IHK plant rasche Neubesetzung

Rein formal geht es nun so weiter: Das Präsidium schlägt einen Nachfolger vor, die Vollversammlung muss zustimmen. Das Präsidium will sich nach Informationen unserer Zeitung zeitnah zu einer Sondersitzung treffen und danach relativ kurzfristig eine Vollversammlung einberufen. Gut möglich, dass die Personalie in vier Wochen erledigt ist. Was aber nur machbar ist, wenn es zu einer internen Besetzung des Chefpostens kommt.

Unverständnis

Die überraschende Trennung der IHK von ihrer Hauptgeschäftsführerin hat bei Mitgliedern der Vollversammlung Unverständnis ausgelöst. Auch die, die scheinbar schon länger von Problemen wussten, zeigten sich überrascht: „Dass das so schnell passiert, davon bin auch ich nicht ausgegangen.“

Eine andere Stimme aus dem 85 Köpfe zählenden Parlament der oberfränkischen Wirtschaft brachte auf den Punkt, was viele denken: „Ich war wie von den Socken.“ Der Einstand der neuen Präsidentin Sonja Weigand sei zu einem „fürchterlichen Bild“ geworden. Menschlich gesehen sei diese Personalentscheidung ein ganz schlechtes Signal. „Wenn das die neue Art ist, gebe ich meinen Platz in der Vollversammlung gerne her.“ Man hätte die zwei Jahre, die Degens Vertrag noch gelaufen wäre, getrost abwarten und dann eine Entscheidung treffen  können. Schließlich habe die  IHK-Chefin „keine silbernen Löffel geklaut“.

"Keine silbernen Löffel geklaut"

Auch ein anderes Mitglied der Vollversammlung weist eventuelle Gerüchte über grobe Verfehlungen von Degen zurück: „Silberne Löffel hat sie mit Sicherheit nicht geklaut.“ Die Hauptgeschäftsführerin sei aber in Oberfranken „nicht angekommen“. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, wann eine personelle Veränderung stattfinden würde. Dass die Nachricht nun „unkontrolliert“ in die Öffentlichkeit gelangt sei, sei bedauerlich.

„Ich find’s etwas komisch“, sagt ein anderes Vollversammlungsmitglied und meint damit die Umstände der Personalentscheidung. Die Trennung von Degen habe nicht allein die neue Präsidentin zu verantworten, sondern das gesamte achtköpfige Präsidium mit den sieben Vizepräsidenten, die die Entscheidung gemeinschaftlich getroffen hätten. Wenn jetzt eine Abfindung gezahlt werden müsste, dann sei dies nicht gut. „Ich mag keine Abfindungen“, sagt der Unternehmer. Degen sei fleißig gewesen, „vom Image her nicht verbrannt“. Auch wenn der Chefposten intern besetzt werden sollte, sei das unterm Strich nicht kostenneutral, gibt er zu bedenken. Denn: „Die Arbeitsleistung von Frau Degen fehlt.“

Gegenbewegung

Ein anderer Unternehmer, ebenfalls in der Vollversammlung, vermutet, dass die Personalentscheidung nicht kurzfristig getroffen wurde: „Da ist etwas vorbereitet gewesen. Da gab es eine Kraft, die mitgewirkt hat.“ Wie bei einem Feuer, „das plötzlich Sauerstoff kriegt“. Degen habe in der IHK wohl keine Hausmacht im positiven Sinn gehabt und stand deshalb auf verlorenem Posten. Sie habe die Kammer nicht hinter sich gebracht. Eine „starke Gegenbewegung“, die nur darauf gewartet habe, dass Präsident Heribert Trunk abtritt, sei nun aktiv geworden.

4 (2 Stimmen)

Anzeige