IHK treibt digitalen Wandel voran

Der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm betont: „Wir wollen damit ein Signal aussenden, dass Oberfranken eine Zukunftsregion ist.“ Unterstützung auf dem Weg zur Pilotregion erhofft sich die Kammer nicht nur von der Staatsregierung in München, sondern auch von Brüssel. Brehm freut sich, dass EU-Kommissar Günther Oettinger Wort hält und – wie zugesagt – Oberfranken besuchen wird. Oettinger, der in der Europäischen Kommission für das Ressort „Digitale Wirtschaft und Gesellschaft“ zuständig ist, trifft sich am Freitagabend mit der IHK-Spitze sowie Vertretern aus Politik und Wissenschaft in Bayreuth.

Die hiesigen Akteure wollen mit ihm darüber sprechen, wie die Region EU-Förderung für ihre digitalen Vorhaben und Zugang zu wichtigen Ansprechpartnern in Brüssel erhalten kann. „Die Mittel auf europäischer Ebene sind vorhanden“, sagt Brehm. Er verweist explizit auf den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI), mit dessen Hilfe Wachstumsimpulse in der EU ausgelöst werden sollen.

Wissenstransfer-Zentrum kommt

Die digitale Agenda der IHK sieht mehrere Projekte vor, die ein Volumen von bis zu 650.000 Euro erreichen. Einige davon liegen bereits zur Prüfung in den zuständigen bayerischen Ministerien, wie Brehm berichtet. So soll ein oberfränkisches Wissenstransfer-Zentrum aufgebaut werden, das den Mittelstand beim digitalen Wandel unterstützen soll. Im Mittelpunkt steht dabei die Verzahnung von industrieller Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik – Stichwort Industrie 4.0.

Im Blick hat die Kammer auch den Einzelhandel. Bei diversen Projekten sollen Strategien entwickelt werden, wie der Handel seine digitalen Angebote und seine digitale Beratung verbessern kann. Ebenso soll erörtert werden, wie Händler unterschiedliche Marketing- und Verkaufskanäle optimal integrieren, um die Aufmerksamkeit der Konsumenten auf sich zu ziehen und deren Bedürfnisse zu befriedigen.

Fahrt mehr Elektroautos

Elektromobilität ist ein weiteres Handlungsfeld. Ihr gehöre die Zukunft, heißt es in einem Positionspapier der IHK. Deshalb soll ein Anwendungs-Kompetenzzentrum für Elektromobilität eingerichtet und ein Kompetenzverbund Batterie- und Akkumulatorentechnik gegründet werden. Gemeinsam mit ihren Partnern will die IHK auch überlegen, wie die Rahmenbedingungen – etwa die Ladeinfrastruktur und steuerliche Instrumente – verbessert werden können, damit deutlich mehr Unternehmen und Privatpersonen Elektrofahrzeuge nutzen.

Für die Gesundheitswirtschaft bietet die Digitalisierung nach Einschätzung der Kammer ebenfalls große Chancen. Tragbare Computer-Systeme, sogenannte Wearables, Apps und digitale Services revolutionieren das Zusammenspiel von Ärzten, Patienten, Krankenkassen und Pharmaindustrie, heißt es in dem IHK-Papier. Dabei seien elektronische Assistenz-Systeme immer wichtiger. Mit ihrer Rolle soll sich folglich eine Arbeitsgruppe beschäftigen. Weiterhin wollen die Partner das telemedizinische Angebot ausbauen. Nachgedacht werden soll ebenfalls darüber, wie die technologischen Potenziale der Gesundheitskarte noch besser genutzt werden können – einerseits, um die um die Versorgung von Patienten zu verbessern und andererseits, um Akteure im Gesundheitswesen besser zu vernetzen.

Energienetzwerk in Planung

„Die Zukunft der Energieversorgung liegt in der Digitalisierung der Verbrauchssteuerung“, schreibt die IHK. Sie möchte ein oberfrankenweites Expertennetzwerk gründen, das sich mit den Themen Netzdigitalisierung, Energieforschung und Speicherinfrastruktur auseinander setzt. Trotz aller ambitionierten Projekte – der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Brehm warnt davor, beim digitalen Transformationsprozess die Menschen zu vergessen. Deshalb müsse großer Wert auf die Ausbildung und Weiterqualifizierung gelegt werden, um die Arbeitnehmer auf die Anforderungen einer immer stärker vernetzten Wirtschaftswelt vorzubereiten. Ausbildungsinhalte in Beruf und Studium müssten entsprechend angepasst beziehungsweise erneuert werden.

In der Kammer ist man sich im Klaren darüber, dass eine flächendeckende Breitbandversorgung die Grundvoraussetzung für eine digitale Pilotregion Oberfranken ist. „Wir sind hier noch nicht gut aufgestellt. Unsere Region hat erheblichen Nachholbedarf“, redet Brehm Klartext. Bayern will bis 2018 ein flächendeckendes Hochgeschwindigkeitsnetz schaffen. Die IHK habe sich massiv bei den Kommunen für den Breitbandausbau eingesetzt, sagt Brehm. Alle Kommunen im Kammerbezirk nähmen am Breitband-Programm der Staatsregierung teil.

Gigabit-Netze als Standard

Die IHK sieht das Ziel der Politik, eine flächendeckende Breitbandversorgung von mindestens 50 Megabit pro Sekunde bis 2018, nur als Meilenstein an. Mit Wohlwollen ist in der Kammer der jüngste Beschluss des CSU-Parteivorstands aufgenommen worden, wonach Gigabit-Netze mittelfristig Standard im Freistaat sein sollen.

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