Hüpfen auf dem Mond

Eine Netzlandschaft aus Edelstahlseilen. 480 Quadratmeter Fläche. Zum Toben. Springen. Laufen. Basketballspielen. Ja, Basketballspielen.

Gespannt wie ein Zeltdach. Ein bisschen angelehnt an das Dach des Olympiastadions in München. Ein Netz, bei dem alles haargenau passen muss. "Wir hatten teilweise Abweichungen von 20 Zentimetern", sagt Ferwagner. Abweichungen bei den Fundamenten für die Stützen, die das Netz tragen. Womit die Dicke der Haare von Betonbauern klar ist. Ungefähr zumindest.

Ferwagner baut weltweit Spektakuläres

Thomas Ferwagner aus Stuttgart ist Architekt, Designer und Schreiner. Er hat vor 26 Jahren das Planungsbüro Officium gegründet. Und ein Jahr später erfunden, was ihm heute noch ein Alleinstellungsmerkmal sichert: Netze aus Edelstahlseil. Ferwagner und sein Team sind weltweit unterwegs. Bauen Zoo-Anlagen wie das Bonobo-Gehege in der Stuttgarter Wilhelma, Fassaden wie die des Towers in Newcastle. Ferwagner baut auch Kunst: Das Netz "In Orbit" des Künstlers Tomas Saraceno in der Kunstsammlung K21 in Düsseldorf. Oder ein Netz, das ein bisschen als Vorbild dient für das, das in Bayreuth gebaut wird: Im brasilianischen Pavillon auf der Expo in Mailand. "Innerhalb eines halben Jahres sind da rund 2,8 Millionen Menschen drübergelaufen", sagt Ferwagner, der am heutigen Mittwoch 54 Jahre alt wird.

Vier Tonnen schweres Monster

"Schon verrückt, was die sich ausgedacht haben", sagt Ferwagner. Die, das sind die Architekten Hahn Hertling von Hantelmann (HHvH) aus Berlin, die für das gestalterische Konzept auf der Landesgartenschau verantwortlich sind. Ihre Idee von dem Netz setzt Ferwagner um. Und rechnet neu, seit er die Haargenauigkeit der Fundamente kennt. "Nachdem die Fundamente gebaut waren, haben wir eine 3-D-Vermessung gemacht. Jetzt kommt die Fertigungsplanung für den Stahlbau und das Netz", sagt Ferwagner. "Die Druckbelastung muss genau ausgetüftelt werden. Das Netz wird komplett einbaufertig geliefert. Da muss alles passen. Man kann nicht hier oder dort noch ein bisschen ziehen, dass man es einhängen kann." Nicht bei einem rund vier Tonnen schweren Monster, das angelegt ist für eine halbe Ewigkeit von 30 Jahren. So haben es die Bayreuther bestellt. Als dauerhaften Spielplatz. So weit wie möglich wartungsfrei.

In der Art noch nie gebaut worden

"Hohe Qualität überall", sagt der Stuttgarter. "In der Art ist das Projekt noch nie gebaut worden." Entsprechend aufwendig die Prüfungen und die Vorgaben. In Singapur, am Flughafen, wollen sie jetzt ein ähnliches Netz haben. Allerdings nicht zwei Meter über dem Boden, sondern in 25 oder 28 Meter Höhe. Dort gibt es aber nicht das Problem, das Ferwagner in Bayreuth mit einrechnen muss. Auch wenn es den Bayreuthern nicht so vorkommt: "Ihr habt so viel Schnee da oben", sagt Ferwagner. "Und der bleibt auf dem Netz auch besonders lange liegen. Deshalb müssen wir eine Last einberechnen von mindestens 125 Kilo pro Quadratmeter, die das Netz aushalten muss."

Netz kommt kurz vor der Eröffnung

Zwei bis drei Wochen vor der Eröffnung, sagt Ferwagner, werde das Netz geliefert und eingehängt. Ein Moment, dem Alexander Bölk, der Projektleiter des Landschaftsarchitekturbüros HHvH, entgegen fiebert. Denn das Sportkabinett ist "eine der Baustellen, bei der wir die Zeit bis zur Eröffnung brauchen", sagt Bölk. "Die Jungs von der Baufirma sind schon gut vorangekommen. Aber manche Sachen kann man nur bauen, wenn es über fünf Grad draußen hat." Den Gummischutz, der unters Netz kommt. zum Beispiel.

Laufen statt klettern

"Der Kick der Netzlandschaft ist, dass man drauf rum laufen kann. Dass man drauf Ball spielen kann. Man jumpt drauf rum wie auf einem schwebenden Boden. Man kann da laufen wie auf dem Mond", sagt Bölk. Andere Netzlandschaften sind Kletternetze. In Bayreuth ist es ein Laufnetz. Mit einer zwei Tonnen schweren Glasfaserkugel in der Mitte. Auf die aber kann man klettern. Sich auf ihr auf und ab schwingen lassen. Was dann haargenau ein ziemlich cooles Gefühl sein dürfte.  

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