Interview: Folgen der Kölner Übergriffe

 

Herr Benker, wie kann es passieren, dass rund 1000 Männer auf einem belebten Platz Frauen überfallen – und das, obwohl die Polizei eingeschaltet ist?

Hermann Benker: Auch ich war von einigen Aussagen, auch vom Kölner Polizeipräsidenten, überrascht – und überrascht, dass die Einsatzkräfte überrascht gewesen sind. Wo es Menschenmassen gibt, kann es Probleme geben, insbesondere bei Eigentums- und Körperverletzungsdelikten. Ungeachtet dessen, dass die Dimension von Köln auch für mich neu ist. Doch da hätte man sich vorher Gedanken machen müssen – bei Großveranstaltungen kann es schließlich immer zu Straftaten kommen.

Aber welche Prävention hätte hier gewirkt?

Benker: Da es ein solches Phänomen noch nicht gab, hätten wir auch präventiv nichts verhindern können. Wir Polizeibeamte leben ja von der Erfahrung. Und aus der Erfahrung von Silvester in Köln werden wir für künftige Einsätze abstellen müssen.

 

Wie meinen Sie das?

Benker: Ich glaube nicht, dass es sich hier in der Masse um „enthemmte Muslime“ handelt, deren vorrangiges Ziel es ist, Frauen zu demütigen. Ich glaube eher daran, dass es reisende Täter sind.

Der Diebstahl als Begleiterscheinung

Also sind wir im Bereich der Organisierten Kriminalität?

Benker: Ja. Ein Indiz dafür ist, dass die fünf Festgenommenen lediglich kopierte Papiere bei sich hatten und keinen Wohnsitz am Ort der Straftat. Die Vorgehensweise ist nicht fremd: sogenannte „Antänzer“ bedrängen Frauen und beklauen sie.

Also ganz normaler Diebstahl?

Benker: Man muss unterscheiden: Es gibt zum einen den Handtaschendiebstahl. Wir in Bayern stellen uns beispielsweise beim Oktoberfest darauf ein, dafür muss auch in Köln ein Einsatzkonzept vorliegen – wenn nicht, wäre ich enttäuscht. Das Begrapschen und Bedrängen, um damit abzulenken, wäre eine Art, die Tat vorzubereiten. Zum anderen gibt es auch die Möglichkeit, dass tatsächlich Sexualdelikte im Vordergrund stehen, damit wäre der Diebstahl die Begleiterscheinung.

Wie wollen Sie das denn rauskriegen, wenn die Täter schweigen sollten?

Benker: Ich baue auf die Opfer. Sachbearbeiter mit Erfahrung stellen gezielte Fragen, um eine solche Tat und Täterstruktur zu erkennen.

Sie meinen also, es sei eine konzertierte Aktion reisender Diebe?

Benker: Es könnte zumindest sein. Köln und Hamburg in der Silvesternacht, Stuttgart kurz danach.

Das wäre aber wirklich eine neue Dimension.

Benker: Ja, wir dürfen ja nicht davon ausgehen, dass sich Altes immer nur wiederholt. Das heißt für uns aber, dass wir uns bei den nächsten Großveranstaltungen anders positionieren müssen.

Die Kölner Polizei wirkte reichlich überrascht …

Benker: … und jetzt fordern wieder einige Politiker reflexartig mehr Überwachungskameras. Nur: die hatten wir in Köln. Die Videoüberwachung unterstützt uns bei der Identifizierung von Tatverdächtigen, aber es braucht mehr. Zum Beispiel DNA-Spuren. Ich muss einem aus der Gruppe eindeutig nachweisen können, dass er es war, der der Frau den Slip heruntergerissen hat. Videoüberwachung ist auch wünschenswert für Lokalisierung und Einsatzsteuerung, um schnellstmöglich handeln zu können.

"Man darf keine Rückschlüsse auf alle ziehen"

Sie sprachen gerade über die Identifikation. Ich beobachte seit langem, dass die Polizei immer zögerlicher damit umgeht, die Nationalität der Täter zu benennen. Aber es muss doch Ross und Reiter genannt werden, wenn es um die Suche nach Tätern geht.

Benker: Da gilt seit vielen Jahren die Linie aus dem Innenministerium, dass man die Nationalität nur dann in den Vordergrund stellen sollte, wenn dieses Delikt nur von einer bestimmten Nationalität begangen werden könnte.

Das mag politisch ja sehr korrekt sein, aber gerade im Hinblick auf die Fahndung im konkreten Fall muss man doch Fakten benennen dürfen, beispielsweise Hinweise auf Hautfarbe oder Nationalität.

Benker: Aber wenn ich jetzt Nationalitäten nennen würde, hieße es, jeder Araber sei ein Vergewaltiger. Ob es tatsächlich Asylsuchende waren, steht noch nicht fest. Und auch wenn es so sein sollte, kann und darf man keine Rückschlüsse auf alle ziehen.

Sicher: Verbrechen werden von Menschen begangen, nicht von Ethnien.

Benker: Genau. Im Empfinden der Bevölkerung könnten gefährliche Strömungen entstehen – da muss man vorsichtig sein. Aber wenn es so ist, sollte man nichts schönreden.

Müssen Sie die Situation am Bayreuther Hauptbahnhof schönreden?

Benker: Nein. Weder aufgrund der Größe des Bahnhofes noch bezüglich des Reiseverkehrs hier habe ich Befürchtungen. Wir sind hier ländlich strukturiert, da müssen wir uns keine Sorgen machen. Aber uns Polizisten muss zu denken geben, dass solche Tätergruppen sehr mobil sein können. Das macht nachdenklich und muss für Vorbereitungen hinsichtlich weiterer Großveranstaltungen sorgen.

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Kommentare

Reisende Täter, mit Verlaub, das ist quatsch. In den Medien wird von ca. 1000 (arabischen) Lumpen berichtet.
Täter ermitteln, Erkennungsdienstlich erfassen und nach Syrien o. ä. abschieben. Dort können diese Idioten dann ihre Aggressivität an den Wichsern von der IS auslassen! - und unsere Frauen können wieder auf die Strasse und feiern.
Quatsch ist, dass Sie hier, mit Verlaub, Vorurteile absondern. Die bisher vorliegenden Berichte weisen eben gerade nicht auf Flüchtlinge hin. Sollten die Ermittlungen ergeben, dass es welche waren, werden wir dies selbstverständlich berichten.
>>> Ich „GLAUBE“ nicht, dass es sich hier in der Masse um „enthemmte Muslime“ handelt, deren vorrangiges Ziel es ist, Frauen zu demütigen. Ich „GLAUBE“ eher daran, dass es reisende Täter sind.

Da wird mal wieder Süßholz geraspelt.
Was herrscht denn in diesen Ländern vorrangig für eine Ideologie!?!?
Folglich waren es, nach jetzigem Wissenstand in der Masse „enthemmte Muslime“ .

Vielleicht waren ja im Promillebereich Christen oder Sonstige dabei.
Das mag sein...

Interessante Zitate:
"Ich beobachte seit langem, dass die Polizei immer zögerlicher damit umgeht, die Nationalität der Täter zu benennen." - Wer das vor einem halben Jahr behauptet hat, war damit automatisch "rechts", wenn nicht "Hassprediger". Nicht zuletzt grade in diesem Forum.
"Verbrechen werden von Menschen begangen, nicht von Ethnien." - Nur Deutsche sind ein "Tätervolk", oder?
Was mich an der ganzen Geschichte am meisten wundert: Die Vorfälle geschahen an Silvester, davon gehört habe ich erstmals heute, nach 5(!) Tagen. Bei andersgearteten Übergriffen ist die Berichterstattung normalerweise schneller.
Laut Pressekodex ist die Nennung der Nationalität/ethnischer Herkunft als Diskriminierung zu unterlassen, wenn sie mit der Tat unmittelbar nichts zu tun hat. In diesem Fall diente die Nennung "arabisch, nordafrikanisch" in erster Linie mal der Fahndung nach den Tätern, nicht einer Vorverurteilung, wie sie gerade en masse hier und vor allem in den sozialen Netzwerken stattfindet.

Warum über die Vorfälle erst seit Montag online und seit Dienstag gedruckt berichtet wird, ist nun auch schon vielfach dokumentiert. Die Polizei Köln selber beschrieb die Silvesternacht in ihrer Neujahrs-Bilanz als unter anderem "weitgehend ruhig". Erst am Montag, als die lokalen Medien bereits recherchierten, wurden die Anzeigen der Opfer bekannt. Falls Sie an Informationen interessiert sind, empfehle ich Ihnen die Seite des Kölner Stadtanzeigers (ksta.de). Dort wird sehr seriös recherchiert, berichtet und kommentiert.
@ H. Braun
"Die Kölner Polizeiführung räumte zwar ein, am Neujahrsmorgen falsch über die Ereignisse der Nacht berichtet zu haben. In einer Erklärung hatte sie die Lage zunächst als recht entspannt beschrieben und sich selbst gelobt"
Was die Polizei Köln an Neujahr schrieb:

http://www.ksta.de/koeln/silvesternacht-polizeibericht-im-wortlaut-sote,15187530,33064980.html
Ist ja auch völlig Wurscht wer es letztendlich war. Grundsätzlich sollte man sich aber mal im Klaren sein, das Integration nicht damit endet, Flüchtlingen Essen und ein Dach über dem Kopf zu geben! Hunderttausende langweilen sich in den Unterkünften und müssten auch beschäftigt werden, sonst kann auch nix gutes bei rauskommen, egal wo die Leute herkommen. Nur spricht unsere Politik immer von Integration, hat aber eigentlich keine Ahnung und noch weniger ein Konzept wie das funktionieren soll
@ CRedakteur-job
... wo habe ich Vorurteile abgesondert?
Der Kurier selber hat von "arabischen oder afrikanischen Raum stammenden Männern" geschrieben.
Und Sie bringen es sogleich in einen Kontext mit Syrern und damit mit Flüchtlingen. Davon ist aber (bisher) nirgends die Rede.
Das Problem ist, dass seit Monaten hunderttausende nach Deutschland kommen, von denen niemand weiß, wer sie sind, woher sie kommen und wo sie sich mittlerweile aufhalten. Wer von den Flüchtlingen ist tatsächlich vor Krieg und Terror geflohen (und braucht deswegen Unterstützung) und was sind einfach nur Kriminelle? In Köln offenbar letzteres. Aber "Wir sind offen für alle" ohne jegliche Kontrolle ist geradezu eine Einladung für die, die niemand braucht. Es sollte zu denken geben anstatt zu beschönigen, wenn Menschen wieder in ihre IS-kontrollierte(!) Heimat zurückkehren, weil sie in Unterkünften in D ebenfalls unterdrückt und misshandelt werden!
Interessanter Artikel auf t-online.de erschienen. Bericht über einen Türsteher wie er die Horrornacht von Köln erlebte.