“ langen Liste von 100 Vorschlägen alleine zu lassen. Auch das gemeinsame Mittelzentrum mit Bad Berneck und Himmelkron sollte im Entwicklungskonzept berücksichtigt werden.

Rangfolge bleibt geheim

Nach der Vorstellung der vier Kandidaten und einer intensiven Fragerunde musste der Stadtrat in nicht öffentlicher Sitzung seine Wahl treffen. Oder besser gesagt: eine Rangfolge festlegen. Die soll allerdings vorerst noch geheim bleiben, da die Regierung von Oberfranken in die Entscheidung einbezogen wird. Letztlich dürften auch die Kosten des ISEK und die Höhe der Zuschüsse eine Rolle spielen.

Wie viel Geld Gefrees für das Konzept in die Hand nehmen muss, bleibt derzeit ein Geheimnis der Kommunalpolitiker. Aus der „Angebotsliste“ eines Bewerbers geht aber hervor, dass mit einigen Extras durchaus ein hoher fünfstelliger Betrag zusammenkommen wird.

Nicht bewertet

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