Huk: Wir planen mit weiterem Wachstum

Herr Heitmann, was schätzen Sie an der Huk?

Klaus-Jürgen Heitmann: Bereits 1996 hatte ich meine erste Berührung mit der Huk, damals noch als Mitarbeiter der Unternehmensberatung Mummert. Ich habe dann vier Jahre lang in Projekten für die Huk gearbeitet. Dabei habe ich festgestellt, dass das ganze Unternehmen eine wirklich sehr ernst gemeinte Kundenorientierung in sich trägt. Das ist Ausdruck der besonderen Rechtsform der Huk, eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit. Daraus ergibt sich, dass wir für die Kunden da sind, um einen preisgünstigen Versicherungsschutz mit gutem Service zu gewährleisten. Das Bemühen, den Kunden zufrieden zu stellen, prägt den Geist unseres Hauses. Das schätze ich sehr.

 

Ist die Kundenorientierung wirklich das Erfolgsmodell, das die Huk zu Deutschlands größtem Autoversicherer gemacht hat?

Heitmann: Kundenorientierung hat mehrere Facetten. Das heißt auch, wir wollen unsere Dienstleistung für unsere Kunden günstig anbieten. Wir sind nicht der billige, sondern der sehr günstige und trotzdem sehr serviceorientierte Versicherer.

 

Trägt das Prinzip, günstig und serviceorientiert zu sein, in die Zukunft?

Heitmann: Natürlich! Wir haben überhaupt keinen Anlass, etwas fundamental zu verändern, was sich für uns in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten als enorm erfolgreich erwiesen hat. Im Gegenteil: Die Kernkompetenz, günstig zu sein, wird bleiben, braucht aber eine Übersetzung in die digitalisierte Welt.

 

Das führt zum Thema „autonomes Fahren“. Rollt ein Problem auf die Versicherungswirtschaft zu, wenn Sensoren und Computer Autos steuern und nicht mehr der Mensch?

Heitmann: Bis ein Auto vollkommen selbstständig fährt, wird es deutlich länger dauern, als es manche Experten derzeit prognostizieren.

 

Was heißt „deutlich länger“?

Heitmann: Vollständig autonom fahrende, vom Gesetzgeber für alle Verkehrssituationen zugelassene Fahrzeuge auf Autobahnen, auf Landstraßen und in Städten werden wir nach unserer Einschätzung nicht vor 15, eher erst in 25 Jahren sehen. Aber auf dem Weg dahin werden Autos mit immer mehr Assistenzsystemen ausgerüstet. Dazu zählen Notfall-Bremssysteme. Sie werden dazu führen, dass die Zahl der Unfälle sinkt. Aber auch das wird noch einige Zeit dauern.

 

Das heißt, dass die Kosten, die für die Begleichung von Unfallschäden zu zahlen sind, steigen, weil die Reparatur oder der Austausch beschädigter Technik teuer ist?

Heitmann: Das sind Effekte, die für die nächsten zehn, 15 Jahre zu erwarten sind. Dann werden die Schäden spürbar zurückgehen. Auf dem Weg dahin werden wir im Durchschnitt eine Verteuerung der Schäden haben.

 

Schlägt das auf die Höhe der Versicherungsbeiträge durch?

Heitmann: Diese Frage kann man aus heutiger Sicht nicht seriös beantworten. Und es stellt sich die grundsätzliche Frage, was bedeutet autonomes Fahren für das Geschäftsvolumen der Autoversicherung in Deutschland, was bedeutet es für das Hauptgeschäftsvolumen der Huk. Das muss man genau analysieren. Die neue Technik hält heute Einzug zunächst in die hochpreisigen Fahrzeuge. Ich bleibe bei der Einschätzung, dass die Technik im Massenmarkt noch relativ lange auf sich warten lässt.

 

Trotzdem müssen Sie sich mit der Frage beschäftigen, wer haftet, wenn die Technik in einem Auto versagt und ein Unfall die Folge ist.

Heitmann: Es darf auch morgen keinen Unterschied machen, was am Ende der genaue Auslöser für einen Unfall war. Für das Opfer muss es bei einem einfachen Zugang zum Schadenersatz bleiben. Das ist in Deutschland heute mit der Halterhaftung ganz hervorragend gelöst. Das Prinzip ist einfach, aber gut: Wer ein Auto, also eine Maschine, von der eine Gefahr ausgeht, in den Verkehr bringt, muss am Ende dafür haften, wenn ein Unfall passiert. Da darf es auch künftig keinen Unterschied machen, ob die Maschine versagt hat oder der Mensch. Es wäre nicht gut, wenn ein Opfer einem Hersteller nachweisen müsste, dass sein Auto versagt hat.

 

Die Huk hat den Tarif Smart-Driver eingeführt. Fahranfänger zahlen weniger, wenn sie auf den Straßen defensiv unterwegs sind. Dazu werden Daten aus dem Auto übertragen, die Rückschlüsse auf das Fahrverhalten ermöglichen. Lässt sich das Geschäftsmodell auf andere Versicherungsbereiche übertragen?

Heitmann: Es gibt diese Modelle im Markt, beispielsweise bei Lebens- oder Krankenversicherungen, indem Daten über die individuelle körperliche Fitness eines Kunden, die ein Armband überträgt, ausgewertet werden. Wir arbeiten nicht an solchen Tarifen, und denken aktuell darüber auch nicht nach.

 

Aber Sie könnten den Kfz-Tarif „Smart Driver“ anderen Generationen anbieten.

Heitmann: Ja, wir überlegen, das Angebot für alle Fahrergenerationen zu öffnen und nicht nur Fahranfängern zur Verfügung zu stellen. Zum einen nimmt die gesellschaftliche Akzeptanz für solche Angebote zu. Zum anderen sind Menschen aufgeschlossen für Rabattierungen. Gerade bei jungen Leuten, die in der Autoversicherung hohe Prämien zahlen müssen, lohnt sich unser datenbasiertes Angebot. Wir stehen aktuell bei rund 30 000 „Smart-Driver“-Verträgen. Das ist nicht wenig. Ganz grundsätzlich ist zu sagen, wir werden in unserem Markt für Mobilität morgen viele Geschäftsmodelle haben, die auf Daten basieren.

 

Das Zinsniveau ist anhaltend niedrig. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht. Schlägt dies auf den Ertrag der Huk durch?

Heitmann: Natürlich haben niedrige Zinsen Einfluss auf die Ertragslage eines Versicherers, und zwar massiv, insbesondere auf die der Lebensversicherer. Aber leider trifft die Situation in erster Linie Kunden. Denn der Großteil der Zinsen auf ihre Beiträge steht den Versicherten zu. Die Einnahmeausfälle sind hier teilweise schon deutlich spürbar. Das kann man aber nicht den Versicherern vorwerfen, denn die können die Gelder auch nur an den Kapitalmärkten anlegen. Sie können nur das erwirtschaften, was in diesen Märkten möglich ist. Auch als Unternehmen spüren  wir natürlich, dass Kapitalerträge kleiner werden. Den Niedrigzinseffekt haben wir für unser Unternehmen bislang ganz gut ausgleichen können.

 

Die Gewerbesteuerzahlungen, die die Huk an die Stadt Coburg leistet und die maßgeblich zu deren üppiger Finanzausstattung beitragen, bleiben dauerhaft in der heutigen Höhe erhalten?

Heitmann: Aus heutiger Sicht ist nicht absehbar, dass sich die aktuelle Situation ändert. Wir gehen davon aus, dass wir weiterhin anständig wirtschaften und auch in der Zukunft einen erheblichen Teil des Gewerbesteueraufkommens in Coburg stellen werden.

 

Was schätzen Sie an Coburg?

Heitmann: Die Namen der Stadt und der Huk sind eng miteinander verbunden. Die Huk fühlt sich in Coburg sehr wohl. Wenn neue Mitarbeiter von außerhalb zu uns kommen – nicht jeder kennt ja die Stadt –, dann sagen sie: Es ist schön hier. Übersetzt heißt das: Coburg ist eine sehr familienfreundliche Stadt. Das Kinderbetreuungs- und Schulangebot ist sehr gut. Wir haben eine große, wachstumsstarke Hochschule, die der Stadt guttut. Im Sommer ist in Coburg mit den vielen Veranstaltungen wirklich etwas los, die Leute fühlen sich hier wohl, sind nach meiner Beobachtung gerne hier. Für ihre Größe hat die Stadt viel Sport und viel Kultur. Das alles möge bitte so bleiben, und wenn es noch besser wird, haben wir nichts dagegen. Aber das Angebot ist schon auf einem sehr schönen Niveau.

 

Was ist verbesserungswürdig?

Heitmann: Ich kann keinen markanten Kritikpunkt finden. Aus Sicht der Huk passt der Standort Coburg. Er muss lebendig bleiben, die Menschen müssen sich hier wohlfühlen. Das zu erhalten bleibt eine zentrale Aufgabe.

 

Wie bewerten Sie die Verkehrsanbindung Coburgs?

Heitmann: Der ICE, der ab Dezember direkt in unserer Nachbarschaft hält, ist für unser Unternehmen wertvoll.

 

Auch wenn er nur am frühen Morgen, am Nachmittag und am Abend im Bahnhof Coburg hält?

Heitmann: Das sind für uns die relevanten Zeiten, um rechtzeitig in Berlin oder München zu sein. Ich hoffe, dass auch viele andere Fahrgäste das Angebot nutzen werden, damit es auf Dauer bestehen bleibt.

 

Wo steht die Huk in zehn Jahren?

Heitmann: Sie ist Deutschlands führender Autoversicherer mit hoffentlich noch größerem Abstand zu Mitbewerbern. Sie hat deutlich mehr Kunden in allen Versicherungssparten, die genauso zufrieden sind wie heute. Auch unsere Mitarbeiter arbeiten weiterhin gern und motiviert bei der Huk. Sie ist wirtschaftlich gesund und verdient weiter Geld, sodass sie allen Stürmen an den Kapitalmärkten weiterhin sehr gelassen ins Auge blicken kann. Die Stadt freut sich immer noch, dass die Huk in Coburg ihren Sitz hat, und unser Versicherungsunternehmen bietet einen noch besseren und breiteren Service.

 

Das bedeutet ...

Heitmann: ... dass wir mit weiterem Wachstum planen, das wir auch realisieren werden. Das gilt für das Geschäftsvolumen der Huk genauso wie für die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06