Insider-Blick auf Medi-Neuzugänge

Punkte, Rebounds, Assists, Ballgewinne, Ballverluste – das alles weiß man ziemlich genau über die neuen Spieler im Kader von Medi Bayreuth, der am Sonntag um 18 Uhr mit dem Heimspiel gegen Vizemeister Ratiopharm Ulm in die Bundesligasaison startet. Dazu vielleicht noch ein paar Eindrücke aus Testspielen zu Athletik, Schnelligkeit, Körpersprache. Wie sich diese ganzen Fakten aber auf das Spiel auswirken werden, wissen am besten jene Spieler, die den Vergleich zur gesamten vergangenen Saison haben – und deswegen haben wir sie gefragt: Nachwuchsspieler Marius Adler und Routinier Steve Wachalski warfen dabei zum Teil recht persönliche Blicke auf die neuen Kollegen und beschrieben neben den unterschiedlichen Talenten auch beispielsweise den größten Clown im Team und einen privaten Fremdsprachenlehrer.

Nr. 7: Kyan Anderson

Marius Adler beschreibt den neuen Spielmacher als „extrem schnell“ und „guten Passer“: „Das wird unser ganzes Spiel schneller machen, und er setzt seine Schnelligkeit auch in der Verteidigung ein.“

Steve Wachalski spricht sogar von „einem der schnellsten in der Liga auf der Pointguard-Position“: „Mit seiner guten Ballbehandlung kann er seine eigenen Würfe kreieren, aber er hat auch die Übersicht für andere.“ Als potenzieller Abnehmer der Pässe muss sich der erfahrene Powerforward mit seinen Nebenleuten auf den großen Positionen immer auf die Qualitäten von neuen Aufbauspieler einstellen: „Wir werden mehr Ballzirkulation bekommen als im Vorjahr. Damals war das Spiel doch stark auf Jake Odum zugeschnitten, der oft den eigenen Abschluss gesucht hat. Kyan wird auch seine Mitspieler mehr in Szene setzen.“

Nr 8: Nate Linhart

„Seine Erfahrung wird uns sehr helfen“, sagt Wachalski. „Das ist gar nicht so sehr eine Frage des Alters, sondern vor allem der Spiel-Erfahrung. Nate hat in der Euroleague gespielt und weiß einfach, was zu tun ist. Er ist kein spektakulärer Spieler, aber er hat einen guten Mix aus Pass und Schuss und macht vor allem sehr wenig Fehler.“ Auch auf dieser Position erwartet Wachalski mehr mannschaftsdienliches Spiel im Vergleich zu John Flowers im Vorjahr: „Er wird zu mehr Ballbewegung beitragen. Das ist die Aufgabe aller Leute auf den Positionen eins bis drei. Als großer Spieler, der auf die Vorarbeit angewiesen ist, sieht man sonst schnell ziemlich alt aus.“

Nachwuchsspieler Marius Adler hält sich mit einem Kommentar zum namhaftesten Neuzugang bescheiden zurück: „Ein sympathischer und cooler Typ, von dem man viel lernen kann.“

Nr. 9: Cedric Kral

Umso mehr äußert sich der 18-Jährige zu seinem künftigen Teamkollegen in der zweiten Mannschaft: „Cedric wird uns in der Regionalliga und der NBBL sehr helfen. Da ist er einer der, wenn nicht gar DER Führungsspieler neben Moritz Trieb.. Wir haben ein außergewöhnlich junges Regionalliga-Team mit vielen NBBL-Sielern. Da scheint es vermessen, jetzt schon den Aufstieg in die Pro B zum Ziel zu setzen, aber wir wollen so nahe wie möglich ran.“ Steve Wachalski freut sich vor allem über die Verstärkung im Training: „Das war im Vorjahr eine Katastrophe, natürlich auch wegen der vielen Verletzten. Von den zehn gemeinsamen Monaten hatten wir vielleicht insgesamt einen, in dem wir mit fünf gegen fünf trainieren konnten. Das hat man auch auf dem Feld gemerkt.“

Nr 12: Trey Lewis

Der US-Guard war beim Trainingslager in Innsbruck der Zimmergenosse von Marius Adler. „Das ist ein sehr extrovertierter Typ“, sagt das Bayreuther Eigengewächs und schmunzelt. „Kürzlich beim Fotoshooting war er so richtig in seinem Element.“

Steve Wachalski schmunzelt mit und geht noch einen Schritt weiter: „Er ist so etwas wie der Clown in der Mannschaft, ein Showman, der gern im Vordergrund steht. So einen braucht man auch in einem Team – nur zu viele davon wären schlecht.“ (lacht) Spielerisch sei Lewis noch anzumerken, dass er frisch vom College kommt: „Er kann alles, aber er muss es noch richtig dosieren. Manchmal ist er noch zu ungestüm und will mit dem Kopf durch die Wand. Seine Stärken werden uns aber in jedem Fall sehr helfen.“

Nr. 15: Robin Amaize

„Charakterlich 1a“, sagt Steve Wachalski über den Ex-Braunschweiger. „Er hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Ich glaube, ich habe ihn noch nie schlecht gelaunt gesehen.“ Spielerisch habe er Amaize gar nicht auf dem Schirm gehabt: „Aber man hat gleich sein Potenzial gesehen: Ballbehandlung und Zug zum Korb sind stark. Aber natürlich macht er noch die Fehler eines jungen Spielers, und sein Wurf kann noch besser werden.“

Für Marius Adler könnte Amaize ein persönliches Vorbild sein, zumal sogar die Spielposition vergleichbar ist: „In den drei Jahren bei Raoul Korner in Braunschweig hat er sich einen Platz in der Wechselrotation erarbeitet – vom Pro-B- und Trainingsspieler zum konstanten Rollenspieler.“

Nr. 17: Moritz Trieb

„Supernett, super Einstellung“, schwärmt Marius Adler vom jungen Spielmacher. „In der NBBL wird er eine riesige Rolle spielen und auch in der Regionalliga. Da wird er sich als Einser zwar auch mit gestandenen Amerikanern messen müssen, aber das macht mir keine Sorgen.“

Steve Wachalski hat imponiert, wie der 18-Jährige seine relativ große Rolle während der Vorbereitung in Abwesenheit von Bastian Doreth gespielt hat: „Er lernt sehr schnell. Die Jungen kriegen ja immer auf den Deckel, wenn es mal nicht läuft, aber davon lässt er sich nicht beirren. Er macht sein Ding und will jeden Tag besser werden – gute Arbeitseinstellung!“

Nr. 19: Nils Dejworek

Steve Wachalski lacht bei der Frage, ob man sich so Steve Wachalski vor zehn Jahren vorstellen kann: „Er hat einen guten Wurf für seine Größe, aber körperlich muss er natürlich noch zulegen, wenn er auch auf Position fünf spielen will. Helfen wird ihm seine College-Erfahrung. Das merkt man schon daran, wie er mit den Amerikanern umgeht. Mit ihm und über ihn wird viel gelacht.“ Marius Adler erwartet von Dejworek vor allem eine Führungsrolle in der Regionalliga: „Er hatte schon eine große Rolle in Gotha und dabei eine gute Saison. Ich bin sicher, dass er daran anknüpfen kann.“

„Wenn ich ihn sehe, lacht er immer“, sagt Steve Wachalski über seinen Partner auf Position vier. „Ich frage mich schon, ob das nur gute Laute ist oder irgendeine anatomische Besonderheit.“ Spielerisch sei der Amerikaner „ein Wühler unter dem Korb, der aber auch mal von außen treffen kann“: „Das ist ein guter Mix.“ Eine gewisse Rivalität im Kampf um Einsatzminuten sei nicht zu leugnen: „Man versucht schon, den anderen im Training schlecht aussehen zu lassen. So sollte es aber auch sein.“ Marius Adler beschreibt Brooks als „harten Arbeiter, der immer hundert Prozent gibt“: „Und als Typ wirklich nett. Der nimmt alles positiv.“

Nr. 50 Assem Marei

„Das ist ein Rebound-Monster“, zeigt sich Steve Wachalski beeindruckt vom neuen Medi-Center. „Das ist komisch, weil er gar nicht so athletisch ist. Aber er steht gut und setzt seinen Körper klug ein. Das war im Vorjahr unser Problem, deswegen wird er uns sehr weiterhelfen.“ Als Exot nehme er den ersten Ägypter in der BBL gar nicht wahr: „Mit seiner College-Erfahrung ist er für mich ein Amerikaner. Er spricht auch akzentfrei Englisch.“ Auch bei der Eingewöhnung sieht er keine Probleme: „Es ist gut, dass seine Frau mir hier ist – und sein Hund. Er scheint mir ein Familientyp zu sein.“

Marius Adler hat seine ganz speziellen persönlichen Erfahrungen mit Assem Marei: „Wir haben einen Deal: Er bringt mir jeden Tag ein Wort in Arabisch bei und ich ihm dafür eines in Deutsch. Als erstes habe ich ,guten Morgen’ gelernt, und revanchiert habe ich mich mit: ,Ich habe Hunger.’

Nachwuchsarbeit und Traininngsaufbau: Lob für Raoul Korner

Große Erwartungen verbindet man bei Medi Bayreuth mit dem neuen Trainer Raoul Korner. Das ist bei Marius Adler nicht anders: „Ein großer Punkt ist die stark verbesserte Jugendarbeit. Er kennt nicht nur jeden Trainer, sondern auch die Spieler in allen Klassen. So hat er Jevon Perschnick gesehen und gleich gesagt: Komm zu unserem Training! Da weht ein erfrischender Wind, und der wird uns langfristig nach vorn bringen.“

Routinier Steve Wachalski hat naturgemäß einen anderen Blickwinkel auf den neuen Coach: „Der Trainingsaufbau ist anders als im letzten Jahr, aber das hat natürlich auch damit zu tun, dass jetzt einfach mehr Spieler da sind. Außerdem ist der Trainerstab größer. Früher war es schwer, individuell auf jeden Spieler einzugehen. Jetzt haben wir zusätzlich einen Athletiktrainer, das ist sehr positiv.“

Spielerisch hat er dagegen keine so wesentlichen Neuerungen ausgemacht. „Nach so vielen Jahren sehe ich kaum noch große Unterschiede. Basketball ist im Prinzip doch immer ziemlich gleich und unterscheidet sich meist nur in Details. Wir sind sicher nicht das körperlich größte Team. Wir wollen in erster Linie hart verteidigen und schnell spielen – aber das wollten wir im Vorjahr auch schon. Das hat jedoch nicht richtig geklappt, obwohl wir fast schon ein überathletisches Team hatten. Sicher lag das auch an den vielen Verletzten.“

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