IHK-Präsidentin verpasst Maulkorb

Weigand gerät zunehmend unter Druck. In den Reihen der Vollversammlung wächst die Kritik wegen der schnellen Trennung von Hauptgeschäftsführerin Christi Degen. Weigand versucht in dem Brief an die Vollversammlungs-Mitglieder, die Wogen zu glätten.

Die IHK für Oberfranken Bayreuth und Christi Degen hätten sich getrennt, „weil beide Seiten eine weitere konstruktive Zusammenarbeit nicht als Erfolg versprechend angesehen haben“, erläutert Weigand den Grund für die Personalmaßnahme, ohne nähere Details zu nennen. Weiter heißt es: „Leider wird diese beidseitige Personalentscheidung in den vergangenen Tagen in einigen oberfränkischen Medien diskutiert und kommentiert. Bitte seien Sie versichert, dass niemand mehr als Frau Degen und das Präsidium Interesse daran haben, Personalentscheidungen nur in den dafür zuständigen Gremien der IHK zu diskutieren und nicht öffentlich. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als bedauerlich, dass diese sensible Personalfrage wohl durch eine gezielte Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt ist.“

Beschwichtigungsversuche

Auf die zunehmende Kritik von Vollversammlungs-Mitgliedern, über die unsere Zeitung ausführlich berichtete, reagiert Weigand mit Beschwichtigungsversuchen: „Natürlich haben Sie als IHK-Ehrenamt aus nachvollziehbaren Gründen Fragen. Natürlich können Sie Erklärungen erwarten, die Sie selbstverständlich auch erhalten werden. Gerade mit Rücksicht auf die Betroffenen möchte ich Sie aber um Verständnis bitten, dass ich als Präsidentin derartige Fragen nicht über die Medien beantworten kann und will. Stillschweigen gegenüber der Öffentlichkeit ist das, was wir als Präsidium mit Frau Degen auch vereinbart haben.“

An diese Vereinbarung „werden sich die Präsidiumsmitglieder und ich mich selbst natürlich halten“, heißt es weiter. Zunächst wolle man der IHK-Vollversammlung Rede und Antwort stehen. Degen habe sich bei einem von ihr gewünschten „Abschiedstag“ bereits von den Mitarbeitern verabschiedet und die IHK verlassen.

Hohe Sensibilität

Der Termin für eine außerordentliche Präsidiumssitzung sei für den 15. Mai anberaumt. Dann werde das Präsidium beraten, ob und wann eine Sondersitzung der Vollversammlung stattfinden könne. „Dort ist der richtige Platz, den Sachverhalt in Ruhe und ausführlich zu diskutieren und das weitere Vorgehen abzustimmen. Über die Termine werde ich Sie umgehend informieren. Im Übrigen möchte ich auch Sie bitten, gegenüber den Medien mit hoher Sensibilität vorzugehen und interne Entscheidungen, vor allem Personalangelegenheiten, nicht zu kommentieren.“

Nach Informationen unserer Zeitung gibt es nicht nur in der Vollversammlung, sondern auch im Präsidium mit seinen sieben Vizepräsidenten Widerstand wegen Weigands spektakulärem Beginn ihrer Präsidentschaft. Aus Sicht vieler IHK-Insider war die Personalentscheidung übereilt. Immerhin sei Degen vom Präsidium einstimmig bestellt worden, sagte ein Insider unserer Zeitung. Viele Mitglieder der Vollversammlung beklagten, dass sie über die jüngsten Vorgänge schlecht informiert würden. Sie würden immer wieder wegen der IHK-Schlagzeilen befragt, aber „sie wissen von nichts“. Das Vorgehen der IHK wird als „unmöglich“ bewertet. Die Hauptgeschäftsführerin habe man „mitten aus ihren Projekten gerissen“. Auch die Kostenfrage, die mit der Personalentscheidung verbunden ist, ist immer wieder Thema.

Eine interne Neubesetzung des IHK-Chefpostens scheint wahrscheinlich. Zur Wahl stehen die stellvertretenden Hauptgeschäftsführer Gabriele Hohenner und Wolfram Brehm. Hohenner, der gute Verbindungen zu Weigand nachgesagt werden, und Brehm gelten als erfahrene IHK-Manager.

 

Wortlaut des Briefes von IHK-Präsidentin Sonja Weigand

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

die IHK für Oberfranken Bayreuth und Hauptgeschäftsführerin Christi Degen haben sich getrennt, weil beide Seiten eine weitere konstruktive Zusammenarbeit nicht als Erfolg versprechend angesehen haben. Leider wird diese beidseitige Personalentscheidung in den vergangenen Tagen in einigen oberfränkischen Medien diskutiert und kommentiert.

Bitte seien Sie versichert, dass niemand mehr als Frau Degen und das Präsidium Interesse daran haben, Personalentscheidungen nur in den dafür zuständigen Gremien der IHK zu diskutieren und nicht öffentlich. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als bedauerlich, dass diese sensible Personalfrage wohl durch eine gezielte Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Natürlich haben Sie als IHK-Ehrenamt aus nachvollziehbaren Gründen Fragen. Natürlich können Sie Erklärungen erwarten, die Sie selbstverständlich auch erhalten werden. Gerade mit Rücksicht auf die Betroffenen möchte ich Sie aber um Verständnis bitten, dass ich als Präsidentin derartige Fragen nicht über die Medien beantworten kann und will. Stillschweigen gegenüber der Öffentlichkeit ist das, was wir als Präsidium mit Frau Degen auch vereinbart haben.

An diese Vereinbarung werden sich die Präsidiumsmitglieder und ich mich selbst natürlich halten. Unsere Position ist es, zunächst dem zuständigen Gremium, also der IHK-Vollversammlung, Rede und Antwort zu stehen. Wir bedauern es sehr, dass durch die Medienberichte zum Teil ein falsches Bild gezeichnet wird, aber wie erwähnt, ist Stillschweigen beidseitig vereinbart. Frau Degen, dies zu Ihrer Information, hat sich bei einem von ihr so gewünschten „Abschiedstag“ bereits von den Mitarbeitern verabschiedet und die IHK verlassen. Der Termin für eine außerordentliche Präsidiumssitzung ist bereits für den 15. Mai 2017 anberaumt. Das Präsidium wird beraten, ob und wann eine Sondersitzung der IHK-Vollversammlung stattfinden kann. Dort ist der richtige Platz, den Sachverhalt in Ruhe und ausführlich zu diskutieren und das weitere Vorgehen abzustimmen. Über die Termine werde ich Sie umgehend informieren. Im Übrigen möchte ich auch Sie bitten, gegenüber den Medien mit hoher Sensibilität vorzugehen und interne Entscheidungen, vor allem Personalangelegenheiten, nicht zu kommentieren.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre

Sonja Weigand

Präsidentin der IHK

für Oberfranken Bayreuth“

 

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Kommentare

Es hat bestimmt eine großzügige Abfindung gegeben.
... und die Mitglieder bezahlen das mit ihrer Zwangsmitgliedschaft, wie schon bei der Pleite der Akademie und anderer Misswirtschaft in der IHK. Die Zwangsmitgliedschaft gehört abgeschafft, weil die IHK, wenn sie so toll ist, wie sie sagt, tausende freiwillige Mitglieder hätte. Und dann müssten sie aber auch schauen, wie sie für die Mitglieder attraktiv sind und sich nicht in persönlichen, unnötigen Grabenkämpfen verlieren.
So ist es!