Hortplätze: Vorbildlich manchmal zu wenig

Die vergangene Gemeinderatssitzung in Eckersdorf: Unter den Zuschauern sitzt ein halbes Dutzend besorgter Mütter. In der Bürgerfragestunde appellieren sie an den Gemeinderat, mehr Hortplätze zu schaffen. Für das kommende Schuljahr seien sie dringend darauf angewiesen.

Pichl: „Wir gehören zu den vorbildlichen Gemeinden im Landkreis.“

„Das Thema ist bekannt“, sagt Bürgermeisterin Sybille Pichl. Es gebe zwar keinen Rechtsanspruch auf einen Hortplatz. Nichtsdestotrotz wolle die Gemeinde eine Lösung finden. Mehr Hortplätze wird es aber auf die Schnelle nicht geben. Das stellt wenige Tage später der Familienausschuss fest. Es gebe keine Räume im Ort, in denen eine weitere Hortgruppe untergebracht werden könne.

Die Bürgermeisterin sagt im Ausschuss: „Wir gehören zu den vorbildlichen Gemeinden im Landkreis.“ Und das stimmt. In Relation zur Einwohnerzahl bietet nur Mistelbach noch mehr Hortplätze an. Mit dem Angebot sei auch der Bedarf gestiegen, sagt Bürgermeister Matthias Mann im Gespräch mit dem Kurier. „Wir mussten sogar kurzfristig an der Grundschule zwei Container aufstellen.“ Auf Dauer sei das keine Lösung.

Mann: „Wir müssen sicherstellen, dass der Bedarf gedeckt ist“

Deshalb hat sich der Gemeinderat entschieden, 1,5 Millionen Euro für einen Neubau auszugeben. Im März haben die Arbeiten dafür begonnen. Damit will Mistelbach sein Angebot von mehr als 50 Hortplätzen dauerhaft aufrecht erhalten. Aber wie wird in Mistelbach der Bedarf ermittelt? „Das ist recht schwierig“, sagt Mann. Es habe einmal eine Elternbefragung gegeben, die aber nicht besonders aussagekräftig gewesen sei. Die Bedarfsplanung sei dann im Gemeinderat eher über die Zahlen der Vorjahre gelaufen.

Für den Bürgermeister gehören Hortplätze heutzutage zum Angebot einer Gemeinde unbedingt dazu. „Wir müssen sicherstellen, dass der Bedarf gedeckt ist“, sagt er. Das sei fraktionsübergreifend auch die Meinung des Gemeinderates. „Da gab es gar keine große Diskussion.“

Draußen auf dem Land ist der Bedarf nicht so hoch

Ganz ähnlich sieht das auch der Hollfelder Verwaltungsleiter Günther Bienfang. „Man muss auf die gesellschaftlichen Veränderungen eingehen“, sagt er. Also: Hortplätze anbieten. Dabei bietet Hollfeld mit 13 Hortplätzen deutlich weniger an – und das bei dreimal mehr Einwohnern. Doch Bienfang sagt: „Der Bedarf bei uns ist gedeckt.“ Das habe er sich extra noch einmal von den Leiterinnen der beiden Kitas im Ort bestätigen lassen. Bisher habe man noch keine Anfrage nach einem Hortplatz ablehnen müssen.

Bis vor wenigen Jahren habe die Stadt noch eine Nachmittagsbetreuung in der Grundschule angeboten. Der Bedarf werde nun aber über die Hortplätze in den Kitas gedeckt. Der Verwaltungsleiter vermutet, dass der Bedarf bei einer Landgemeinde wie Hollfeld einfach noch nicht so weit ist. Es gebe noch viele Familien, in denen ein Elternteil arbeiten gehe und ein Elternteil sich um die Kinder kümmere.

Mittagsbetreuung als Ersatz für den fehlenden Hort

Der Kinderhort ist vielerorts nicht die einzige Möglichkeit, ein Grundschulkind betreuen zu lassen. So gibt es in Eckersdorf beispielsweise neben den drei Hortgruppen auch noch zwei Mittagsbetreuungsgruppen mit zusammen 40 Plätzen. Das teilt Bürgermeisterin Sybille Pichl dem Kurier auf Anfrage mit. Hort und Mittagsbetreuung – das Angebot sei komplett ausgebucht. „Man sieht daran, dass die Gemeinde sich sehr wohl bemüht, Betreuungsplätze zu schaffen“, sagt die Bürgermeisterin.

Trotzdem gibt es noch Eltern, die befürchten, dass sie für das kommende Schuljahr keine Betreuung für ihre Kinder bekommen. Eine weitere Hortgruppe wird es in Eckersdorf bis zum Start des neuen Schuljahres zwar nicht geben. Der Familienausschuss hat aber beschlossen, dass es nach den Sommerferien eine weitere Gruppe für die Mittagsbetreuung geben soll. Dort sollen dann alle Kinder unterkommen, für die es keinen Hortplatz gibt.

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