Hotels: Höhere Ansprüche, höhere Preise

Die Bayreuther Hoteliers sind sich einig. Die Festspielzeit mit ihren hohen Buchungszahlen bis hin zur Vollbelegung ist für ihre Häuser sehr wichtig. "Das ist schon mehr als das Tüpfelchen auf dem I. Die fünf Wochen tragen überproportional zur Rentabilität des Hauses bei", sagt etwa Michael Kreipp, Direktor des H4-Hotels. Er verweist neben dem besonderen Service, der von Festspielgästen einfach verlangt werde, auch auf die allgemein stetig steigenden Ansprüche, für deren Erfüllung die Häuser Jahr für Jahr nennenswerte Summen aufbringen müssten.

WLAN ist heute ein Muss

Kreipp selber investiert allein in diesem Jahr eine mittlere sechsstellige Summe, um bis Jahresende neben Lobby und Restaurantbereich vor allem alle 105 Zimmer auf den neuesten Stand zu bringen. Dazu gehören nicht zuletzt auch technische Neuerungen. WLAN auf allen Zimmern sei heute ein Muss für ein Hotel, das übers Jahr vor allem auch Geschäftsreisende beherbergt. Doch jetzt seien im H4 zum Beispiel auch die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der Gast in Zukunft von der Buchung über den Zugang zu Hotel und Zimmer bis zur Bezahlung der Rechnung alles mit seinem Handy erledigen kann.

Laminat statt Teppich

Rund 350.000 Euro wurden in diesem Jahr bisher ins Arvena gesteckt. "Man muss immer am Ball bleiben, jedes Jahr investieren", sagt Direktor Marc Jungk - unter anderem auch Trends nachgehen. Als ein Beispiel nennt er den Austausch von Teppichen gegen Laminat in den 200 Zimmern. Ein Angebot, das vor allem Allergiker erwarteten. Auch Zimmer ohne Klimaanlage seien heute in einem Vier-Sterne-Haus nur noch schwer zu vermitteln.

Große Herausforderungen

Vor ähnlichen, aber zum auch Teil völlig anderen Herausforderungen stehen mit dem Bayerischen Hof und dem Goldenen Anker zwei Bayreuther Traditionshäuser. Mehr als eine Million Euro hat Inhaber Hans Seuss allein in den vergangenen vier Jahren in den Bayerischen Hof gesteckt. Worauf es in seinem Haus, das 1918 in Familienbesitz kam, neben den normalen Themen des Komforts ankommt, erklärt Seuss anhand eines Beispiels. 1950 habe es noch 80 Zimmer mit zusammen drei Bädern gegeben, heute seien es 48 Zimmer, natürlich mit eigenem Bad. Erst vor drei Jahren wurden aus zwölf Einzelzimmern drei Juniorsuiten gemacht. Kleine Zimmer wolle heute kein Mensch mehr.

Hotel seit mehr als 250 Jahren

Seit mehr als 250 Jahren werden im Goldenen Anker Gäste beherbergt. Das Haus mit seinen heute 35 Zimmern ist noch deutlich älter, steht unter Denkmalschutz. Bei so einem Anwesen hätten "Investitionen eine völlig andere Bedeutung, weil in einem anderen Zeitmaßstab gedacht wird", sagt Inhaberin Eva Graf. Sie investiere laufend, um die Ansprüche der Gäste befriedigen zu können. Hinzu kämen aber "Unsummen, nur um die Gebäude zu erhalten und zu modernisieren". Nicht zu vermeiden, schließlich kommen viele Gäste gerade wegen des besonderen Flairs in den Goldenen Anker.

Mehr Service

Aber was sind denn nun die besonderen Angebote, die die Aufpreise in der Festspielzeit aus Sicht der Hoteliers rechtfertigen? Brunch statt Frühstück etwa, Kofferservice, Autoservice, Wäscherei und Bügelservice, Transfers zum und vom Festspielhaus und schließlich längere Öffnungszeiten der Küche, damit es auch nach der längsten Wagneroper noch etwas zu essen gibt. Das alles brauche mehr Personal und verursache höhere Kosten, betonen die Hoteliers einhellig. Und Marc Jungk vom Arvena sagt: "Im Schnitt 30 Prozent Aufschlag. Das ist kein Vergleich zu großen Messestädten oder beim Oktoberfest in München. Da verdoppeln und verdreifachen sich die Preise - ohne Gegenleistung."

Das sagt die BMTG

So ganz zufrieden ist Manuel Becher, Chef der Marketing und Tourismus-GmbH (BMTG), mit dem Bayreuther Hotelmix nicht. "Im Bereich der Vier-Sterne-Hotels sind wir wirklich gut aufgestellt. Aber bei drei Sternen und darunter ist es doch etwas dünn." Das werde auch das geplante B & B-Hotel in der Richard-Wagner-Straße nicht grundsätzlich ändern. "Die Nachfrage nach kleineren, funktionalen und sauberen Zimmern steigt", sagt Becher. Was auch an neuen Kundengruppen liege, Fahrradtouristen etwa oder Eventtouristen: "Nicht nur zu den Festspielen, auch bei Maisels Bierfest und beim Bürgerfest sind viele Hotels komplett ausgebucht." Auch gebe es immer mehr Nord- oder Osteuropäer, die auf dem Weg in den Urlaub im Süden oder zurück eine Nacht in Bayreuth Station machen.

Im ersten Halbjahr gingen die Touristenzahlen in Bayreuth gegen den Bayerntrend leicht zurück - um 0,8 Prozent auf 78.009 Ankünfte sowie 165 287 Übernachtungen. Das sei angesichts der erfolgreichen Landesgartenschau vor Jahresfrist nicht anders zu erwarten gewesen, sagt Becher. Gegenüber dem eher vergleichbaren Jahr 2015 habe es dagegen ein Plus von 16,3 Prozent gegeben. Und, da sind sich der BMTG-Chef und die Hoteliers sicher: Die Wiedereröffnung des Weltkulturerbes Markgräfliches Opernhaus im kommenden Jahr werde einen neuen und nachhaltigen Schub bringen.

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