Hörl: Schoßhund für Landesgartenschau

Die 500 Wagner-Figuren, die Ottmar Hörl im Sommer 2013 in den Festspielpark stellte, brachten Bayreuth überregionale Aufmerksamkeit, sogar in der Tagesschau und in der „New York Times“ tauchte die Stadt auf. Eine günstige Marketing-Maßnahme, die Bayreuth gerade mal 20 000 Euro kostete. 

Jetzt sieht es so aus, als kehrte Hörl demnächst nach Bayreuth zurück. Und zwar mit dem Schoßhund der Wilhelmine.

Hörl hat sich schon über das Hündchen informiert. „Das ist ein Zwergspaniel“, sagt er, „im Rokoko waren das sehr populäre Hunde, von ganz eigenartigem Aussehen, ziemlich süß.“ In den Mainauen soll das Tierchen dutzendweise Besuchern begegnen. Unklar ist lediglich, in welchem Umfang Hörl seine Figuren aufstellen wird. Nur auf dem Gelände der Landesgartenschau selber oder auch in der Stadt, das ist die Frage, über die der Bauausschuss am Dienstag beraten wird.

Folichon, so heißt das Hündchen

Auf die Idee waren Bernd Saupe und seine Mitstreiter von der Markgräfin-Wilhelmine-Gesellschaft gekommen. „Wir haben bei Ottmar Hörl angefragt, und der hatte auch gleich Lust“, sagt Saupe. Hörl hat die Startlöcher schon verlassen, er ist nach eigener Auskunft bereits dabei, das Modell für das Hündchen zu modelliere. Folichon heißt es, einen Eindruck, wie es aussah, kann man sich bei der Wilhelmine-Plastik an den Schlossterrassen in Bayreuth holen. Da ruht der Zwergspaniel im Schoß der Markgräfin.

"Ich versteh die Welt nicht mehr"

Ottmar Hörl, Präsident der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, kennt sich aus in Bayreuth. Schon mehrmals hatte er Figuren in Bayreuth aufgestellt, immer wieder war er auch angeeckt. Oder auf schlichtes Unverständnis gestoßen. 2013 etwa, in dem Jahr, da er den Grünen Hügel mit Mioni-Wagners bevölkert hatte, wollte er schließlich noch zehn Wagner-Figuren aus Aluminium der Stadt schenken. Allein, die lehnte ab. „Aus grundsätzlichen Erwägungen und unter dem Aspekt der Gleichbehandlung“, hieß es einem Brief der Oberbürgermeisterin Merk-Erbe. „Sollten Kunstwerke für den Festspielpark vorgesehen werden, würden diese im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung ausgewählt werden.“ Ottmar Hörl reagiert heute noch mit Achselzucken: „Da muss ich ehrlich sagen, ich versteh die Welt nicht mehr.“

Ein Wegweiser für die Landesgartenschau

Kulturreferent Fabian Kern wollte sich zu der neuen Aktion Hörls nicht äußern und verwies darauf, dass sich der Bauausschuss am Dienstag mit dem Projekt befassen soll. Die Verwaltung befürwortet das Projekt - wegen der Vorteile für die "Brückenschlagidee". Dahinter steckt die Achse, mit der Bayreuth bei seiner Bewerbung um die Landesgartenschau punktete: eine Verbindung von Eremitage über den neuen Park "Wilhelminenaue" bis hin zur Innenstadt mit dem Neuen Schloss und dem Hofgarten. Besuchern ohne intime Kenntnisse der Bayreuther Topographie ist diese Verbindung nicht ohne weiteres nahezubringen - da könnten Hörls Hündchen tatsächlich helfen.

Hörl selber sieht seine Plastiken vor allem als Anreiz. Plastik ist für ihn der Stoff, aus dem Gespräche gemacht sind. "Das ist nicht die künstlerische Leistung des Jahrhunderts, darum geht es ja auch gar nicht – das sind Kommunikationsmodelle", sagt Hörl. "Es geht darum, Leute zu interessieren, die Hündchen sind ein Impulsgeber, sich mit Wilhelmine auseinanderzusetzen."

Figuren finden reißenden Absatz

Natürlich geht es auch um's Geld. Hörl verkauft seine Figuren, sie finden reißenden Absatz. Die Wagner-Figuren musste er sogar nachfertigen lassen, so gut läuft der Verkauf. Allerdings tritt er auch gehörig in Vorleistung. Erweist sich sogar relativ gelassen, was den massenhaften Diebstahl seiner dirigierenden Wagner-Figuren betrifft. "Ein mittleres Vermögen habe ich verloren", sagt er. "Andererseits  gehört das wohl irgendwie auch dazu." Zahlreiche Figuren allerdings fanden keinen neuen Liebhaber - sie wurden schlicht zerstört.

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Kommentare

Schon wioeder heißt es "Wilhelminenaue" anstatt "Wilhelminen-Aue"! Wilhelminenaue ist ein Einzelgehöft in der Gemeinde Großderschau bei Neuruppin in Brandenburg nordwestlich von Berlin.

https://www.google.de/maps/place/Wilhelminenaue,+16845+Gro%C3%9Fderschau/@52.7826067,12.3816617,677m/data=!3m1!1e3!4m2!3m1!1s0x47a92a4c616b9185:0x7d2d3a40526c45bb
Siehe auch: http://forum.nordbayerischer-kurier.de/thread.php?threadid=3605
Gebetsmühlenartiger Starrsinn.
"Wilhelminen-Aue" ist jedenfalls deutlich besser "lesbar" und damit auch verstehbar als "Wilhelminenaue" und sollte deshalb für Bayreuth zur offiziellen Schreibweise erhoben werden!
genau, dann versteht das auch jeder Bayreuther im Vollsuff. Weil wir ja aweng bleed sind. Deshalb eine vereinfachte Schreibweise für Bayreuth, einen Bayreuth-Duden. Dann müssen wir auch nur 4 Jahre in die Schule ;-)
Es geht um den Kitsch, von Ottmar Hörl, nicht um die Aue!
Dem geht es natürlich nur um's Geld, Hörl verkauft und verdient an diesen Kitschfiguren wahnsinnig viel. Leider findet dieser geschmacklose Kitsch reißenden Absatz. Bisher hat er ein Vermögen mit dem Verkauf seiner Kitschfiguren verdient.

Das ist einfach kommerzieller Kitsch, zu jeden Jubiläum in einer Stadt werden von ihm z.B. Gartenzwerge, Engel, Hasen, Hähne, Erdmännchen, Teddybären oder anderer Kitsch als große Kunst angepriesen, ein cleverer Geschäftemacher. Hergestellt im Ausland zu Dumpingpreisen unter miserablen Arbeitsbedingungen.

Zur Landesgartenschau in Bayreuth fehlt nur des deutschen liebste Figur „Der Gartenzwerg (Sponti)“.

Nun kritisierte Hörl vor allem das Kulturreferat der Stadt als unbeweglich und bremsend. Die Äußerung von Stadtrat Stefan Schlags, seine Kunst sei abgeschmackt, ist einfach zu harmlos in der Beurteilung, trotzdem ein großes „BRAVO“ an Stefan Schlags.
Gegen diesen geschmacklosen Kitsch, müssten doch der Kulturreferent Dr. Fabian Kern und sein Marketing Manager Dr. Becher Sturm laufen!

Wo wird der produzierte Sondermüll von Ottmar Hörl entsorgt und wer bezahlt die Entsorgung von diesem geschmacklosen Kitsch-wir.
"Wilhelminenaue ist ein Einzelgehöft in der Gemeinde Großderschau bei Neuruppin in Brandenburg nordwestlich von Berlin." Ich finde das gehört sich schon anständig ausdiskutiert. Hochinteressant, zumal es wenige hundert Meter entfernt einen Friedrichsbruch gibt. Könnte nach Wilhelmines Bruder benannt sein.
Das an der Wilhelminenaue im Krohnsgraben vorbeifließenden Bächlein fließt in das Flüßlein Dosse, das dann zum Schloss Wusterhausen weiterfließt. 1682 wurde das Anwesen durch den Großen Kurfürsten für seinen Sohn Friedrich I. erworben, welcher es wiederum seinem Sohn Friedrich Wilhelm I., dem späteren Soldatenkönig, schenkte. Als dem Vater von unserer Wilhelmine. Und aus dem wenig entfernten Neuruppin steht der Apollotempel im Amaltheagarten. Der war das Vorbild für den Freundschaftstempel, den Friedrich II. für seine Schwester in Potsdam errichten ließ. In dem Freundschaftstempel steht die Sitzstatue von Wilhelmine. Davon haben wir seit einigen Jahren eine Kopie neben unserer Metropoltreppe unweit der Wilhelminen-Aue, in der wir bald die Eröffnung der Landesgartenschau feiern. :-) :-) :-)
Des einen Kitsch ist des anderen Kunst. Allerdings will Hörl Bayreuth seine Kunst mit Gewalt aufdrücken. Bayreuth ist thematisch eben auch das Branding-Element für ihn. "Geschenk"? Nein, eher Gratiswerbung.
Mag sein, dass sich Herr Hörl hier selbst inszeniert und den Bogen nanchmal etwas überspannt, aber ich finde die Miniwagners eine echte Bereicherung und freue mich auf die Miniköter, zumal sie keine Tretminen prpduzieren. Ist doch irgendwie schön zu sehen, welchen Wert BT für manche Künstler hat :)
Völlige Zustimmung.
Nur muss man die verschiedenen Interessen bei der Entscheidungsfindung eben berücksichtigen - auch was den Gleichbehandlungsgrundsatz angeht. Etwas irritierend finde ich allerdings, wie sehr Herr Hörl zuweilen auf Krawall gebürstet ist.