Hortplätze dringend gesucht

„Ich habe keine Möglichkeit, meine Tochter nach der Schule betreuen zu lassen“, sagt die 25-Jährige. Sie ist alleinerziehend, ist 2014 mit Emely aus Amerika, wo der Vater des Kindes noch lebt, wieder nach Oberfranken zurückgekehrt. Aber auch hier hat sie niemanden – aus der Familie – der sie unterstützen würde. Jasmin Rockstroh ist zurzeit mitten in einer Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement, steht kurz vor den Zwischenprüfungen. Ihre Arbeitszeiten könnte sie so ändern, dass sie ab 15.30 Uhr zu Hause wäre. „Wenn ich keinen Hortplatz ab September bekomme, muss ich die Ausbildung abbrechen, um mich um Emely kümmern zu können“, sagt sie.

Jede Absage ist hart

Auf ihre Anmeldung um einen Hortplatz hat sie nun eine Absage bekommen. „Wir haben bestimmte Kriterien, die bei jeder Anfrage gelten, egal aus welcher Einrichtung die Kinder kommen oder welcher Religion oder Nationalität sie sind“, sagt Pfarrerin Nicole Peter, die Trägervertreterin. Ganz oben steht, dass als erstes Geschwisterkinder einen Platz bekommen, danach kommt die Reihenfolge, in der angemeldet wird. Und hier wird keiner bevorzugt oder benachteiligt, sagt sie. „Jede Familie hat ihre persönlichen Gründe für eine Anmeldung und für jede Familie ist eine Absage, die wir erteilen müssen, hart“, so Peter. Jeder habe für sich seinen persönlichen Härtefall. Aber es müsse sich jede Familie selber um einen Betreuungsplatz oder eine Alternative kümmern. „Es gibt viele vergleichbare Fälle, wie der von Frau Rockstroh“, sagt die Pfarrerin. Aber wirkliche Härtefälle seien etwas anderes, wie beispielsweise familiäre Schicksale. „Wir haben einfach hohe Anmeldezahlen für unsere regulären Hortplätze“, erklärt die Trägervertreterin. Und man habe die Gruppen sowieso schon mit neun Plätzen überbelegt. Insgesamt wurden für das kommende Schuljahr 15 Absagen erteilt. „Ich verstehe die persönliche Notlage jedes Einzelnen um den Bedarf eines Hortplatzes, aber wir haben unser Potenzial ausgeschöpft“, sagt sie. Es werde bei der Absage für Frau Rockstroh und einen Platz für Emely bleiben.

Eher bewerben

Das sagt auch Bürgermeister Martin Dannhäußer. „Grundsätzlich hätte sich Frau Rockstroh schon viel eher um einen Hortplatz bewerben müssen und nicht erst jetzt kurz vorher“, rügt er. Die Lage sei schwer, das ist ihm schon bewusst, aber „wir können nicht zaubern“. Es gäbe jetzt sogar Zweitklässler, die nicht mit einem Betreuungsplatz versorgt werden können. Er hat Rockstroh vorgeschlagen, sich um einen Platz in der Mittagsbetreuung im katholischen Kindergarten zu bewerben. „Ich kann doch mein Kind nicht alleine von der Schule den weiten Weg dort hin alleine zurücklegen lassen“, sagt die Mutter kopfschüttelnd.

Tagesmutter aus Auerbach

Jasmin Rockstroh hat auch beim Jugendamt nachgefragt, was sie machen kann. „Man hat mir eine Tagesmutter in Auerbach angeboten, die aber nicht mobil ist“, sagt sie. Das heißt, sie müsste ihre Tochter selber dort hin bringen. „Das bringt mir doch auch nichts“, sagt Rockstroh.

„Die Angebote für die Nachmittagsbetreuung von Schulkindern sind vielfältig und unterschiedliche Konstellationen sind denkbar“, sagt Michael Benz, Pressesprecher des Landratsamtes auf Kurier-Nachfrage. Die Möglichkeiten verschiedener Akteure müssten aufeinander abgestimmt werden. Hier helfe am besten das persönliche Gespräch. „Ganz allgemeine Hilfestellungen sind in unserem Internetangebot unter „Bürgerservice (Jugend und Familie) zu finden“, so Benz.

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Kommentare

Die Situation von alleinerziehenden Elternteilen wird GNADENLOS von der gesamten Gesellschaft unterschätzt und ignoriert. Man wird ohne Familie regelrecht in das soziale Abseits gedrängt.Mit einem Gehalt wird ALLES gestemmt,alles wirklich alles liegt auf einem Paar Schultern,eine Krankheitsphase darf bitte nicht eintreten.Immer irgendwie aufrappeln und durchhalten.Die wenigsten Alleinerziehenden sind alleine weil sie sich Selbstverwirklichen wollen sondern weil sie zumeist durch Schicksalsschläge dazu wurden.Es wird ja gar nicht geprüft, ob nicht die Familie ein Kind mal mitversorgen kann um ein Kind mit nur einem Elternteil den Hortplatz zu geben. Manche Familien fühlen sich ja schon benachteiligt wenn sie sich den zweiten Urlaub im Jahr nicht mehr leisten können wenn kein zweites Vollzeitgehalt mehr reinfließt.Das ist kein Grund für einen unbedingt benötigten Hortplatz.Hier werden bei der Auswahl Äpfel mit Birnen verglichen
Das Problem besteht leider nicht nur in Creussen, sondern genauso in Pegnitz oder in Bayreuth und betrifft nicht nur Alleinerziehende Elternteile sondern auch berufstätige Eltern. Katastophal sind vor allem die fehlenden Ferienbetreuungen! Deutschland ist auf dem Gebiet der Kinderbetreuungsmöglichkeiten ein Entwicklungsland und in Europa auf den hintersten Plätzen zu finden!

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