IHK-Wahl: 270 Unternehmer gesucht

Oliver Gießübel will bei der konstituierenden Sitzung des IHK-Gremiums Bayreuth Mitte Februar nicht mehr als Vorsitzender kandidieren (wir berichteten). Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, wirbt er leidenschaftlich dafür, dass sich die heimischen Unternehmer an der Wahl beteiligen. "Weil es einfach Spaß macht, sich bei der IHK für die heimische Wirtschaft zu engagieren." Die fünf Jahre seien herausfordernd, aber stets spannend gewesen. "Ehrenamt lebt nun mal vom Mitmachen, und jetzt darf und soll ein anderer an die Gremiumsspitze in Bayreuth", sagt der Inhaber mehrerer Sportgeschäfte, der einst "wie die Jungfrau zum Kinde" zu einem Sitz im Gremium kam. "Doch dann habe ich mich eingearbeitet, eben mitgemacht" - und Verantwortung übernommen, bis hin zum Amt des IHK-Vizepräsidenten.

Wirtschaftsfreundliches Klima

Aber was machen die Gremien und ihre Mitglieder überhaupt? "Zur gesellschaftlichen Meinungsbildung beitragen, möglichst für ein wirtschaftsfreundliches Klima sorgen, indem sie sich in Diskussionsprozesse einbringen und gute Netzwerkarbeit betreiben - Lobbyismus im besten Sinne." So umschreiben Gießübel und Gunter Sauer, der Geschäftsführer des IHK-Gremiums Bayreuth, Aufgabe und Anforderung. Und zwar in einer großen Bandbreite: von der Stellungnahme zu einem örtlichen Bebauungsplan bis - ganz aktuell - zur Mitwirkung am Aktionsplan zur Abmilderung der Teilschließung des BAT-Werks in Zusammenarbeit mit regionaler und Landespolitik sowie der Universität.

Über den Tellerrand schauen

Auf der anderen Seite sei es wichtig, so Gießübel, die Probleme und Sorgen der IHK-Mitgliedsbetriebe aufzunehmen und unter anderem ins Hauptamt der Kammer zu tragen, damit auch dort reagiert und geholfen werden könne. Und nicht zuletzt profitiere auch der Unternehmer selbst, "weil er als Gremiumsmitglied über den eigenen Tellerrand schauen kann".

Kammerkritiker

Mit Kammerkritikern müsse man sich ernsthaft auseinandersetzen, aber er sehe keine Alternative für eine "Selbsthilfeorganisation der Wirtschaft, bei der jedes Unternehmen gleich viel zählt", jeder Unternehmer eine Stimme habe, egal wie groß die Firma ist. Und bei der keine Einzelinteressen vertreten würden, sondern unter anderem versucht werde, auf ein insgesamt wirtschaftsfreundliches Klima hinzuwirken.

Keine Illusionen

Deshalb sei es so wichtig, dass die Unternehmer wählen. Wobei sich Gießübel und Sauer keine Illusionen machen. Eine Wahlbeteiligung über 20 Prozent sei ein Erfolg, vor fünf Jahren habe sie im Raum Bayreuth knapp darunter gelegen.

Dass er selber nicht mehr für den Gremiumsvorsitz antritt? Kein Problem. "Im Gremium werden 40 gestandene Unternehmer sitzen, von denen jeder in der Lage ist, den Vorsitz zu übernehmen. Das wird sich ergeben", sagte Gießübel.

Der Wahl-Fahrplan

 

  • Noch bis 25. Januar können rund 47.000 oberfränkische Unternehmer ihre Vertreter in die acht IHK-Gremien Bayreuth, Bamberg, Hof, Marktredwitz/Selb (je 40 Mitglieder) sowie Forchheim, Kronach, Kulmbach und Lichtenfels (je 30 Mitglieder) wählen. Für die insgesamt 270 Posten stellen sich 391 Kandidaten zur Wahl. In Bayreuth sind es 61 Kandidaten für 40 Gremiumsmitglieder aus den Bereichen Dienstleistungen (16), Industrie (14) und Handel/Tourismus (10).

 

 

  • Am 31. Januar wird oberfrankenweit ausgezählt.

 

 

  • Mitte Februar finden die konstituierenden Sitzungen der IHK-Gremien statt. Hier werden auch die insgesamt 85 Vollversammlungsmitglieder gewählt, Bayreuth stehen 17 davon zu. Außerdem wird ein Gremiums-Vorsitzender bestimmt, der automatisch in die Vollversammlung einzieht und in der Regel auch einen der sieben IHK-Vizepräsidenten sein wird - wenn er nicht zum Präsidenten gewählt wird.

 

 

  • Am 3. April findet die konstituierende Sitzung der Vollversammlung statt. Aus der Mitte der 85 Mitglieder wird ein neuer Präsident gewählt, nachdem sich Heribert Trunk nach fünf Jahren von dem Amt zurückzieht.

 

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