ISEK: Die Verbindung muss stimmen

Bullenhitze über Bindlach am Montagabend. Trotzdem ist der Mehrzweckraum im Rathaus gut gefüllt. Sondersitzung des Gemeinderats, allerdings ganz locker, ohne Sitzordnung. Denn nicht die Gemeinderäte haben das Wort, sondern die Bürger. Die Gemeinderäte sind die Zuhörer, nehmen auf, was die Bürger bewegt. Was sie ausgearbeitet haben in vier Arbeitsgruppen bei den Erwachsenen. Und bei den Jugendlichen zwischen zwölf und 21 Jahren.

Spinnen erlaubt. Träumen auch.

Spinnen war erlaubt. Träumen auch. Dennoch soll die Bestandsaufnahme die Richtung vorgeben, in der sich Bindlach weiterentwickeln soll. "Am Ende steht dann das ISEK mit einem Maßnahmenprogramm, mit unterschiedlichen Proritäten und Realisierungszeiträumen", sagt Ingo Quaas, Stadtplaner aus Weimar, der das ISEK für Bindlach mit seinem Team entwickelt. Noch vor der Sommerpause, sagt Quaas, solen "die Ziele in den einzelnen Handlungsfeldern festgelegt werden". Soll klar sein, "welche Maßnahmen sich daraus ergeben". Weitere Fachforen werden in diesem Tagen noch beraten.

Ein Thema, das die Bindlacher über alle Altersschichten hinweg bewegt, ist das Thema Verkehr. Das wird an diesem Abend deutlich: Der Verkehr, der sich durch Bindlach hindurchwälzt, der an Bindlach vorbeirollt. Die Wege und Verbindungen innerhalb der Gemeinde und zwischen den Ortsteilen. Und die Wege hinaus in die Natur.

Das wollen die Jungen

Das wird schon bei den ganz Jungen deutlich. Sieben Projekte, sagt Anja Thor vom Büro Quaas, haben die zwölf jungen Bindlacher, die zu dem Workshop gekommen waren, ausgearbeitet. Projekte, "bei denen man als Bürgermeister schon mal zusammenzuckt, weil man weiß, dass das einen Haufen Geld kosten würde", wie Bürgermeister Gerald Kolb sagt. Aber auch ganz praktische Ideen, bei denen die Jugendlichen gleich Finanzierungsvorschläge mitliefern.

Skateranlage: Jonathan Dörfler stellt seine Vorstellung von einer neuen Skateranlage vor, weil man "sich an der alten an der Bärenhalle mit ihren Metallteilen böse verletzen kann". Sein Vorschlag: Ähnlich wie in der Schokofabrik in Bayreuth könnte man Eintritt verlangen und so die Anlage finanzieren.

Ein Freizeitpark: Eher ein Traum dürfte der "Freizeitpark mit Freibad und Delfinen" bleiben, den sich andere Jugendliche wünschen. "Da steckt aber auch viel Information für uns drin", sagt Anja Thor: "Die Jugendlichen wünschen sich eine Attraktion, die Besucher von außen anlockt."

Abenteuerspielplatz: Recht genaue Vorstellungen haben, wie Workshop-Betreuerin Carina Stielke sagt, Jugendliche davon, wie ein Abenteuer- und Waldspielplatz aussehen könnte. "Man könnte dafür auch einen bestehenden Spielplatz erneuern."

Dorfladen: Die Nahversorgung - und damit das Gemeinschaftsgefühl unter den Bürgern - hat Julian Betge im Blick. Er schlägt ein Dorfladen-Konzept für Benk und Ramsenthal vor. "Ramsenthal", sagt Julian Betge, "wäre ein guter Standort, das würden bestimmt viele Leute nutzen. So ein Laden würde auch dafür sorgen, dass die Gemeinschaft unter den Bürgern gefördert wird." Außerdem würde so ein Laden die Dörfer attraktiver machen, "sich dort anzusiedeln". Ein Vorschlag, den die Stadtplaner als vergleichsweise realistisch einstufen, denn: "Im Hauptort ist die Versorgung gut, in den Ortsteilen lässt sie zu wünschen übrig."

Ein Jugendgarten: Noch einfacher ließe sich der "Jugendgarten zum Selbergestalten" umsetzen, den Louis Wolf für seine jungen Mitstreiter am Montagabend vorstellt. "Ein kleines Gartenhäuschen, Blumen- und Gemüsebeete, ein kleiner Teich und eine Bank zum Ausruhen", das müsse der Garten haben, sagt Louis Wolf.

Bürgercafé: Die Gemeinschaft im Blick haben zwei Studentinnen, die laut Carina Stielke die Idee eines Bürger- und Jugendcafés in der Bahnhofstraße in einem leerstehenden Laden angeregt haben. "Öffnungszeiten am Wochenende, jede Familie könnte ein Wochenende betreuen. Ein Café von Bürgern für Bürger."

Der Verkehr: Was die Jugendlichen aber auch beschäftigt, ist der Verkehr. "Der öffentliche Verkehr funktioniert aus ihrer Sicht nicht so gut. Weder für Schule, noch für Freizeitaktivitäten", sagt Anja Thor. Die Jugendlichen wünschten sich sowohl im Zug- als auch im Busverkehr "einen schnelleren Takt, keine Sommerpause während der Ferien und sinnvolle, neue Haltestellen".

Vier Arbeitsgruppen der Erwachsenen

Verkehr und Mobilität: Michael Spörer ist der Sprecher dieser Arbeitsgruppe. Seine Vision: Bindlach solle "zur attraktivsten Gemeinde Oberfrankens mit all ihren einzigartigen Ortsteilen" werden. Dazu bräuchte Bindlach aber "schnelle und sichere Verkehrs- und Kommunikationswege" - und zwar für alle Bürger: egal, ob jung, alt ohne oder mit Behinderung. Für die AG Verkehr wichtig: Neben dem Ausbau von Rad- und Wanderwegen und der Erneuerung der Straße zur Bindlacher Autobahnauffahrt will man den Verkehr in der Ortsdurchfahrt bremsen. Tempo 30 zwischen den beiden Kreisverkehren am Ortsein- und -ausgang, Umleitung für den Schwerverkehr. Und: "Eine Einhausung der A9 für eine drastische Reduzierung des Verkehrslärms."

Was die AG Verkehr sich zusätzlich wünscht: Ein neues Beschilderungs- und Infromationskonzept, das auf Ärzte, öffentlich - und geöffnete - Toiletten, Apotheke und vieles mehr hinweist.

Wohnen und Landschaft: Verbindung von A nach B ist auch dieser Arbeitsgruppe wichtig, für die Petra Niedziella spricht. Und zwar "die Erschließung der Landschaft über ein Wander- und Radwegenetz. Zum Beispiel der Verbindungsweg von Allersdorf nach Bindlach runter - da muss endlich was geschehen", sagt Petra Niedziella. Ebenfalls wichtig: Eine sichere und beleuchtete Verbindung vom Bindlacher Berg in den Ortskern. "Es gab auch mal einen Rundweg um den Bindlacher Berg." Zur Landschaft gehört auch: Wasser. "Man sollte das Wasser auch nutzen können", sagt Niedziella. "Seit der Hochwasserbaumaßnahmen führt der Furtbach kaum noch Wasser."

Ein elementarer Punkt: Das Grün in Bindlach. An der Pfitsch'n könnte man leicht einen essbaren Garten anpflanzen. Was schon schwieriger werden dürfte: Bei Neubauten sollte "pro 100 Quadratmeter ein Baum gepflanzt werden".

Soziale Infrastruktur: Das ISEK, sagt Rudolf Daum, der Seniorenbeauftragte, sei "die Möglichkeit für Bindlach, soziale Infrastruktur zu gestalten. Nicht gegeneinander, sondern gemeinsam." Daum spannt einen weiten Bogen: Von neuen Öffnungszeiten für die Kitas über Sprachpatenschaften in der Grund- und Mittelschule - "weil Sprache unsere wichtigste Grundlage ist" - bis hin zu den Senioren. "In Bindlach", sagt er, "ist einiges vorhanden im Pflegebereich". Dennoch wünsche sich seine Arbeitsgruppe unter anderem die Umsetzung eines Mehrgenerationenhauses, "betrieben durch eine Genossenschaft oder einen Verein" und "eine Seniorentagesstätte, ähnlich wie eine Kita".

Großes Augenmerk müsse auch auf die Barrierefreiheit in Bindlach gelegt werden, die sei teilweise "ein Drama". Nicht nur die Zugänglichkeit der Kirche - "die katholische ist etwas besser als die evenagelische" - sondern auch die Erreichbarkeit von Rathaus, Arztpraxen und Sportmöglichkeiten sei zum Teil stark verbesserungswürdig.

Gemeindeleben: Die Gemeinde Bindlach scheine eine Gemeinde zu sein, "wie sie sein sollte", zieht Anja Thor ein Fazit für die AG Gemeindeleben, für die am Montagabend kein Teilnehmer erschienen war. Viele Vereine prägten das Gemeindeleben, unterstützten sich gegenseitig, die Volkshochschule (VHS) sei als "tolle Institution gelobt" worden. Dennoch gebe es Ideen, "das Zusammengehörigkeitsgefühl noch zu stärken". Etwa durch einen regelmäßigen Wochenmarkt auf der Pfitsch'n, durch ein Haus der Vereine im Feuerwehrhaus, wenn die Wehr ihr neues Domizil hat. Und durch eigene, feste Räume für die VHS. "Die VHS wird im Zusammenhang mit dem Haus der Vereine gesehen."

Nicht bewertet

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Wenn so viel getan wird, wie geredet wird, dann wird alles Bestens !!